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Traditionsmasters in Berlin : Hallenfußball auf Abschiedstournee

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) setzt künftig auf Futsal. Das gefällt nicht jedem. Am Wochenende gab es in der Schmeling-Halle noch einmal Hallenfußball in bewährter Form, am Ende siegte Hertha BSC.

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Viel Netz. Bis heute wird beim Hallenfußball auf große Tore gespielt, auch am Samstag beim Masters in der Schmeling-Halle.
Viel Netz. Bis heute wird beim Hallenfußball auf große Tore gespielt, auch am Samstag beim Masters in der Schmeling-Halle.Foto: Imago

Der heutige Hallenfußball ist durch einen Schwindel entstanden. Um in der Winterpause etwas Geld zu verdienen, kommandierte der damalige Präsident von Hertha BSC, Wolfgang Holst, seine Fußballer vom Training im Schnee in die Deutschlandhalle ab. Doch am ersten Turniertag 1971 fielen kaum Treffer, die vom Deuschen Fußball-Bund (DFB) vorgeschriebenen Handballtore waren mit zwei mal drei Metern schlicht zu klein. Die Zuschauer pfiffen, am zweiten Turniertag drohten leere Kassen. Also ließ Holst kurzerhand Jugendfußballtore aufstellen, fünf mal zwei Meter groß. Fortan klingelten Kasten und Kassen. Den DFB habe man wegen einer Erlaubnis leider nicht erreicht.

Bis heute wird beim Hallenfußball auf große Tore gespielt, auch am vergangenen Samstag beim Traditionsmasters in der Max-Schmeling-Halle. Die Tore dort sind seit dieser Saison sogar auf 2,40 Meter erhöht, damit Ex-Profis wie Fredi Bobic, Ailton oder Bernd Schneider noch leichter treffen. Am Ende gewann die Legendenmannschaft von Hertha BSC um Lewan Kobiaschwilli und Dariusz Wosz 10:5 im Finale gegen Sparta Prag.

Doch wenn es nach dem DFB geht, dann ist dies die letzte Saison, in der Hallenfußball offiziell so gespielt werden darf. Ab dem Winter 2015/16 darf bei Verbands-Turnieren nur noch Futsal gespielt werden: Hallenfußball mit schwererem Ball, ohne Banden und wieder auf Handballtore. Tausende Spieler, Zuschauer und Vereine müssen sich umstellen. Für die einen ist das die Zukunft des Weltfußballs, für andere das Ende des immer noch beliebten Budenzaubers an der Bande.

Ab 2016 wird bei offiziellen Wettkämpfen in Deutschland Futsal gespielt

„Natürlich gibt es Kritik, die müssen wir aushalten“, sagt Bernd Barutta, zuständiger Abteilungsleiter Amateurfußball beim DFB. „Erstaunlich ist, dass sie erst in den letzten Wochen und Monaten aufkam.“ Den Beschluss, ab 2016 nur noch Futsal zu erlauben, hat der DFB-Bundestag schon 2013 gefasst. Die einen sagen, auf Wunsch der Fifa, die anderen sagen, auf Druck des Weltverbandes. Der größte Mitgliedsverband Deutschland sollte keinen Sonderweg mehr gehen und die in Südamerika und Südeuropa beliebte Variante übernehmen.

„Das wird wieder richtiger Fußball, vom Feld auf die Halle übertragen“, schwärmt Barutta, „kein Gebolze an der Bande mehr.“ Er zählt die Vorteile auf: Das Verbot von Grätschen und die Teamfoulgrenze verringere das Verletzungsrisiko. Der Ball springe nicht mehr wie ein Flummi, das fördere die Technik- und Taktikschulung. Für ältere Spieler sei Futsal gesünder, angesichts des demografischen Wandels nicht unwichtig, Mädchen fänden leichter den Einstieg, Kinder müssten nicht in der Kälte draußen trainieren. Stars wie Messi und Neymar begannen einst mit Futsal, auf solche Talente hofft auch die deutsche Rasen-Nationalelf. Und das Futsal-Nationalteam, das in den kommenden zwölf Monaten gegründet werden soll. „Bis 2024 wollen wir Europameister werden“, sagt Barutta. Sein Wunsch: „Futsal könnte das zweite Standbein des Fußballs werden, in Konkurrenz treten zu Basketball, Handball oder Volleyball.“

Befürworter und Traditionalisten stehen sich mit ihren Meinungen gegenüber

Doch nicht überall wird diese Euphorie geteilt. Der DFB-Hallenpokal der Frauen wurde am vergangenen Wochenende zum letzten Mal ausgetragen, weil die Bundesligisten im Winter nicht auf Futsal umsteigen wollten. Offiziell will sich kaum einer negativ äußern, aber fragt man bei Verbänden und Vereinen nach, dann stehen sich dort Befürworter und Traditionalisten gegenüber. Gerade älteren Spielern und Trainern fällt die Umstellung schwer, Futsal sei eher etwas für Techniker mit körperlichen Defiziten und kaum mit Rasenfußball zu vereinen. Im Jugendbereich wird dagegen schon Futsal gespielt und von vielen gelobt. „Wir haben Vereine und Mannschaften eingeladen und geschult“, sagt Kevin Langner, Sprecher des Berliner Fußball-Verbandes. „Zuschauer und Eltern haben eher Probleme, die Unterschiede zu erkennen.“ Auch sie will der Verband demnächst mit Flyern informieren. Langner hofft, dass Futsal sich mehr und mehr durchsetzt, wenn die Jugendlichen, die damit aufwachsen, in den Männerbereich wechseln.

Langfristig könnte es bei Hallenturnieren zu einer zersplitterten Landschaft kommen zwischen privaten und offiziellen Wettbewerben. „Wir sind keine Fußballpolizei“, sagt Barutta vom DFB, „wer privat in seine Halle einlädt, kann die Regeln selbst bestimmen. Aber bei Landes- oder Kreismeisterschaften muss er sich mit Futsal abfinden.“ Diese Trennung zeige doch die fehlende eingeschränkte Überzeugung des DFB, sagt Bernd Kühn. Für den Veranstalter des Berliner Traditionsmasters ist eine Umstellung auf Futsal „kein Thema. Das Spiel ist einfach schneller mit Bande und macht Spielern und Zuschauern mehr Spaß.“ Er überlege aber, Grätschen auch zu verbieten. Die schweren Bälle dagegen hält er für gesundheitsschädlich, gerade für Kindergelenke. Die Futsal-Initiative erinnert Kühn an die Einführung von Beachsoccer 2006. „Da gab es auch keinen Boom.“ Sollte bald bei offiziellen Wettbewerben nur noch Futsal gespielt werden, würde das Kühn, der auch Hallenturniere im Emsland und in Krefeld veranstaltet, freuen. „Dann hätten wir fast ein Alleinstellungsmerkmal.“ Sozusagen vom DFB über Bande zugespielt.

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