TSG 1899 Hoffenheim in der Krise : Wann verliert Dietmar Hopp die Lust?

Bei der TSG Hoffenheim geht die Angst um. Wird der allmächtige Mäzen Dietmar Hopp trotz der Krise treu zu seinem selbst errichteten Fußballdenkmal stehen? Oder geht es nach Jahren des steilen Aufstiegs nun wieder steil nach unten?

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Warm anziehen. Dietmar Hopp hat schon deutlich bessere Zeiten in Hoffenheim erlebt.
Warm anziehen. Dietmar Hopp hat schon deutlich bessere Zeiten in Hoffenheim erlebt.Foto: picture-alliance/ dpa

Unmittelbar nach dem demoralisierenden 0:1 gegen den VfB Stuttgart konnte man Mitarbeiter der TSG Hoffenheim dabei belauschen, wie sie sich gegenseitig die Zweitligatabelle aufsagten. Es galt herauszufinden, gegen wen es am Ende der Saison in der Relegation gegen den Abstieg gehen könnte. „Oh, beim FCK auf dem Betze, das wird was, das langt nie“, sagte einer. Die Frage nach dem Relegationsgegner erscheint durchaus legitim: Seit Sonntag geht der Blick der Hoffenheimer nur noch nach unten.

Am Tag danach war man bei der TSG Hoffenheim dabei zu ergründen, was die 14. Saisonniederlage bedeutet. Dabei ging es nicht nur um die Angst vor dem vorgezogenen Abstiegsendspiel am Samstag beim FC Augsburg, der in der Tabelle nur einen Punkt hinter der TSG auf Platz 17 steht. „Dieser Angst müssen wir uns stellen“, sagte Trainer Marco Kurz. Das jüngste Projekt der Bundesliga steckt in seiner schwersten Krise. Bis vor der Partie gegen Stuttgart hatten sich die Hoffenheimer mit der Aussicht beschäftigt, es mit einem Sieg vielleicht doch noch auf einen Nichtabstiegsplatz zu schaffen. Dieser Illusion gibt sich nun niemand mehr hin. Der Rückstand ist auf zehn Punkte gewachsen. Man schaue nach unten, stellte Trainer Kurz fest. Hoffenheim hat den Glauben an Rang 15 aufgegeben.

Aufstieg und Fall eines Dorfvereins
Dem Dietmar Hopp sein Verein. Für die einen ist Dietmar Hopp, 72, ein ganz normaler schwerreicher Mäzen, der sich mit der TSG Hoffenheim einen Fußballklub als teures Spielzeug leistet. Für die anderen ist der Gründer des Software-Unternehmens SAP ein echter Fußballromantiker – weil er den Verein aus seinem Heimatdorf Hoffenheim, für den er in der Jugend früher selbst als Stürmer gespielt hatte, innerhalb von 18 Jahren aus der Kreisliga in die Bundesliga geführt hat. Rund eine Viertelmilliarde Euro soll Hopp der Spaß bisher gekostet haben. Sein Vermögen wird auf vier Milliarden Euro geschätzt.Alle Bilder anzeigen
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19.02.2013 16:26Dem Dietmar Hopp sein Verein. Für die einen ist Dietmar Hopp, 72, ein ganz normaler schwerreicher Mäzen, der sich mit der TSG...

Der Frust, der Manager Andreas Müller sagen ließ, „wir müssen uns hinterfragen, ob jeder alles gibt“, lässt zumindest Zweifel bei der Frage aufkommen: Kann die Mannschaft überhaupt im Abstiegskampf bestehen? „Für diese Leistung fehlt mir jegliches Verständnis“, sagte Müller. Da half es wenig, dass der Stadionsprecher Mannschaft und Zuschauer mit der Durchhalteparole „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ entließ. Über allem aber schwebt die Ungewissheit, wie sich Mäzen Dietmar Hopp verhalten wird, wenn sein Projekt in der Zweiten Liga verschwindet. In einem „Zeit“-Interview hatte Hopp gesagt: „Es gab immer wieder kurze Momente, in denen ich dachte: Wahrscheinlich war es ein Fehler, dass ich das mit auf den Weg gebracht habe. Damit meine ich das Profigeschäft – und nicht meine Investitionen in den schon vielfach ausgezeichneten Jugendbereich.“

Er würde das möglicherweise nicht noch einmal tun. Dass Hopp den Klub fallen lässt, ist kaum vorstellbar, aber nicht ausgeschlossen.

Im November 2012 hatte Hopp noch die ehrgeizigen Ziele des damaligen Trainers Markus Babbel verteidigt, der von der Europa League gesprochen hatte. Was folgte, waren dessen Entlassung, das Theater um Torwart Tim Wiese und allerlei Disziplinlosigkeiten. Etwa, dass die Polizei eingreifen musste, als Wiese und Tobias Weis als Zuchthäusler und Neandertaler verkleidet auf einer Faschingsveranstaltung für Ärger sorgten. Rund zwölf Millionen Euro gab der Klub im Winter aus. Aber weder David Abraham, Eugen Polanski noch Igor de Camargo konnten der TSG bisher helfen, Torwart Heurelho Gomes begleiten bei jeder Flanke Zweifel.

Nun ist das Fünkchen Hoffnung übrig geblieben, sich doch noch irgendwie zum Klassenerhalt durchzumogeln. Immerhin, so war zu hören, könne man sich nun auf ein Ziel konzentrieren. Welches genau, wusste allerdings keiner zu sagen: Ist es das Endspiel in Augsburg? Die möglichen Relegationsspiele? Oder doch, Dietmar Hopp zum Weitermachen zu motivieren?

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