TSG Hoffenheim : Der Druck auf Markus Babbel wächst

Nur sieben Siege in zehn Monaten, zuletzt drei mehr oder weniger deutliche Niederlagen: Herthas früherer Coach Markus Babbel sitzt in Hoffenheim trotzdem noch auf der Trainerbank. Doch Geduld ist endlich.

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Hält doppelt wirklich besser? Markus Babbel hebt gleich beide Zeigefinger – als Warnung an seine Mannschaft.
Hält doppelt wirklich besser? Markus Babbel hebt gleich beide Zeigefinger – als Warnung an seine Mannschaft.Foto: dapd

Das Dementi war so vehement wie die Frage logisch. Nein, nein, versicherte man bei der turnusmäßigen Pressekonferenz vor dem Spiel der TSG Hoffenheim gegen Werder Bremen, die Abstinenz von Andreas Müller habe nichts zu bedeuten. Der Manager des Bundesligisten nehme lediglich einen lange geplanten privaten Arzttermin in Duisburg wahr, hieß es aus dem Umfeld des Klubs. Mit der sportlichen Krise habe Müllers Abwesenheit jedenfalls rein gar nichts zu tun.

Die derzeitige Lage der Hoffenheimer, die nach dem 2:4 beim 1. FC Nürnberg weiter auf Relegationsrang 16 stehen und langsam den Anschluss ans Mittelfeld zu verlieren drohen, macht derartige Aufklärung nötig. Sonst wäre womöglich noch jemand auf die Idee gekommen, Müller suche im Westen nach einem neuen Trainer. Gleichzeitig sickerte durch, der einflussreiche Mäzen und Gesellschafter Dietmar Hopp komme erst am 15. Dezember aus seinem Florida-Urlaub zurück. Auch Hopps Abwesenheit war zuletzt mit der beruflichen Zukunft von Hoffenheims Trainer Markus Babbel verknüpft worden. Solange Hopp in den USA weilt, droht Babbel dem Vernehmen nach keine Gefahr. Hopps Urlaubsdauer hat wohl ebenso wenig Einfluss auf die künftige Besetzung des Cheftrainerpostens wie der Kurztrip von Müller.

Dass die Lage dennoch angespannt ist, zeigt jedes neue Ultimatum, das im Zusammenhang mit dem Mann genannt wird, der in zehn Monaten nur sieben Mal gewinnen konnte und die letzten drei Spiele in Folge verlor. Nun gehen viele davon aus, Babbel müsse am Sonntag gegen Bremen gewinnen, wenn er seinen Job behalten will. Diese Vermutung wird allerdings seit Wochen deshalb zur Anwendung gebracht, weil schlicht immer weniger Menschen nachvollziehen können, warum Babbel nicht längst entlassen wurde. Der schleichende Prozess des Niedergangs ist nicht neu.

Namen möglicher Nachfolger begleiten die Diskussion nach Lösungen wie dunkle Schatten. Marco Kurz ist der, der am häufigsten fällt. Der ehemalige Trainer des 1. FC Kaiserslautern soll ein Bekannter von Manager Müller sein und nach einer bereits erfolgten Kontaktaufnahme bereit stehen, was weder dementiert noch bestätigt wird. Manager Müller sagte lediglich, Babbel werde am Sonntag als Cheftrainer auf der Bank sitzen.

Festzuhalten ist bei der Indiziensuche aber auch: Babbels Verhältnis zu seinem Team wurde nach der jüngsten Niederlage in Nürnberg von ihm selbst auf eine neue Stufe gestellt. Der 40-Jährige ging zum ersten Mal auf Distanz zu seinen Spielern und zog deren Dienstauffassung in Zweifel. „Ich habe mich lange schützend vor die Spieler gestellt, aber irgendwann ist auch einmal ein Punkt erreicht, wo ich erwarten kann, dass man die einfachen Sachen, die zum Fußball dazu gehören, zu hundert Prozent erfüllt – auch wenn einer 19 oder 20 ist“, klagte Babbel.

Zum Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft hat man viel gehört. Etwa, dass fast jeder im Team schon seine kleinen Kämpfe mit dem Coach ausgetragen hat und manche von Babbels Maßnahmen nicht gut angekommen sind. Zuletzt hatte Babbel Torwart Tim Wiese mit der Nachricht verärgert, er hätte gegen Leverkusen ohnehin nicht gespielt. Wiese verletzte sich kurz vorher. Babbel wollte das als Zeichen verstanden wissen, keiner im Team könne sich mehr sicher fühlen. Bei manchem Zwist drängte sich der Eindruck auf, dass Babbel beim Thema Teamführung nicht immer gut beraten war. Den Rest erzählen Absichtserklärungen von einst. Babbel wollte das Team umbauen und in die Europa League führen. Jetzt steht er mit nur zwölf Punkten da. Abstiegsangst aber will sich der 72 Jahre alte Dietmar Hopp unbedingt ersparen.

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