Unruhe bei Alba Berlin : Es knirscht unterm Korb

Bei Alba stehen die großen Spieler in der Kritik – und auch die Flügelspieler beschweren sich. Das Team spiele zu sehr durch die Mitte. Es knirscht, taktisch und wohl auch zwischenmenschlich.

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Mehr verteidigen, besser rebounden. Die taktischen Lösungen von Coach Sasa Obradovic überzeugen nicht jeden bei Alba Berlin.
Mehr verteidigen, besser rebounden. Die taktischen Lösungen von Coach Sasa Obradovic überzeugen nicht jeden bei Alba Berlin.Foto: dpa

Berlin - Als ein Mitspieler beim Training nach der Wasserflasche greifen will, schreitet Brandon Ashley resolut ein. Der 21-Jährige lehnt sich vor die Flasche und sagt feixend: „Die kriegst du nicht.“ Zumindest in dieser Situation passen die Abwehrarbeit und Stimmung bei Alba Berlin.

Zuletzt gab es ja durchaus Kritik an Ashley und Kollegen. Coach Sasa Obradovic hatte die Defensiv- und Reboundarbeit gerügt. Da dürfen sich vor allem die großen Jungs unter dem Korb angesprochen fühlen. Und der frühere Bundesligatrainer Stefan Koch kritisierte in seiner Kolumne bei Telekombasketball, Alba fehle im Vergleich zum Vorjahr die Athletik und Beweglichkeit auf den großen Positionen. „Es stimmt, wir sind nicht die Überflieger unter dem Korb“, sagt Kapitän Alex King. „Wir leben eher von der Technik als von Shotblockern.“ Jonas Wohlfarth-Bottermann fehlt da, der Center ist operiert worden, teilte Alba Donnerstag mit, und muss sein Knie sechs Wochen schonen. Bleiben noch Elmedin Kikanovic und Kresimir Loncar, die zusammen nur auf sieben Rebounds und 0,8 Blocks pro Spiel kommen.

„Koch hat Recht: Wir können nicht springen, wir spielen schlechte Defense“, sagt Loncar und verzieht keine Miene. Der Kroate meint die Bemerkung sarkastisch, aber gesteht dem ehemaligen Coach seine Meinung zu. „Ich war nie eine Reboundmasche und immer eher ein Spieler, der 20 Punkte erzielt als 20 Rebounds holt“, sagt Loncar, „da muss ein Klub wissen, wen er verpflichtet.“ Trotzdem hole Alba ligaweit als Team die drittmeisten Rebounds. Aber Loncar räumt ein, dass man allein mit Routine und Stellungsspiel gegen Centerbrocken wie Ludwigsburgs Jon Brockmann nicht bestehen kann. Neben Loncar lauscht Ashley andächtig und verspricht, mit seiner Athletik auszuhelfen. „Meine Jugend ist keine Ausrede“, sagt er. Und doch sagen fast alle bei Alba, dass der Rookie noch viel zu lernen hat.

Kapitän King klagt: Wir schließen immer drinnen ab

„Athletik ist nicht alles, man kann auch viel über Antizipation lösen“, sagt Obradovic und fordert: „ Wir müssen und auf Defense, Defense, Defense fokussieren.“ Dass Albas Spiel zuletzt vor allem offensiv stockte und die Berliner in Ulm zuletzt nur 15 Prozent ihrer Dreipunktewürfe trafen, schert Obradovic weniger. „Ob wir die Würfe treffen, können wir nicht beeinflussen, wir müssen verteidigen und härter zum Rebound gehen “, sagt er.

Das sehen nicht alle so im Team. Kapitän King etwa sagt: „Wir spielen zu viel durch die Mitte und bringen den Ball zu selten nach außen.“ Auch sein Kollege auf dem Flügel, Akeem Vargas, klagt über fehlende Anspiele: „Ich werde in diesem Jahr nicht mehr so oft in der Ecke gefunden.“ Vielleicht, weil er nicht mehr so gut trifft: Seine Dreipunktequote ist um zehn Prozent auf 31,7 Prozent gesunken. „Als Schütze ist es einfacher, einen Rhythmus zu finden, wenn du mehr Würfe hast“, sagt Vargas. Doch sowohl die Aufbauspieler, die zum Korb ziehen, als auch die Center, die den Ball fangen, wählen zu oft den direkten Abschluss als den Pass nach außen. „Wir schließen immer drinnen ab, das macht es schwieriger“, klagt King. So erklärt er auch die zuletzt nachlassenden Reboundzahlen. „Wenn die Zone dicht ist und acht Mann unter dem Korb um den Ball kämpfen, dann ist es viel Drecksarbeit und auch ein Glücksspiel “, sagt King.

Bei Alba knirscht es im Gebälk, taktisch und wohl auch zwischenmenschlich. Die Center wirken angefressen, die Flügelspieler auch und der Coach klagt über die vielen Verletzten und „dass ich seit Saisonbeginn im Training nicht einmal alle Spieler zusammen hatte“. Wie könnte nun eine Lösung aussehen, etwa schon am Samstag im Heimspiel gegen Bonn? „Ich könnte mehr unter dem Korb spielen, dann bekomme ich vielleicht mehr Bälle“, sagt King und lächelt gequält.

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