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Unser Blog zum Bundesliga-Wochenende : Transfer perfekt: André Schürrle wechselt zum VfL Wolfsburg

Der Transferpoker um André Schürrle ist entschieden: Der Nationalspieler wechselt vom FC Chelsea nach Wolfsburg. Geschätzte 32 Millionen Euro bezahlt der VfL für den teuersten Neuzugang der Klubgeschichte

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André Schürrle spielt ab sofort bei VfL Wolfsburg.
André Schürrle spielt ab sofort bei VfL Wolfsburg.Foto: dpa

19:11 Uhr: Geschätzte 32 Millionen Euro bezahlt Wolfsburg also für André Schürrle, den teuersten Neuzugang der Klubgeschichte. Der VfL ignoriert dabei sogar die laufenden Untersuchungen der Uefa-Finanzkontrolleure wegen der Einhaltung der Financial-Fairplay-Regeln. „In der heutigen Zeit kommt man leider auf diese Summen“, verteidigte Allofs das ungewöhnlich hohe Investment für den Chelsea-Reservisten: „Das ist für uns einfach wichtig als Klub.“

18:25 Uhr: Also, nun ist es tatsächlich vollbracht. André Schürrle kehrt in die Bundesliga zurück. Der VfL Wolfsburg einigte sich kurz vor Transferschluss mit dem FC Chelsea.

17:00 Uhr: Was ist eigentlich in Wolfsburg los. Schon lange keine Meldung mehr gelaufen, dass nichts passiert ist. Muss man sich etwa Sorgen machen, dass eine Entscheidung kurz bevorsteht? Ja. In einer Stunde (ab jetzt) muss der Deal durch sein.

16:15 Uhr: Das ist mal eine happige Strafe. Das DFB-Sportgericht hat Klaas-Jan Huntelaar für sechs Spiele gesperrt. Der Stürmer vom FC Schalke 04 war Hannovers Manuel Schmiedebach am Samstag von hinten in die Beine gesprungen - ohne die geringste Chance an den Ball zu kommen. Schalke will die Strafe nicht akzeptieren. Ist ja auch ziemlich hinterhältig vom DFB, erst damit rauszukommen, nachdem die Transferliste geschlossen ist. Sonst hätte Schalke wenigstens noch Ersatz verpflichten können.

15:30 Uhr: Eine Dreiviertelstunde hat Luhukays Ansprache und Analyse des Bremen-Spiels gedauert. Erst dann sind die Ersatzspieler auf den Trainingsplatz gekommen. Nicht dabei: Sandro Wagner, der einen Schlag aufs Sprunggelenk bekommen hat, John Heitinga, der nach seinen Wadenproblemen einen Termin beim Neurologen hatte, und Per Skjelbred. Peter Niemeyer hat die Nacht zur weiteren Beobachtung in einer Bremer Klinik verbracht. Die Untersuchungen haben keinen gravierenden Befund erbracht. Herthas früherer Kapitän könnte wohl schon am Mittwoch gegen Leverkusen wieder spielen. Dazu kehrt Hajime Hosogai nach seiner Gelbsperre zurück.

15:15 Uhr: Carlos Eduardo hat nicht geklappt, Philipp Hosiner auch nicht - doch auch der 1. FC Köln hat am letzten Tag der Transferperiode noch einmal auf die Vakanz im Sturm reagiert. Der brasilianische Mittelstürmer Deyverson Brum Silva Acosta, genannt Deyverson, kommt als Ersatz für den an den 1. FC Kaiserslautern zurückverliehenen Simon Zoller. Der FC einigte sich mit dem portugiesischen Erstligisten CF Belenenses aus Lissabon auf eine Ausleihe des 23-Jährigen bis zum 30. Juni. „Deyverson ist ein junger Spieler, der sich in Portugal schnell eingewöhnt hat und durch seine Torgefährlichkeit auf sich aufmerksam gemacht hat“, sagte FC-Sportdirektor Jörg Jakobs. Deyverson war 2012 aus Brasilien gekommen und im Sommer 2013 von der zweiten Mannschaft von Benfica Lissabon zum Stadtrivalen Belenenses gewechselt. In dieser Saison hat der Brasilianer in 16 Spielen acht Tore erzielt.

14:50 Uhr: Neues aus Wolfsburg, Teil 236: "Frist für Poker um Schürrle verlängert - Allofs entspannt" (dpa, 14.45 Uhr)

14:45 Uhr: Das Auslaufen unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat bei Hertha noch nicht begonnen. Es gibt erst noch eine Mannschaftsbesprechung in der Kabine. Gut möglich, dass die heute ein bisschen länger dauern wird. Die Stammspieler gehen anschließend gar nicht erst auf den Platz, sondern trainieren im Kraftraum. Ein Fan hat sich aufs Gelände gemogelt. Seine Frage an eine Mitarbeiterin der Pressestelle: "Ham se die Hosen voll? Die sollen sich ein bisschen bewegen."

13:35 Uhr: Wenn man die Bayern weghaut, auf dem Weg ist, die neue Nummer zwei in Deutschland zu werden, kurz davor steht, einen Weltmeister zu verpflichten (siehe unten), muss die Euphorie in Wolfsburg wohl grenzenlos sein. Stellt man sich als Unbeteiligter zumindest vor. Eintracht Frankfurt hat gerade vermeldet, dass zum Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg 33.000 Karten verkauft wurden - davon immerhin 200 an Wolfsburger Fans.

13:30 Uhr: Wie versprochen: Die neuesten Nicht-Neuigkeiten im Fall Schürrle (Deutsche Presse-Agentur, 13.30 Uhr): "Schürrle-Wechsel noch nicht perfekt - Allofs: ,Es geht ums Geld'".

13.25 Uhr: Langsam muss man sich ein bisschen Sorgen machen - um den FC Basel. Kann der Schweizer Meister in der Rückrunde überhaupt noch am Ligabetrieb teilnehmen? Oder muss er mangels Spielern seine Mannschaft zurückziehen? Nach Geoffrey Die (zum VfB Stuttgart, siehe unten) verlässt auch Marcelo Diaz den Klub. Der defensive Mittelfeldspieler wechselt zum Hamburger SV. Der 28 Jahre alte Chilene, Nationalspieler und WM-Teilnehmer, unterschrieb einen Vertrag bis 2017. „Die Qualitäten von Marcelo hat man bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer gesehen“, sagte Hamburgs Sportdirektor Peter Knäbel. „Er war einer der laufstärksten Spieler und ist einer, der immer den Ball haben will, das Spiel auf sich fokussiert, auch in schwierigen Situationen. Er ist jemand, der im Spiel nach vorne die mittlere Zone überbrücken kann. Das ist das, was wir von ihm erwarten und was er auf hohem Niveau schon getan hat.“

13.15 Uhr: Für alle, die den Entwicklungen nicht ganz folgen können. Hier noch einmal, in chronologischer Reihenfolge, die Überschriften der Deutschen Presseagentur zum Fall Schürrle/Wolfsburg: „VfL-Geschäftsführer Allofs: Kein neuer Stand bei Schürrle-Transfer“; „Last-Minute-Transfer rückt näher: Schürrle auf Transferliste“; „Schürrle-Wechsel nach Wolfsburg noch nicht perfekt“. Wird fortgesetzt. Klarheit gibt es immerhin in einer anderen Personalie. Der 1. FC Köln hat seinen Wunschtransfer nicht realisieren können. Carlos Eduardo kommt nicht. Der Brasilianer, der früher für die TSG Hoffenheim gespielt hat, steht nicht auf der Transferliste.

12:40 Uhr: Die DFL hat die Transferliste 56-14-15 veröffentlicht. 51 Namen stehen darauf, von Lucas Alves de Araujo bis Simon Zoller. Dass auch André Schürrle Aufnahme gefunden hat, war der Deutsche Presse-Agentur eine eigene Meldung wert, wobei die Tatsache an sich noch nichts darüber sagt, ob der Transfer zustande kommt oder nicht. Anders herum wäre es eine Nachricht. Stünde Schürrle nicht auf der Liste, wäre der Transfer für diese Saison gescheitert.

Interessant aus Hertha-Sicht sind auf den ersten Blick drei Namen auf der Liste: Andreas Ottl, Rodnei und Robert Andrich. Ottl, seit einem halben Jahr vereinslos, hat die Hoffnung auf eine Fortsetzung seiner Karriere also noch nicht aufgegeben. Ob er bei einem Verein unterkommt, wird sich in den nächsten gut fünf Stunden erweisen. Dann müsste ein Transfer über die Bühne sein. Rodnei, früher ebenfalls bei Hertha, wechselt wohl von RB Salzburg zu - Überraschung! - RB Leipzig. Robert Andrich spielt bei Herthas U 23, vor zwei Jahren durfte er einmal mit den Profis ins Trainingslager in der Türkei. Wohin er wechselt, ist noch nicht bekannt.

12:30 Uhr: Es gibt jetzt doch erste Anzeichen dafür, dass Hertha BSC nervös wird. Der Klub schottet sich ab. Das Auslaufen der Profis nach den Bundesligaspielen findet künftig unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auslaufen, das ist die spannende Veranstaltung, bei der die Stammspieler ein paar Runden um den Platz drehen und die Ersatzleute eine halbwegs normale Trainingseinheit absolvieren. Bisher war es so, dass Hertha lediglich bei den beiden letzten Einheiten vor einem Spiel das Trainingsgelände geschlossen hat, jetzt kommt also auch noch die erste nach einem Spiel hinzu. Für Herthas Fans heißt das: In dieser, der Englischen Woche, bekommen sie die Spieler kein einziges Mal zu Gesicht (vom Spiel gegen Leverkusen am Mittwoch einmal abgesehen). Das ist insofern bemerkenswert, als das Zuschaueraufkommen bei Trainingseinheiten vermutlich nur an den Bundesligastandorten Paderborn, Hoffenheim und Wolfsburg geringer ausfällt als bei Hertha.

Wir Medien dürfen dem Auslaufen übrigens beiwohnen, wir dürfen die rundendrehenden Spieler filmen und fotografieren. Reden aber dürfen wir anschließend nicht mehr mit ihnen, auch nicht mit dem Trainer. Wie man hört, folgt der Verein damit einem ausdrücklichen Wunsch von Jos Luhukay, dessen ausführliche und tiefergehende Analysen am Tag nach einem Spiel von uns Journalisten nicht nur außerordentlich geschätzt wurden, sondern uns auch in unserer Arbeit durchaus geholfen haben. Vorbei!

Die Abschottung gerade vor den Medien ist bei Hertha in Krisenzeiten ein stetig wiederkehrendes Motiv. Nach meiner Erfahrung wird sie auch als Form der Bestrafung für kritische Berichterstattung angewandt. Diesmal aber handelt es sich offensichtlich um vorauseilendes Beleidigtsein. Oder um die Anerkenntnis: Wir sind so schlecht, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Berichterstattung so kritisch wird, dass wir uns beleidigt fühlen müssen.

Mich erinnert das an die Saison 2011/12, als Hertha zuletzt aus der Bundeliga abgestiegen ist. Auch da hat Hertha viel zu viel Energie darauf verwendet, sich die Medien vom Hals zu halten. Das sorgt nicht nur für schlechte Stimmung, sondern liefert auch schlechte Bilder – also genau das, was der Klub in seiner akutellen Situation am wenigsten braucht.

12:10 Uhr: Kleiner Zwischenbericht für alle, die es nicht mehr erwarten können. Die Transferfrist ist zwar um zwölf Uhr abgelaufen, die neue und letzte Transferliste aber ist von der DFL noch nicht veröffentlicht worden. So viel schon vorab: Der VfB Stuttgart (noch ein Konkurrent von Hertha BSC im Abstiegskampf) hat Geoffrey Die vom FC Basel verpflichtet. Der Nationalspieler der Elfenbeinküste, der am Mittwoch das Halbfinale um den Afrika-Cup bestreitet, erhält einen Vertrag bis 2017.

11:50 Uhr: Neuverpflichtungen, Teil III. Eine kleine Begebenheit aus der Straßenbahn in Bremen vor dem Spiel gegen Hertha. Zwei Werder-Fans unterhalten sich über die Spiele vom Samstag im Allgemeinen und das Debüt der Bremer Leihgabe Nils Petersen für den SC Freiburg. Wenn Petersen schon drei Tore in einem Spiel schieße, so sagt einer, müsse di Santo gegen Hertha ja sechs machen. Mit anderen Worten: In Bremen scheint man nicht allzu viel von Petersen zu halten. In Freiburg wird man das vermutlich anders sehen. Der 26-Jährige erzielte den ersten Hattrick überhaupt in der Bundesligageschichte für die Breisgauer - und das obwohl er erst zur zweiten Hälfte eingewechselt wurde. Petersen hat dazu übrigens gesagt: "Wenn ich solche Vorlagen von den Jungs bekomme, dann ist es für jeden Stürmer einfach. Da hätte man auch eine Kiste Bier vorne reinstellen können, die hätte die drei Dinger vielleicht auch gemacht."

11:30 Uhr: Endlich die ersten Transfers des Tages, wenn auch leider nur aus der Zweiten Liga: Erzgebirge Aue hat noch einmal zugeschlagen. Vor Ligakonkurrenten TSV 1860 München wurde der amerikanische Stürmer Bobby Wood verpflichtet. Er erhält einen Vertrag bis 2017. Wood kam in dieser Saison bislang auf sechs Einsätze in der Liga und stand sechsmal für die Nationalmannschaft seines Heimatlandes auf dem Rasen.  Außerdem kommt Roman Golobart. Der spanische Innenverteidiger stand zuletzt beim 1. FC Köln unter Vertrag, kam aber nur noch in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga West zum Einsatz. Golobart wechselt zunächst auf Leihbasis nach Aue und hat einen Vertrag bis zum Saisonende.

11:25 Uhr: Das liebe ich an diesen Tagen, an denen die Transferperioden zu Ende geht: Da werden auch Nicht-Nachrichten zu Nachrichten. Dass es im Falle André Schürrle keine Neuigkeiten gibt, wird schnell zur Neuigkeit aufgeblasen, weil es ja schon in Kürze einen neuen Stand geben könnte. Hier also das, was die Deutsche Presseagentur gerade vermeldet hat: „Wenige Stunden vor Ende der Transferfrist ist ein Wechsel von Fußball-Nationalspieler André Schürrle zum VfL Wolfsburg immer noch nicht sicher. ,Es gibt nach wie vor nichts zu vermelden’, sagte VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs am Montagvormittag der Deutschen Presse-Agentur. Bis 12.00 Uhr muss der Name des 24-Jährigen auf der Transferliste der Deutschen Fußball Liga stehen. Bis 18.00 Uhr muss sich Wolfsburg mit dem FC Chelsea auf einen Wechsel geeinigt haben. Wirtschaftliche Aspekte hatte Allofs zuletzt als Hindernis genannt. Angeblich verlangt Chelsea rund 32 Millionen Euro. Für 12.30 Uhr hat der Fußball-Bundesligist zu einer Pressekonferenz eingeladen.'

11:20 Uhr: Für alle, die zu faul sind, bis zu den Leserkommentaren nach unten zu scrollen, hier der schöne, da sarkastische Beitrag von axelirmtraud zum Zustand von Hertha BSC: „Ich habe vielleicht nicht alles mitbekommen. Aber es muss doch wohl so gewesen sein: Wegen unerwarteter Umstände waren alle Hertha-Profis vom letzten Spiel der Hinserie an bis vorgestern schwer krank. Ein Training, insbesondere das Einüben von Situationen, die zum katstrophalen Auftreten in den Hinserie geführt hatten, konnte deshalb leider nicht stattfinden. Zwischen Trainer und Mannschaft konnten auch keine Gespräche geführt werden, da extreme Ansteckungsgefahr bestand. Insgesamt fühlt sich die Mannschaft unterbezahlt, weshalb sie - logischerweise - ihre Leistung auf die einer Mannschaft anpaßt, die in der Mitte der 2. Liga spielt.“

Der 18. Spieltag in Bildern
Abstiegskampf auf Augenhöhe? Nicht ganz. Werder Bremen schlägt Hertha BSC 2:0 und zieht damit in der Tabelle am Gegner vorbei.Weitere Bilder anzeigen
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01.02.2015 18:09Abstiegskampf auf Augenhöhe? Nicht ganz. Werder Bremen schlägt Hertha BSC 2:0 und zieht damit in der Tabelle am Gegner vorbei.

11:00 Uhr: Neuverpflichtungen, Teil II: Werder Bremen hat im Winter richtig zugeschlagen. Vier Spieler hat Thomas Eichin geholt, darunter zwei Torhüter, die gegen Hertha allerdings nicht gespielt haben, dafür Levin Öztunali und Jannik Vestergaard. Öztunali, der den Zweitnamen Seeler-Enkel trägt, durfte in der Mittelfeldraute auf der Zehnerposition auflaufen. Ich fand ihn eher unauffällig, was für einen 19-Jährigen im ersten Spiel für einen neuen Klub nichts Ehrenrühriges ist. Umso beeindruckender war der Auftritt des Dänen Vestergaard in der Innenverteidigung, mit dem Werder, die nach wie vor schlechteste Defensive der Liga, zum dritten Mal in dieser Saison zu null spielte. Zur Pause hatte der Neuzugang aus Hoffenheim eine Zweikampfquote von 100 Prozent. Bis zum Ende des Spiels verschlechterte er sich auf 85 Prozent. Aber was heißt schon verschlechtern? Zum Vergleich die Statistik der vier anderen Innenverteidiger auf dem Feld: Sebastian Langkamp - 74 Prozent; Alejandro Galvez - 50 Prozent; John Anthony Brooks - 44 Prozent; Fabian Lustenberger - 41 Prozent. Auch mit seiner Passquote von 86 Prozent war Vestergaard top (zusammen mit Lustenberger, der auf den gleichen Wert kam).

Hertha BSC will keinen Spieler mehr verpflichten - sähe ja nach Panikkauf aus

10:15 Uhr: Auf dem Transfermarkt tut sich bisher noch nichts, außer Gerüchten. Aber das wird sich im Laufe des Tages noch ändern. Bis zwölf Uhr müssen Spieler, die den Verein noch wechseln wollen, auf der Transferliste stehen. Anschließend geht nichts mehr. Wenn man den Worten von Jos Luhukay, dem Trainer von Hertha BSC, Glauben schenken darf, steht den Berlinern anders als am Ende früherer Transferperioden ein ruhiger Tag bevor. Hertha hat bisher keinen Spieler verpflichtet und wird es, geht es nach dem holländischen Trainer, wohl auch nicht mehr tun. Er vertraue seiner Mannschaft, hat Luhukay vor dem Spiel in Bremen gesagt. Das Vertrauen dürfte im Spiel in Bremen ein wenig gelitten habe, aber wenn Luhukay seine Meinung jetzt noch änderte, sähe das wie eine Panikreaktion aus. Dumm gelaufen, kann man da nur sagen.
Die anderen Klubs im Abstiegskampf haben andere Schlüsse aus ihrer Situation gezogen. Daher ein Blick auf das, was die Neuen im ersten Spiel für ihren neuen Klub geleistet haben. Zunächst auf Kevin Kampl. Bis der Wechsel von André Schürrle zum VfL Wolfsburg für läppische 32 Millionen Euro feststeht, darf sich Kampl noch die teuerste Verpflichtung dieses Winters nennen. Zwölf Millionen Euro hat Borussia Dortmund für den Offensivspieler an RB Salzburg überwiesen. Der erste Eindruck beim Spiel in Leverkusen war durchaus positiv. Die Offensivqualitäten des 24-Jährigen kamen zwar noch nicht richtig zur Geltung. Kampl aber beteiligte sich mit Eifer an der Defensive, die beim BVB im Abstiegskampf jetzt erst einmal Priorität genießt.

9:55 Uhr: Bei Hertha BSC, dem Abstiegskandidaten, hat er es in dieser Saison nicht ein einziges Mal in den 18er-Kader geschafft; beim FC Augsburg, dem - man kann das inzwischen so sagen - Europapokalanwärter, durfte Christoph Janker nach gerade mal einer Trainingseinheit mit seinen Kollegen am Sonntag beim Spiel gegen Hoffenheim immerhin schon mal auf der Ersatzbank Platz nehmen. Wobei: War das wirklich Christoph Janker? Der FCA hat seinen Neuzugang auf der eigenen Facebookseite als Christoph Kramer vorgestellt, was wiederum Arnd Zeigler in seiner Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ dankbar aufgegriffen hat. Die Reaktionen bei Borussia Mönchengladbach auf den überraschenden Wechsel des Mittelfeldspielers kann man hier nachsehen (ungefähr ab Minute 6:20). Sehr witzig.

Der Wolfsburger 4:1-Sieg gegen den FC Bayern in Bildern
Zwei Tore und eine Vorlage: Der Belgier Kevin De Bruyne war der Mann des Spiels und dirigierte den VfL Wolfsburg ...Weitere Bilder anzeigen
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30.01.2015 23:49Zwei Tore und eine Vorlage: Der Belgier Kevin De Bruyne war der Mann des Spiels und dirigierte den VfL Wolfsburg ...

9:40 Uhr: Ein Blick in die Berliner Medien. Das schreibt die Konkurrenz zu Herthas Niederlage in Bremen. Der „Berliner Kurier“ titelt: „Hertha taumelt am Abgrund“, beschreibt die Darbietung in Bremen als „Larifari und Pillepalle“ und beleuchtet die Verantwortung von Trainer Jos Luhukay: „Er muss sich auch Kritik nach diesem Spiel gefallen lassen. Stürmer Julian Schieber wurde nicht einmal vernünftig angespielt, warum dann noch einen zweiten Stürmer mit Sandro Wagner in der 70. Minute bringen, der auch keinen Ball von außen bekommt. (...) Nein, diese Blau-Weißen haben noch immer keine Balance gefunden. Nirgendwo.“
Die „Berliner Zeitung“ widmet sich dem wieder einmal ernüchternden Offensivspiel Herthas: „Vorne guckten sie, auch das kennt man schon, ab und zu mal nach, was geht, ob Ronny vielleicht etwas einfällt. Es fiel ihm aber nichts ein. Kein Steilpass, kein Standard kam an. Die hinter ihm positionierten Jens Hegeler und Peter Niemeyer wussten nicht, welchen Gegenspieler sie zuerst anlaufen sollten. Von Valentin Stocker blieb nur ein Topwert in Erinnerung, seine acht Fouls. Und vielleicht noch der Rückpass auf Kraft, von der Mittellinie, ohne einen Gegner im Rücken.
Bei der „Bild“ ist „Luhukays Armutszeugnis“ einzusehen: „Es wird eng für den Holländer, sein Job wackelt.“ Und auch die „Berliner Morgenpost“ beschäftigt sich mit dem Trainer: „Luhukay (...) muss sich die Frage gefallen lassen, ob er gegen die sehr junge Werder-Mannschaft den richtigen Matchplan gewählt hatte.“
Der „Kicker“ seziert Herthas Auftritt in Bremen wie folgt: „In der Defensive in den Schlüsselmomenten nicht wach, im Aufbau schematisch, vorn ohne Wucht: Das 0:2 von Bremen lässt Schlimmes befürchten für die Aufgaben am Mittwoch gegen Leverkusen und Samstag in Mainz - und nährt die Zweifel an Herthas Tauglichkeit für den Abstiegskampf. (...) Besser ist beim Hauptstadtklub nichts geworden.“

9:05 Uhr: Auch wenn ein paar ganz Kluge nach der ersten Saisonniederlage der Bayern schon wieder neue Spannung im Rennen um die Meisterschaft ausgemacht haben wollen - den wahren Thrill wird in dieser Saison wohl allein der Kampf gegen den Abstieg liefern. Nicht zuletzt, weil die halbe Liga darin verstrickt ist und darunter mal wieder jede Menge Traditionsklubs.

Mein Highlight des Wochenendes war die Überschrift in einem Internetportal vom späten Samstagabend: "Lage immer bedrohlicher: Dortmund wieder Tabellenletzter." Nur noch mal zur Erinnerung: Borussia Dortmund, vor dem Spieltag Vorletzter, hat in Leverkusen beim Tabellendritten unentschieden gespielt. Ich würde das eher als Erfolg werten. Dass der BVB in der Tabelle einen Platz eingebüßt hat - geschenkt. Oder wie Jürgen Klopp gesagt hat: "Ist mit heute scheißegal."

Der Weg aus dem Keller ist in den seltensten Fällen ein direkter. Selbst Siege führen nicht zwangsläufig zu riesigen Sprüngen aus der Abstiegszone, wenn die Konkurrenz nämlich auch gewinnt, vor allem in diesem Jahr, da den Dreizehnten Paderborn und den Letzten Dortmund nur drei Punkte trennen, also gerade mal ein Sieg. Trotzdem sollte man, wenn man überhaupt rechnet, vor allem mit dem Schlimmsten rechnen: dass der SC Paderborn eben nicht zwangsläufig verliert, wenn er am nächsten Wochenende bei den Bayern spielen muss. So ein Abstiegskampf ist ein langer Lauf, und ob ein Unentschieden in Leverkusen zwei verlorene Punkte waren oder ein gewonnener, das erweist sich vielleicht erst am 34. Spieltag. Noch mal Klopp: "Wir sind auf Schlagdistanz, das ist das Einzige, was mich interessiert. Wir sind nur noch zwei Punkte von einem Platz entfernt, den ich als Paradies bezeichnen würde."

Mein Eindruck ist: Obwohl die Dortmunder selbst das Gefühl haben, sie gehörten nicht da unten hin, haben sie zumindest für sich akzeptiert, dass es für sie nur gegen den Abstieg geht und dass es spätestens jetzt um nichts anderes mehr geht als die bloße sportliche Existenz. Bei Hertha habe ich diesen Eindruck bisher nicht unbedingt. Während sie in Dortmund in der Winterpause nichts anderes mehr gesagt haben, als dass ihnen ein harter Kampf bevorstehe, haben sie bei Hertha für meinen Geschmack immer noch allzu optimistisch in die Zukunft geblickt. Nachzulesen unter anderem in diesem Interview mit Manager Michael Preetz. Mein Lieblingssatz daraus: "Wir haben jetzt 2014 hinter uns gelassen, nicht zuletzt durch den Jahreswechsel."

Bei Hertha BSC hat sich im Winter nicht viel verändert - eine schlechte Nachricht.

8:45 Uhr: Wenn in der Fußball-Bundesliga eine neue Halbserie – sei es im Sommer, sei es im Winter – beginnt, ist immer eine gewisse Ungewissheit dabei: Wie gestaltet sich der Übergang nach der langen Pause? Bei Hertha BSC kann man sagen: Der Übergang hat sich für die Berliner recht sanft und schonend herausgestellt. Der Beginn des neuen Jahres hat sich nicht besonders unterschieden vom Abschluss des vergangenen. Eine gute Nachricht ist das für Hertha leider nicht.

 Ich durfte der 0:2-Niederlage in Bremen gestern als Augenzeuge im Weserstadion beiwohnen. Das was Hertha gegen Werder, immerhin ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf, geboten hat, war ziemlich ernüchternd. Bremens Trainer Viktor Skripnik freute sich, dass seine Mannschaft zum ersten Mal in dieser Saison mehr Ballbesitz hatte als der Gegner. Die Gastgeber waren den Berlinern auch sonst deutlich überlegen. Am Ende wies die Statistik 19:3 Torschüsse für Werder aus. Und von den drei als Torschuss gewerteten Versuchen Herthas kam kein einziger auf das Bremer Tor. 

Was bei Hertha den Jahreswechsel unbeschadet überstanden hat, ist die erschreckende Einfallslosigkeit im Spiel nach vorne, die fehlende Idee, sieht man einmal von der Idee ab, möglichst lange die Null zu halten und dann, ebenso möglichst, nach einem Konter in Führung zu gehen. Dummerweise gelingt das nicht jede Woche, vor allem nicht einer Mannschaft, die sich im unteren Drittel der Tabelle eingerichtet hat. Was also ist der Plan B, wenn Plan A durch einen Führungstreffer des Gegners wie am Sonntag kurz vor der Pause in Bremen hinfällig geworden ist? „Nach dem 0:1 hatten wir Probleme, Ideen zu entwickeln“, sagte Mittelfeldspieler Jens Hegeler.

Neuverpflichtungen für Hertha BSC? - "Das wäre jetzt eine Panikreaktion"

 Trainer Jos Luhukay hat nach der Niederlage zugegeben, dass Hertha im Moment die Spieler für die kreativen Momente fehlten. Einige seien verletzt, „sie kommen auch so schnell nicht wieder“. Schon jetzt steht fest, dass Per Skjelbred Hertha am Mittwoch, im Heimspiel gegen Leverkusen, erneut nicht zur Verfügung stehen wird. Er hat heute einen Arzttermin, anschließend wird entschieden, ob und wie er trainieren kann. Trotzdem bleibt Luhukay bei seiner Haltung, in diesem Winter keine Neuverpflichtungen zu tätigen. Theoretisch besteht dazu heute noch die Gelegenheit. Aber Luhukay will davon trotz oder gerade wegen der schwachen Darbietung in Bremen nichts wissen. „Das wäre jetzt eine Panikreaktion“, sagte Herthas Trainer. In dieser Saisonphase, in der man das Gefühl hat, Hertha taumle irgendwie dem Abgrund entgegen, wäre ein bisschen Panik vielleicht gar nicht so schlecht.

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