Sport : Unzufrieden im Glück

Tübingens Basketballer Lischka kämpft nach einem Tumor um seine Karriere.

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Berlin - Johannes Lischka klingt betrübt. „Es ist frustrierend“, sagt der deutsche Basketballnationalspieler. Wenn die Tigers Tübingen am Samstag in der Bundesliga bei Alba Berlin antreten (19 Uhr, Arena am Ostbahnhof), wird der 26 Jahre alte Power Forward bei seinen Eltern in Gießen weilen. „Ich mache Aufbautraining und Krafttraining“, sagt er, „aber es ist klar, dass ich in dieser Saison nicht mehr spielen werde.“ Im Mai wolle er entscheiden, ob er in der neuen Saison spielen könne oder „ob ich mir etwas anderes überlegen muss“.

Der Nationalspieler erlebt gerade die nächste Wendung einer Geschichte, die sich noch nicht entschieden hat, ob sie eine tragische oder eine glückliche ist. Im November war im Kopf von Johannes Lischka ein lebensbedrohlicher Tumor entdeckt worden, der sofort operiert werden musste. Der Eingriff verlief gut, so gut sogar, dass Johannes Lischka nur einen Monat später wieder in der Bundesliga auf dem Basketballfeld stand. Doch statt Glück über diese Leistung überwiegt bei Lischka die Unzufriedenheit.

„Der Trainer hat es wohl so gesehen, dass ich nicht helfen konnte“, sagt er. Nur zwei Minuten habe er auf dem Feld gestanden, zu wenig um einen wirklichen Spielrhythmus zu bekommen, wie er findet. Auch in den nächsten Spielen setzte Trainer Igor Perovic den einstigen Leistungsträger nur sporadisch ein. Das hatte auch einen Grund. Seit der Operation kann Lischkas Körper einige Hormone nicht mehr selber produzieren, er muss Cortison und Testosteron zu sich nehmen – und wiegt nun zehn Kilogramm mehr. „Mir fehlt es an Sprungkraft“, gibt Lischka zu.

Sein Comeback kam offenbar zu früh, das findet nun auch sein neuer Arzt. „Im Nachhinein ist man immer schlauer“, sagt Lischka, „ich habe nur gemacht, was die Ärzte mir damals erlaubt haben.“ Sein Vertrag in Tübingen läuft aus. „Ich versuche jetzt, mein Gewicht zu reduzieren und wieder fit zu werden“, sagt Lischka. Ohne Spielpraxis wird es nicht einfach, einen neuen Vertrag zu bekommen, andererseits sind deutsche Nationalspieler angesichts der Quotenregelung in der Bundesliga verstärkt nachgefragt.

Die tragische Diagnose und der anschließende Ärger um seine Einsatzzeit haben in Tübingen Spuren hinterlassen. Mit nur drei Siegen liegt das Team auf dem letzten Platz der Bundesliga, es droht der Abstieg nach zehn Jahren. „Ich glaube, dass die Mannschaft mit mir ein oder zwei Siege mehr auf dem Konto hätte“, sagt Johannes Lischka selbstbewusst.

Doch es kam noch schlimmer für Tübingen. Erst zog sich Jonathan Wallace eine Handgelenksdistorsion zu, dann brach sich Centerspieler Anatoli Kaschirow die Hand. „Dieses Jahr ist verflucht“, sagt Lischka. Wenn einer das Recht hat, das zu sagen, dann er. Benedikt Voigt

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