VfB-Talent Timo Werner : Der rotzfreche Kofferträger

VfB Stuttgarts 17-jähriges Nachwuchstalent Timo Werner gilt als bodenständig – nur auf dem Fußballplatz muckt er manchmal auf, wie zuletzt beim 3:1-Sieg in Freiburg.

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Oiner von do. Timo Werner, Stuttgarts 17 Jahre junge Identifikationsfigur.
Oiner von do. Timo Werner, Stuttgarts 17 Jahre junge Identifikationsfigur.Foto: Imago

Über Timo Werner gibt es viele Geschichten, die nicht zweifelsfrei nachgeprüft werden können. Zum Beispiel die, dass der 17-Jährige im Training allen anderen davonlaufe. „Der Junge hat einen Riesen-Speed“, war alles, was Trainer Thomas Schneider nach dem 3:1-Sieg des VfB Stuttgart beim SC Freiburg und den beiden Toren seines Nachwuchskickers bestätigen wollte. Werner selbst schwieg – auf Anweisung. Man wolle den jungen Mann schützen, hieß es. Deshalb drehten Kamerateams fleißig Bilder, wie Werner Koffer mit Schuhen und Trikots schleppte und sie in den Bauch des Mannschaftsbusses schob. Die Botschaft: Kofferträger statt Supermann.

Das musste reichen, um zu zeigen, dass der 1,80 große Stürmer erst am Anfang seiner Karriere steht. Er gilt als bodenständig. Das stimmt sogar und ist keine PR-Strategie. Timo Werner geht regelmäßig in die Schule, hält Türen für Ältere auf und sagt brav „Guten Tag“, wenn er einem die Hand reicht. In seinem Gymnasium schreibt er keine Autogramme auf dem Pausenhof, „weil ich ein normaler Schüler bin“. Diesen Status versucht er beizubehalten. Höchstens ein schnelles Foto mit unterklassigen Mitschülern sei drin, gestand er einmal.

Das tadellose Benehmen des Stürmers aber ist es weniger, was die Stuttgarter so begeistert. Sie wissen, dass Werner ein großes Talent ist. Allen voran Thomas Schneider. Der war im Frühjahr 2013 noch Werners U-17-Trainer. Gemeinsam gewannen sie die deutsche B-Jugend-Meisterschaft. Werners Fähigkeiten auf dem Fußballplatz passen nicht immer zu seiner offensichtlich guten Erziehung. Mit dem Begriff „unbekümmert“ ist nur unzureichend beschrieben, was Werner sich leistete, als die Freiburger auf ein Remis hofften und der VfB konterte: Drei Mitspieler standen besser postiert im Freiburger Strafraum. Werner ignorierte deren Zurufe, spielte den Ball nicht ab, sondern schoss ihn selbst ins Tor. „Rotzfrech“, war nur eine der spontanen Äußerungen.

Sturmkollege Vedad Ibisevic gratulierte Werner nach dem 3:1 in Freiburg auf seine Weise. Der Bosnier hob warnend den Zeigefinger und wedelte mit diesem vor Werners Gesicht herum. Man kann sich Ibisevics Reaktion vorstellen, falls die Sache schiefgegangen wäre. So aber feierte Werner und Ibisevic schüttelte über so viel Chuzpe nur den Kopf. „Er ist selbstbewusst und hat einen unglaublichen Zug zum Tor“, sagt Werners Berater Karl-Heinz Förster, der seinem Klienten eine große Karriere zutraut. „Der ist ein Stürmer der alten Schule, wendig, dribbelstark und immer drauf aus, ein Tor zu schießen.“ Was Werner draufhat, hatten die Freiburger schon bei dessen erstem Treffer zu spüren bekommen. Er umkurvte drei, vier Abwehrspieler, als sei das die leichteste Übung der Fußballwelt.

Vorerst pendelt Timo Werner noch zwischen Schule und Trainingsplatz. „Man merkt immer, wenn er ausgeruht ist. Zum Beispiel in den Ferien“, sagt sein Trainer Thomas Schneider. „Timo hat in den vergangenen Wochen einiges gelernt, und er arbeitet auch nach hinten.“ Seit dem Spiel gegen Freiburg ist Werner der erste 17-Jährige, dem zwei Tore in einem Bundesligaspiel gelangen. Das lässt wiederum seinen Marktwert in Stuttgart steigen. Dort sieht man den im VfB-Stadtteil Bad Cannstatt geborenen Werner als eine Identifikationsfigur an. Timo Werner gilt als „oiner von do“, also einer von hier, was bei den Fans besonders gut ankommt. Da scheint auch die Geschichte egal zu sein, dass sein Vater Günther Schuh einst für die Stuttgarter Kickers spielte.

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