Vierschanzentournee : Daniel Andre Tande: Überflieger mit Höhenangst

Der Norweger Daniel Andre Tande bestätigt bei der Vierschanzentournee seinen Status als Mitfavorit.

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Daniel-Andre Tande siegte beim Springen in Garmisch und hat gute Aussichten auf den Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee.
Daniel-Andre Tande siegte beim Springen in Garmisch und hat gute Aussichten auf den Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee.Foto: Daniel Karmann/dpa

Dieses Problem, mit dem sich Daniel Andre Tande herumplagt, ist in seiner Profession als Skispringer ein ziemlich existenzielles. Er hat Höhenangst. „Es funktioniert immer so lange gut, bis ich oben auf der Schanze sitze und runterschaue, wo ich hinspringen werde“, sagt er. „Ich versuche dann aber einfach nur in die Ferne zu starren.“ Und diese simple Strategie funktioniert bei ihm derzeit bestens.

Am Sonntag gewann der Norweger mit zwei grandiosen Sprüngen das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Überhaupt liefen die vergangenen Tage für ihn aus sportlicher Sicht überragend. Tande begeistert sich auch sehr für Fußball und ist Anhänger des FC Liverpool von Trainer Jürgen Klopp. In der Rolle als Fan konnte er einen Tag vor seinem Triumph das 1:0 seiner Lieblingsmannschaft gegen Manchester City bejubeln. „Über meinen Sieg habe ich mich aber mehr gefreut“, sagte Tande danach und grinste. „Der war wichtiger.“

Sieg mit historischer Dimension

Tandes Erfolg beim zweiten Springen der Vierschanzentournee hatte für ihn auch eine historische Dimension. Der 22-Jährige startet für den Skiklub Kongsberg IF, und dem Verein aus der Kleinstadt 80 Kilometer westlich von Oslo gehörte auch der legendäre norwegische Skispringer Birger Ruud an. Der zweimalige Olympiasieger gewann 1936 in Garmisch-Partenkirchen seine zweite Goldmedaille. Kongsberg gilt als Wiege des Skispringens in Norwegen. Und dass Daniel Andre Tande nun 81 Jahre nach Birger Ruud an gleicher Stelle triumphierte, berührte ihn besonders. „Dieser historische Erfolg ist unglaublich speziell für mich“, sagte er.

Daniel-Andre Tande jubelt über seinen Sieg.
Daniel-Andre Tande jubelt über seinen Sieg.Foto: Daniel Karmann/dpa

Trotz all der Emotionen gab sich Tande ansonsten überaus souverän. Locker und entspannt wie bei einem Treffen mit Freunden stand er am Sonntagabend in einer Ecke des Pressezelts in Garmisch-Partenkirchen, über seine lilafarbene Wollmütze hatte er die lilafarbene Kapuze seines Pullovers gezogen und sah so wie ein sehr schlanker Rapper aus. Geduldig beantwortete er jede Frage der Journalisten und erfüllte danach auch in aller Ruhe noch Autogrammwünsche der Fans. „Wie er mit dem ganzen Druck und der Aufmerksamkeit umgeht, ist wirklich bemerkenswert“, sagt Norwegens Nationaltrainer Alexander Stöckl. „Es überrascht mich, dass er es so gut hinkriegt.“

"Keine Eintagsfliege"

Denn Tande ging bereits als einer der Favoriten in diese Vierschanzentournee, im Gesamtweltcup ist er Zweiter. In Oberstdorf und Garmisch bestätigte er nun seine starke Form und liegt in der Tournee-Wertung als Dritter nur knapp hinter dem Führenden, Kamil Stoch aus Polen, und dem Österreicher Stefan Kraft. „Natürlich ist all der Fokus auf mich neu, aber es gefällt mir, schließlich ist es die Konsequenz meiner guten Leistungen“, sagt Tande.

In den vergangenen Jahren hat er sich stetig mit kleinen Fortschritten in diese Rolle manövriert. „Seine Entwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess, keine Eintagsfliege“, sagt Alexander Stöckl. Der Österreicher nahm ihn 2014 als fünften Springer mit zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi. „Da hat Daniel gelernt, dass er viel arbeiten muss, um beim nächsten Mal richtig dabei zu sein“, sagt er. Im Januar des vergangenen Jahres wurde Tande dann mit dem Team Skiflugweltmeister, die Vorsaison beendete er als Siebter des Gesamtweltcups und nun ist er zu einem außergewöhnlichen Skispringer geworden. „Besonders im ersten Flugabschnitt hat er ein irrsinniges Gefühl“, betont Alexander Stöckl.

Norwegens Nationaltrainer traut seinem besten Athleten deshalb noch einiges zu im weiteren Verlauf dieser Vierschanzentournee. Und Tande sich selbst auch. „Ich mag die Favoritenrolle“, sagt er.

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