Volleyball-EM in Polen : Sport ist ihr Hobby

Deutschlands Volleyballer stehen im EM-Viertelfinale. Dabei kann der Verband die Spieler nicht bezahlen.

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Volle Wucht. Deutschlands Volleyballer, hier Marcus Böhme, haben noch nie eine Medaille bei einer Europameisterschaft gewonnen. Foto: Marcin Bielecki/dpa Foto: dpa
Volle Wucht. Deutschlands Volleyballer, hier Marcus Böhme, haben noch nie eine Medaille bei einer Europameisterschaft gewonnen....Foto: dpa

Der Satz, dass man Geschichte schreiben könne, fällt im Sport exorbitant häufig. Das ist meist übertrieben, weil die Geschichtsschreibung noch in die Unterkategorie Sport und dann noch einmal in die Unterunterkategorie der jeweiligen Sportart einsortiert werden muss. Die deutschen Volleyballer jedenfalls können in den nächsten Tagen ein kleines deutsches Volleyballgeschichtchen schreiben. Bei der Europameisterschaft in Polen steht die Nationalmannschaft nach den drei Gruppensiegen gegen Italien, Tschechien und die Slowakei im Viertelfinale. Dort wartet an diesem Donnerstag der Sieger aus der Partie zwischen Tschechien und dem Turnierfavoriten Frankreich. Sollten die Deutschen eine Medaille aus Polen mitbringen, wäre das die erste überhaupt für die deutschen Volleyballer bei einer Europameisterschaft.

Vor dem Turnier war dem Team um den neuen Bundestrainer Andrea Giani nicht besonders viel zugetraut worden. Im Sommer verpasste die Mannschaft die WM-Qualifikation und überhaupt machten die Auftritte wenig Hoffnung. Deswegen wunderte sich so mancher Beobachter, als die Deutschen angeführt von ihrem überragenden Diagonalangreifer Georg Grozer die starken Italiener mit 3:2-Sätzen bezwangen.

„Das war schon eine kleine Überraschung. Damit war nicht zu rechnen“, sagt Christian Dünnes. Der 33-Jährige ehemalige Nationalspieler Dünnes ist seit diesem Jahr Sportdirektor beim Deutschen Volleyballverband (DVV). Er soll mit Trainer Giani den Aufwärtstrend bei der deutschen Nationalmannschaft der vergangenen Jahre fortsetzen. Gianis Vorgänger Vital Heynen holte 2014, ebenfalls in Polen, die WM-Bronzemedaille. Doch das Vorhaben, daran anzuknüpfen, wird schwer.

Der deutsche Volleyball leidet seit Jahren daran, dass er die Nationalspieler nicht bezahlen kann. Es fehlen potente Sponsoren und die wenigen Mittel, die zur Verfügung stehen, werden für Lehrgänge und Spesen gebraucht. Es ist ein Trauerspiel, aber im Grunde kann sich Deutschland keine Volleyballnationalmannschaft leisten.

"Wir stellen Spieler ab und bekommen nichts"

„Die Problematik besteht ja nicht nur im fehlenden Geld, sondern darin, dass die Sommerzeit eigentlich die Zeit ist, in der die Volleyballer sich von der anstrengenden Saison erholen sollen“, sagt Dünnes. „Im Grunde ist es so, dass die Spieler in den Wintermonaten ihrem Beruf nachgehen und im Sommer mehr oder weniger ihrem Hobby. Von daher finde ich es schon bemerkenswert, wie sehr die Spieler am Nationalmannschaftstrikot hängen.“

Trotzdem ist es seit Jahren so, dass häufig ein paar von Deutschlands besten Volleyballern vermisst werden bei den großen Turnieren. In diesem Jahr zum Beispiel befindet sich von den mit Abstand besten deutschen Mannschaften, dem VfB Friedrichshafen und den BR Volleys aus Berlin, kein einziger Spieler im Kader von Andrea Giani. Manche Spieler sind verletzt, andere wollen sich ausruhen und wiederum andere haben im Sommer lieber etwas Geld mit Beachvolleyballturnieren verdient. Es gibt sehr gute Gründe, nicht für Deutschland unter diesen Bedingungen aufzulaufen. Zumal die deutschen Spieler natürlich auch auf andere Länder wie zum Beispiel Italien schielen, wo die Strapazen mit der Nationalmannschaft auch entsprechend vergütet werden.

Aber nicht nur die Nationalmannschaft leidet unter den finanziellen Engpässen, auch die Vereine tun es. „Wir stellen Spieler ab und bekommen nichts, dafür tragen wir das Risiko“, sagt Kaweh Niroomand. Der Manager der BR Volleys spricht aus jüngster Erfahrung, erst vor wenigen Wochen ist der Volleys-Spieler Egor Bogachev verletzt von einer Länderspielreise zurückgekehrt. „Es gibt da keine Entschädigung, nichts. Das geht alles auf unsere Kappe“, sagt Niroomand. „Fragen Sie doch mal Karl-Heinz Rummenigge, was der für seine Spieler bekommt, wenn sie für die Nationalmannschaften abgestellt werden.“

Vor diesem Hintergrund wäre es tatsächlich eine mittelschwere Sensation, würden Deutschlands Volleyballer in Polen Europameister werden. Das ginge dann sicher in die Sportgeschichte ein, mindestens.

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