Vor dem Heimspiel gegen Greuther Fürth : Flexibilität vs. Sicherheit

Beim Debüt von Sascha Lewandowski hat Union 3:0 gewonnen. Gegen Fürth kehren drei Leistungsträger wieder zurück - eine delikate Situation für den neuen Union-Trainer.

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Flexibilität oder Sicherheit? Unions Trainer Sascha Lewandowski überlegt noch, wie viele Veränderungen sein Team verträgt. Foto: dpa
Flexibilität oder Sicherheit? Unions Trainer Sascha Lewandowski überlegt noch, wie viele Veränderungen sein Team verträgt.Foto: dpa

Beim Training des 1. FC Union ging es unter der Woche zu wie am Filmset. Eine auf einer neun Meter hohen Teleskopstange befestigte Kamera zeichnete die Einheiten aus verschiedenen Perspektiven auf. Jede Szene wurde filmisch festgehalten, so dass Trainer Sascha Lewandowski seinen Spielern später alles vorführen konnte. Gutes und weniger Gutes wurde ausgewertet in kurzen, kompakten Besprechungen. Lewandowski sagt zwar, er sei keiner, der seine Spieler mit Informationen erschlage, „aber gerade die Spielformen, die einen taktischen Aspekt haben, sollten auch nachbereitet werden“. Vor dem Heimspiel am Sonntag gegen Greuther Fürth (13.30 Uhr) will Lewandowski sich nicht ausschließlich auf sein Gefühl verlassen. Schließlich gilt es, schwierige Entscheidungen zu treffen. Die sollen faktisch nachvollziehbar sein.

Am vergangenen Wochenende gelang Union beim 3:0 in Karlsruhe der erste Sieg in dieser Saison – und das mit Spielern, die zuletzt nicht unbedingt erste Wahl waren. Stammkräfte wie Sören Brandy, Benjamin Kessel und Maximilian Thiel fehlten verletzt oder gesperrt, auch Fabian Schönheim, Adrian Nikci und Dennis Daube mussten passten.

Nach dem 3:0-Sieg gibt es kaum Gründe für Spielerwechsel

Brandy, Kessel und Daube sind nun wieder einsatzbereit, ihre Rückkehr verlangt Lewandowski viel Fingerspitzengefühl ab. Belohnt er die Siegermannschaft vom vergangenen Wochenende für ihre starke Leistung oder demonstriert er sein Vertrauen gegenüber zuvor unumstrittenen Führungskräften wie Brandy und Kessel? Gibt es überhaupt sinnvolle Argumente, eine Abwehr zu ändern, die kein Gegentor zugelassen hat? Oder eine Offensive, die drei Tore erzielte?

„Dieses ‚never change a winning team‘ habe ich so noch nie praktiziert, weil jedes Spiel eine neue Ausgangsposition hat. Andere Dinge werden verlangt, außerdem ergeben sich unter der Woche neue Eindrücke“, sagt Lewandowski. Es sei aber unwahrscheinlich, dass er für das Spiel gegen Fürth fünf Wechsel vornehme.

Düwels viele Wechsel verunsicherten einige Spieler

Das Thema ist ein sensibles. Vorgänger Norbert Düwel variierte oft von Spiel zu Spiel. Nicht alle Fußballer kamen damit klar, wenn sie trotz guter Leistung in der Vorwoche plötzlich draußen saßen und als Begründung zu hören bekamen, der neue Gegner erfordere eben andere Spielertypen. Die Unsicherheit wurde größer, gegen Ende von Düwels Amtszeit wirkten viele Spieler verkrampft und gehemmt.

Lewandowski wählt einen anderen Ansatz, er sagt: „Wir wollen versuchen, der Mannschaft ein Gerüst zu geben. Vorher wurde sehr viel gewechselt.“ Er halte das generell auch für nicht verkehrt, um die Flexibilität zu erhalten, aber „der Mannschaft tut es jetzt gut, wenn nach und nach Automatismen wachsen“. Gerade mit Blick auf die kommende Woche. Union spielt am Mittwoch beim FSV Frankfurt, drei Tage später kommt der MSV Duisburg ins Stadion An der Alten Försterei. „Da wird viel Tabelle gemacht“, sagt Lewandowski. Soll heißen: Es werden viele Punkte vergeben, Union kann aus dem unteren Mittelfeld den Kontakt zu den oberen Tabellenregionen herstellen. Das sei das Ziel. Kamera und Teleskopstange haben in der nächsten Woche dann erst einmal Pause. Bei drei Spielen in sechs Tagen bleibt kaum Zeit zum Trainieren und Filmen.

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