Vor dem Trainingslager : 1. FC Union Berlin: Sprinten und Schwitzen

Den Spielern vom 1. FC Union steht unter dem neuen Trainer Jens Keller eine laufintensive Saison bevor. Dass sich der Zweitligist noch von einigen Spielern trennen könnte, gilt als wahrscheinlich.

von
Herr am Ball. Unions Trainer Jens Keller lässt seine Spieler laufen.
Herr am Ball. Unions Trainer Jens Keller lässt seine Spieler laufen.Foto: Imago/Koch

Ein altes Gesetz unter Fußballern besagt, dass stets die jüngsten Spieler einer Mannschaft die Trainingsutensilien nach der Einheit abräumen. Beim 1. FC Union mussten am Donnerstag alle mit anpacken, Alte und Junge, Neuzugänge und Etablierte.

„Eine Mannschaft entsteht beim täglichen Miteinander auf dem Platz und der Art und Weise, wie jeder sich dem anderen gegenüber gibt“, sagt Jens Keller. Der neue Trainer des Berliner Zweitligisten hält nichts von gemeinsamen Ausflügen inklusive Klettertour oder Bungeespringen. Es gilt auch als sicher, dass niemand in den noch verbleibenden drei Wochen der Vorbereitung über Scherben oder glühende Kohlen laufen muss. Keller will durch die kleinen Dinge des Alltags ein großes Ganzes formen. „Ich denke, wir sind da auf einem guten Weg“, sagt er.

Das gilt auch für die sportlichen Belange, obwohl es „noch ab und zu holpert“, wie Keller sagt. Unions neuer Trainer hat eine neue Spielphilosophie mitgebracht, seine Mannschaft soll in Zukunft den Gegner früh und aggressiv attackieren, Pressing spielen also und nicht wie in der Vergangenheit eher abwarten. Das kostet viel Kraft, dementsprechend trainieren die Berliner.

Als „hart und intensiv“ beschreibt Neuzugang Christopher Lenz die Einheiten. Es wird viel gelaufen und viel gesprintet und viel geschwitzt, immer volles Tempo. Daran soll sich auch im Trainingslager nichts ändern. „Wir werden den Umfang weiter hochhalten, die Intensität bleibt“, sagt Keller. Dass seine Mannschaft die anstehenden Testspiele gegen den FC Watford oder Udinese Calcio mit müden Beinen bestreiten muss, nimmt der Trainer gern in Kauf.

Hinter Union liegen zwei Spielzeiten mit personellen Umbrüchen

Vor der Abreise ins Trainingslager gewann der 1. FC Union am Freitagabend noch beim Brandenburger Siebtligisten SV Zehdenick ein lockeres Testspiel mit 15:0. Ab Montag weilen die Berliner dann für zehn Tage im österreichischen Villach, um sich auf die neue Saison vorzubereiten. Außer den verletzten Dennis Daube und Benjamin Köhler, die in Berlin individuell trainieren, sollen alle Spieler mitreisen. Auch Torwart Mohamed Amsif, der sich derzeit um einen neuen Verein bemüht.

Dass Union sich im Laufe der Vorbereitung noch von einigen Spielern trennen könnte, gilt als wahrscheinlich. Amsif ist ein Kandidat, Nachwuchs-Torwart Steve Kroll könnte ausgeliehen werden, um anderswo Spielpraxis zu sammeln. Da Union keine Reservemannschaft mehr hat, könnte anderen Spieler aus der zweiten Reihe das Gleiche bevorstehen. „Ich möchte keinen aufgeblähten Kader“, sagt Keller, der mit dem vorhandenen Personal zufrieden ist. „Alle machen gut mit und wollen immer dazulernen. Die Mannschaft ist gut aufgestellt“, sagt er. Neuzugänge sind nicht mehr zwingend notwendig. „Natürlich kann immer noch was passieren, das will ich gar nicht ausschließen. Aber wir suchen nicht mehr“, sagt Keller.

Das war in den vergangenen Jahren anders. Hinter dem 1. FC Union liegen zwei Spielzeiten mit tiefen personellen Umbrüchen, die aktuelle Mannschaft ist dagegen gefestigt und wurde durch Daniel Mesenhöler, Kristian Pedersen, Christopher Lenz und Philipp Hosiner nur punktuell verstärkt. Das Problem, dass sich die Mannschaft erst finden muss, sollten die Berliner in dieser Spielzeit nicht haben.

Folgen Sie dem Tagesspiegel auf Twitter:

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar