Vorwürfe gegen den FC Bayern : Human Rights Watch: Klub fördert Diskriminierung

Die Diskussion um die Saudi-Arabien-Reise geht weiter: Mit seinem Hinweis auf die Menschenrechtssituation in den USA dürfte sich Karl-Heinz Rummenigge keinen Gefallen getan haben: Nun erhebt eine Menschenrechtsorganisation Vorwürfe gegen die Bayern.

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Meist ein guter Verkäufer. Karl-Heinz Rummenigge.
Meist ein guter Verkäufer. Karl-Heinz Rummenigge.Foto: dpa

Mit seinem Hinweis auf die Menschenrechtssituation in den USA dürfte sich Karl-Heinz Rummenigge keinen Gefallen getan haben. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München hatte unlängst versucht, die umstrittene Saudi-Arabien-Reise seines Klubs zu relativieren, indem er feststellte, dass in vielen weiteren Ländern auch gegen Menschenrechte verstoßen wird: „Ich sage nur Guantanamo und Todesstrafe.“ Dabei erhält er vom Deutschland-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) die volle Unterstützung. „Prima“, sagt Wenzel Michalsky, „wenn Karl-Heinz Rummenigge mit dem FC Bayern das nächste Mal in den USA spielt, soll er das auch anprangern.“

Gegenwärtig aber steht der FC Bayern München nach dem Freundschaftsspiel in Saudi-Arabien im Verdacht, Menschenrechtsverletzungen zu fördern. Das warf Human Rights Wach am Donnerstag in Berlin dem deutschen Rekordmeister vor. „Es darf aus unserer Sicht nicht sein, dass eine Organisation wie der FC Bayern dazu beiträgt, dass Menschenrechte verletzt werden“, sagt Michalsky. Das sei bei dem Freundschaftsspiel im Januar geschehen, weil Frauen als Zuschauer ausgeschlossen waren. „So ein Spiel setzt auch ein Zeichen, dass solche Diskriminierungen möglich sind“, sagt der Deutschland-Direktor. Er berichtet, der asiatische Fußballverband habe Saudi-Arabien und Iran sogar Unterstützung zugesagt, um Frauen aus dem Sport zu verbannen. „Dazu hat der FC Bayern mit seinem Spiel beigetragen“, sagt Wenzel Michalsky. Ein Muster, das Human Rights Watch im Sport häufiger festgestellt hat.

„Wenn man nichts gegen Menschenrechtsverletzungen unternimmt, sollte man nicht überrascht sein, wenn sie sich ausweiten“, sagt Minky Worden. Die Direktorin der HRW-Abteilung „Globale Initiativen“ bezeichnet das Jahr 2015 als ein wichtiges für das Verhältnis von Menschenrechten und Sport. Neben der Wahl des neuen oder alten Fifa-Präsidenten im Mai, der die Vorbereitungen auf die umstrittenen Weltmeisterschaften in Russland 2018 und Katar 2022 verantworten muss, stehen auch die erstmalig ausgetragenen Europäischen Spiele in Baku, Aserbaidschan, und die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 im Juli an die autoritären Regime in Almaty, Kasachstan, oder Peking, China, im Fokus der Menschenrechtsorganisation.

„Ich hoffe, das IOC hat die Lektionen aus Peking 2008 und Sotschi 2014 gelernt“, sagt Minky Worden, „die Vergabe der Winterspiele 2022 ist eine Chance für das IOC, seine Prinzipien in der Olympic Charta mit Leben zu füllen.“ In dieser findet sich seit Dezember die Möglichkeit, Klauseln zum Schutz von Menschenrechten und Arbeiterrechten sowie Diskriminierungsverbote in die Ausrichterverträge aufzunehmen. Dafür hatte Human Rights Watch das IOC ausdrücklich gelobt und ihm eine symbolische Goldmedaille verliehen. In diesem Jahr muss sich zeigen, ob diese Inhalte auch umgesetzt werden. Minky Worden sagt: „Eine Goldmedaille kann auch wieder weggenommen werden.“

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