Sport : Was wirklich zählt

Der HSV schießt ein falsches Tor, verliert aber 2:4 gegen starke Mainzer, die die Bayern überholen

Frank Heike[Hamburg]

Hamburg - Zur Pause wild gestikulierend, am Ende in Jubelpose, jeden seiner Spieler herzend – der Mainzer Trainer Thomas Tuchel bewegte sich am Sonntagabend in Hamburg zwischen zwei Extremen, und wohl keinem hätte er nach 45 Minuten geglaubt, dass er die Partie noch derart überglücklich beenden würde: 4:2 (0:1) gewann Mainz 05 sein so wichtiges Bundesliga-Spiel beim Hamburger SV nach einer vor allem nach der Pause beeindruckenden Leistung. Sogar ein kleines Polster bis zum sechsten Rang haben die Mainzer sich nun erwirtschaftet durch ihren dritten Rückrundensieg. „Ich bin stolz, dass wir hier den Sieg mitnehmen“, sagte Tuchel. „Wir mussten den Rückschlag des ungerechtfertigten Gegentors hinnehmen, aber das Team hat nicht gehadert, sondern wollte das beeinflussen, was es beeinflussen kann.“

Ein Erfolg, den die Mannschaft vor Fans, Manager Heidel und Präsident Strutz noch lange genossen. Aus Sicht des Fußballs und der Mainzer war es ein Glück, dass das Hamburger Phantomtor von Marcell Jansen in der 18. Minute nur Randnotiz blieb. Schon zur Pause auf dem Weg in die Kabine bestürmten die Mainzer Spieler den Schiedsrichter Rafati. Mühsam hielten sie sich dann letztlich zurück, doch der Frust über diese Szene in der 18. Minute saß tief.

Wobei eigentlich nicht der Unparteiische im Mittelpunkt gestanden hatte, sondern sein Assistent auf der Seite der Gegengerade. Nach Marcell Jansens Schuss aufs Mainzer Tor war der Ball von der Unterlatte abgeprallt, und der Assistent hob seine Fahne: Tor für den HSV. So entschied auch Rafati nach kurzer Rücksprache. Eine Fehlentscheidung. Von der Tribüne hatte man schon in Echtzeit und aus weiter Entfernung geahnt, dass dieser Ball nicht im Tor war, und als die Szene dann auf der Anzeigetafel eingespielt wurde, ging ein Raunen durch die Arena. Denn der Ball war eher vor als auf der Linie aufgesprungen.

Mainz war kaum beeindruckt vom 0:1, beherrschte den hausbackenen HSV trotz der Ungerechtigkeit und wirkte, was System und Handlungsschnelligkeit betraf, eine Klasse besser als die Hamburger. Vor allem Risse und Schürrle in der Offensive stellten die Hamburger vor Probleme, im Mittelfeld war es oft Polanskis Härte und Cleverness, die HSV-Angriffe stoppte.

Zur Pause war die Hamburger Führung schmeichelhaft – nach der Pause hielt sie nicht lange an: Schürrle flog in Fathis Flanke und lenkte den Ball zum Ausgleich ins Tor. Nur drei Minuten später hatte Hamburgs Petric einen lichten Moment und traf zum 2:1 für den HSV. Doch die Hamburger Freude hielt nur zwei Minuten, bis Kacar den Ball nach Risses Hereingabe unglücklich ins eigene Tor lenkte. Das nun schnelle und offene Spiel wogte hin und her, und für den FSV boten sich Räume; wie vor allem Schürrle dann mit dem Ball am Fuß schneller als alle seine Gegenspieler war, sah einfach großartig aus. Seine Übersicht und Laufleistung krönte er mit dem 3:2, sechs Minuten später erhöhte der eingewechselte Marcel Heller noch auf 4:2.

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