Weitspringerin Darja Klischina : Die einsame Russin

Alle russischen Leichathleten wurden gesperrt, außer Darja Klischina. Nach dem wochenlangen juristischen Gezerre lief ihr Auftritt dann eher unscheinbar ab. Ohne Anfeindungen - aber auch ohne sportlichen Erfolg.

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Keine optimale Vorbereitung: Darja Klischina hat in den Tagen vor ihrem Wettkmapf viel Zeit im Gerichtssaal verbracht.
Keine optimale Vorbereitung: Darja Klischina hat in den Tagen vor ihrem Wettkmapf viel Zeit im Gerichtssaal verbracht.Foto: dpa

Angesichts des Getöses und Gezerres im Vorfeld ihres Starts im olympischen Weitsprung war es ein recht stiller Abend, den Darja Klischina erlebte. Die 25-Jährige war als einzige russische Leichtathletin bei den Olympischen Spielen am Start, der Rest der Mannschaft war wegen Staatsdopings von den Wettbewerben ausgeschlossen worden. Als Klischina am Mittwochabend dem Publikum vorgestellt wurde, gab es keine nennenswerte Reaktion. Während die russische Brustschwimmerin Julija Jefimowa bei ihren Starts in Rio ausgepfiffen und ausgebuht worden war, schien Klischina die Zuschauer im erneut schwach besuchten Estádio Olímpico João Havelange nicht wirklich zu interessieren.

Im Wettkampf wurde Klischina mit 6,63 Meter Neunte. Gold und Silber gingen an die US-Amerikanerinnen Tianna Bartoletta (7,17 Meter) und Brittney Reese (7,15) vor der Serbin Ivana Spanovic (7,08). Die Heidelbergerin Malaika Mihambo landete mit persönlicher Bestleistung von 6,95 Meter auf dem vierten Platz. Mihambo verpasste damit knapp die erste Medaille für eine deutsche Weitspringerin, seit Heike Drechsler im Jahr 2000 in Sydney Gold gewann. Sosthene Moguenara wurde mit 6,61 Meter Zehnte, die dritte deutsche Starterin Alexandra Wester war in der Qualifikation gescheitert.

Unterstützung von anderen Athleten

Laut Mihambo wurde Klischina von den anderen Weitspringerinnen trotz ihres umstrittenen Sonderstatus‘ normal und kollegial behandelt. „Ich fühle mich gut und habe viel Unterstützung von anderen Athleten erhalten“, wurde Klischina vom offiziellen Olympia-Nachrichtenservice am Mittwoch zitiert. „Mit fehlen aber eineinhalb Wochen Training, sonst hätte ich noch viel besser abschneiden können.“ Zuletzt musste sich die Russin viel mit juristischen Fragen beschäftigen.

Die Weitspringerin lebt und trainiert in den USA und unterwirft sich dem US-amerikanischen Doping-Kontrollsystem. Deshalb war ihr zunächst vom Leichtathletik-Weltverband IAAF ein Sonderstartrecht für die Olympischen erteilt worden. Dieses wurde ihr kurzfristig aber wieder entzogen, weil die Behälter älterer Dopingproben der Russin Spuren aufwiesen, die auf Manipulationen schließen ließen. Klischina erhob vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas Einspruch, die Ad-hoc-Kommission des Gerichts ließ sie erst wenige Tage vor ihrem Olympia-Start doch noch zu. „Ich habe vier Stunden vor Gericht verbracht und ich hatte gute Anwälte“, sagte Klischina. „Ich bin froh, dass wir genug Erfahrung hatten, um den Fall zu gewinnen.“ Sie habe auch in den sozialen Netzwerken viel Unterstützung aus Russland erhalten.

Allein ohne Teamkollegen

Für weitere Fragen stand Klischina am Mittwochabend nicht zur Verfügung, tags zuvor hatte sie sich knapp zu ihrer ungewöhnlichen Situation geäußert. „Es ist sehr hart, hier als einzige Russin zu starten. Normalerweise sind wir ein großes Team und unterstützen uns gegenseitig, hier bin ich aber allein“, sagte sie. „Ich wünschte, die russische Mannschaft wäre hier. Ich war nervös, es war einfach sehr viel Stress in der vergangenen Woche.“ Der eigentliche Höhepunkt dieser Woche, ihr Weitsprung-Wettbewerb war da schon längst in den Hintergrund gerückt.

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