Wieder nur Zweiter : Bayern leverkuselt

Nach der Blamage im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund stehen die Münchner vor der beängstigenden Vision einer Saison mit drei zweiten Plätzen.

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Spießrutenlauf. Durch die Gasse der seligen Dortmunder verabschieden sich die Bayern in Richtung Champions-League-Finale.
Spießrutenlauf. Durch die Gasse der seligen Dortmunder verabschieden sich die Bayern in Richtung Champions-League-Finale.Foto: dpa

Mitten in der Nacht fasst sich Karl-Heinz Rummenigge ein Herz und greift zum Saalmikrofon. Der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG ist der erste, der im kühlen Festsaal der Hauptstadtrepräsentanz eines Telekommunikationsunternehmens die Sprache findet nach einem Pokalfinale, das aus Münchner Sicht in einem Totalschaden endete. 2:5 gegen Dortmund – Rummenigge ringt um die ersten Worte und den richtigen Ton. Nach einer kleinen Weile sagt er: "Wenn man 2:5 verliert, ist das kein Zufall, dann ist das auch nicht Pech, sondern man muss klar sagen: Das war eine Blamage. Jedes Tor der Dortmunder, das wir erlebt haben, ist dann wie so eine Watsch’n." Betretenes Schweigen.

Er hätte es aber auch mit dem Herrn von der Berliner Stadtreinigung halten können, der eine Stunde zuvor am Südtor des Olympiastadions mit seinem breiten Besen die Reste einer rauschenden Pokalnacht zusammenkehrt. Kopfschüttelnd sagt der Mann vor sich hin: "Diese Schießbuden-Bayern, spielen ja schon wie Hertha." Es gibt derzeit keinen schlimmeren Vergleich im deutschen Berufsfußball. Doch der FC Bayern muss sich nach seiner Darbietung im 69. deutschen Pokalfinale diesen Vergleich gefallen lassen.

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Das Pokalfinale 2012 in Bildern
Das erste Double für Dortmund: Deutscher Meister und Pokalsieger 2012 - auch Bundespräsident Joachim Gauck freut sich mit der Mannschaft
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12.05.2012 20:14Das erste Double für Dortmund: Deutscher Meister und Pokalsieger 2012 - auch Bundespräsident Joachim Gauck freut sich mit der...

Und so kehren die Bayern in der Nacht zum Sonntag ihrerseits die Scherben der nationalen Saison zusammen, die einen Abschluss gefunden hat, der so gar nicht nach ihrem Geschmack und schon gar nicht ihrem Selbstverständnis ist. Dortmund hat die Bayern nun zum fünften Mal in Folge geschlagen, den Meistertitel aus dem Vorjahr souverän verteidigt und zum ersten Mal in der 103 Jahre währenden Klubgeschichte das Double geholt. Man müsse akzeptieren und auch respektieren, "dass wir eben eine Mannschaft in dieser Republik haben, die im Moment national über uns steht, die besser ist", sagt Rummenigge. Dieser Satz tut den Bayern weh, sehr weh sogar.