Sport : Willi-Daume-Stiftung: Große Finanzprobleme: Viel geredet, wenig getan

Hanspeter Detmer

Der Name der Stiftung verheißt Größe - schließlich ist sie Willi Daume gewidmet. Die Erinnerung an den bedeutendsten deutschen Sportfunktionär der letzten 50 Jahre, der die Olympischen Spiele 1972 nach München holte, Präsident des Deutschen Sportbundes und des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland sowie ein Visionär des Sports von Weltgeltung war, verpflichtet zur großen Dimension, sollte man annehmen. Auch die Besetzung von Kuratorium und Vorstand der im September 1998, nach zähem Ringen erst zwei Jahre nach Daumes Tod, endlich gegründeten Willi-Daume-Stiftung verspricht die angemessene Würdigung. NOK-Präsident Walther Tröger als Kuratoriumsvorsitzender nimmt die Spitzenposition des Sports ein, Friedhelm Julius Beucher als Vorsitzender des Sportausschusses des Deutschen Bundestages repräsentiert die Politik.

Entsprechend war die Erwartungshaltung vor der ersten Pressekonferenz in Bonn. Doch es blieb Ernüchterung. Zehn Institutionen aus Sport, Politik und Wirtschaft gehören zu den Stiftungsgründern, die mit jeweils 20 000 Mark das Stiftungskapital aufbringen sollten. "Zwei Stifter wurden allerdings von ihren Einlagen befreit," sagte Stiftungsvorsitzender Michael Krause, 1972 Schütze des Siegtores im olympischen Hockeyfinale. Und Kuratoriumsvorsitzender Walther Tröger musste eingestehen: "Es ist viel gesprochen, aber nicht so viel getan worden." Die Stiftung hat Probleme mit der Bestellung ihrer Vorstandsmitglieder. Noch auf der Einladung zur Pressekonferenz wurde Dr. Wulf Preising als Geschäftsführer angekündigt. Doch wurde ihm als Generalsekretär des Deutschen Sportbundes wegen angeblich wenig überzeugender Finanzmittelbeschaffung beim DSB letzte Woche der Stuhl vor die Tür gesetzt. Und auch Krause schied vor Jahresfrist eher glücklos aus dem Präsidentenamt des wirtschaftlich angeschlagenen Deutschen Hockey-Bundes.

Das sind keine guten Vorzeichen für eine dynamische Entwicklung einer Stiftung, die sich große Ziele gesetzt hat - nämlich im besten olympischen Geist die Unterstüt-zung vornehmlich von Nachwuchssportlern in finanzschwachen Ländern Afrikas sowie in Südost- und Osteuropa. Immerhin gilt es große Löcher zu stopfen. Einst flossen für Aufgaben, die jetzt die Willi-Daume-Stiftung übernehmen will, staatliche Fördermittel bis zu 15 Millionen Mark. Die Staatsförderung ist derweil auf fünf bis sechs Millionen Mark geschrumpft. In Relation zur Größe des entstandenen Lochs sind die 80 000 Mark, die die Stiftung bislang für ein paar Kunstturner aus Albanien, für 70 Fußbälle für Mosambik und für weitere kleine Maßnahmen in Ruanda, Palästina und Namibia aufgebracht hat, nicht viel. "Dabei wäre eine angemessene Hilfe von größter Bedeutung, was den Ruf unseres Landes in der Welt anbetrifft", sagt Walther Tröger.

Beinahe geschwiegen wurde zum zweiten Aufgabenkomplex der Stiftung, auf dessen Aufnahme in die Stiftungssatzung der Deutsche Sportbund drängte - die Verbindung von Sport und Kultur, eine Verbindung, die dem Kunstliebhaber Daume besonders am Herzen lag. Wie aber soll man etwas fördern, wenn man kein Geld hat? Ihren Sitz hat die Stiftung in einer großräumigen Villa im Zentrum des ehemaligen Regierungsviertels in Bonn, das inzwischen wie eine Geisterstadt wirkt. Zwei Zimmer der ansonsten leer stehenden Villa werden von der Stiftung genutzt. Michael Krauses sprach unbewusst symbolische Worte: "Das Haus ist eigentlich viel zu groß für uns." Nun wäre es an der Zeit, nicht nur Posten zu besetzen, sondern mit ihrem Einfluss der Stiftung zu einer Größe zu verhelfen, die dem Vermächtnis Willi Daumes gerecht wird.

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