Willmanns Kolumne : Der FC Bayern München regiert die Welt

Der FC Bayern München ist schon wieder Deutscher Meister. Ein Grund, den Daumen nach unten zu senken. Das ist selbstverständlich alles unernster Spaß. Es geht ja nur um Fußball. Der uns prächtig zu Tode amüsieren möchte und bis dahin bei Laune halten muss.

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Glücklich, wer sich Bayer nennen darf.
Glücklich, wer sich Bayer nennen darf.Foto: AFP

Bisher sind Forscher davon ausgegangen, dass der Grind, der bei der Völkerwanderung an den Alpen abschürfte, das bizarre Volk der Österreicher bildet. Viel zu wenig beachtet wurde dabei die Tatsache, dass sich die schlimmsten germanischen Urviecher vor dem Alpenaufstieg drückten und fortan das bajuwarische Alpenvorland bevölkerten. Mit List und Tücke rotteten diese Verbündeten der Finsternis in vielen Jahrhunderten die Ureinwohner aus und schufen 1945 als letzte Glanztat blitzgescheit die CSU.

Aber der bayerische Schnee ist poetisch, sagt der kleine Sohn. Nein, da ist nichts daran, das ist ganz normaler Schnee. Überdies Kunstschnee. Morgen schon der Schnee von gestern, sagt der Vater. Das Böse ist immer und überall. Gibt es das berühmte Richtige im Falschen? Kann man unparteiisch sein in einem System, das nur einen Sieger kennt?

Bayern München ist Großmannssucht, Größenwahn, Selbstüberhebung, Geldgeilheit, Rausch der Selbstgerechtigkeit. Bundesliga ist Stillstand, nationale Fußballkrise. Von nun an geht’s bergab. Bundesliga ist Marke für den kleinen Mann, umschmeichelt vom Chor der JubelSKYperser. Bayern ist Fußballbelzebub. Bayern zerstört mit aggressiver Geld= Politik den fußballerischen Binnenmarkt. Dortmund lugt hin und wieder ein paar Zentimeter aus der Krabbelkiste, der kickende Rest Westdeutschlands (abgesehen von Hertha BSC, der Insel im Pipiwasser des Ostdeutschen Fußballs) hat höchstens Ramschniveau.

Nationale Gegner schwächen rächt sich. Es erzeugt langfristige Ödnis und Langeweile. Vor dem Fernseher. Dort sitzt der Konsument, um dessen Sparbuch es geht. Ein fragiles Geschöpf, das vom Bilderverwerter bei Laune gehalten werden muss. Hoeneß, Rummenigge, Beckenbauer. In der Wirtschaft wären Typen Marke korrupter Kumpel längst ausgesondert. Warum werden im deutschen Fußball andere ethische Kriterien benutzt, als in der Restgesellschaft? Sind „überzeugte Fußballfans“ dümmer als Dackelzüchter? Mein Verein, mein Verein, der hat immer recht. Und wer für den Verein kämpft, hat doppelt recht.

War Sepp Herberger ein Nazi, Halbnazi, Zwangsnazi?

Kommen wir zu Agitation und Propaganda. Der Protestsong Zieht den Bayern die Lederhosen aus stammt vermutlich aus der Feder des berühmten Gazpromis Beckenbauer. Glaubt mir, jetzt kann uns nur noch Sepp Herberger retten! Ach ne, geht ja nicht, der ist ja am 1. Mai 1933 in die NSDAP eingetreten. Hier sind keineswegs die NichtSüdDeutschenAltPunks gemeint. Ob er deswegen gleich waschechter Nazi war? Sicher nur Halbnazi, Zwangsnazi, wie alle damals. Bestimmte Gestalten zieht es einfach nach oben. Sie suchen die Nähe der Macht, möchten selbst ein Stück abhaben. Diktaturen sind natürlich besonders für überraschende Karrieresprünge geeignet. Der Uli. Der alte Hühnerdieb. Das ist natürlich streng dadaistisch gemeint. Niemals käme ich darauf, den verdienten Wohltäter zu verdammen. Niemals würde ich in der Münchener Bummsfalleraarena aufstehen und lauthals Hoeneß du Hühnerdieb brüllen.

Die erfolgreichsten Titelsammler
Bastian Schweinsteiger genoss den Moment im Berliner Olympiastadion. „Es ist unglaublich, was für eine Saison wir gespielt haben. So früh Meister zu werden, ist außergewöhnlich“, sagte der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler nach dem 3:1-Erfolg gegen Hertha BSC. Als 19-Jähriger hatte er 2003 seine erste Meisterschaft gefeiert. Elf Jahre später fehlt ihm nun nur noch ein Titelgewinn, um mit Deutschlands Rekordchampions Oliver Kahn und Mehmet Scholl gleichzuziehen. Das Duo triumphierte jeweils achtmal, auch stets im Trikot des FC Bayern.Weitere Bilder anzeigen
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26.03.2014 16:12Bastian Schweinsteiger genoss den Moment im Berliner Olympiastadion. „Es ist unglaublich, was für eine Saison wir gespielt haben....

Laut Insiderberichten sitzen ganze Heerscharen von investigativen SPON-Nachwuchslyrikern an 100.000 Seiten streng geheimer Schweizer Daten. Bankdaten der Banditen? Hoeneß stehe für ein System, in dem sich „Menschen aufgrund ihres Reichtums über dem Gesetz wähnen“. Wer zahlt(e) eigentlich dafür, wenn Uli an einem Tag mit Summen jonglierte, die den Steuereinnahmen eines Kleinstaates entsprechen? Der Kessel kocht, was raus muss, muss raus! Die Akte Hoeneß ist noch lange nicht durch. Geht es dem heiligen Festgeldkonto im Jahr 1 nach Hoeneß nun an den Kragen? Es wird bestimmt etwas gefunden. Bayern schleift der goldene Popo auf Grundeis. Nach außen Bussi-Bussi, innen ist der Verwesungsprozeß im vollen Gange. Verzweifelt versucht man, einen ehrenhaften Präsidenten nach vorn zu schubsen. Hokus Pokus Koitus –Uli in den Lokus und die Spülung gedrückt.

Fritz Wepper auf Uli Hoeneß' verwaisten Thron!

Wer jetzt alles auf Uli des Ersten verwaisten Thron soll! Katholische Großbäcker in der zehnten Generation, Schönheitschirurgen mit Landbesitz, aber ja nicht was mit Bank und so! Ich sehe Fritz Wepper als neuen FCB-Regenten. Gefühlte sechzig Jahre 2. Geige neben dem Kommissar und Derrick können nicht irren. Harry Klein (Weppers Fernsehkampfname) vereint alle Tugenden einer staatstragenden Existenz. Stellt ihm Die Ferres an die Seite und Bayern lässt blitzschnell alle Kritiker verstummen. Unter Umständen ist mit einem Schauspieler an der Spitze die Gesamtsituation für unempfindliche Fans noch leichter verkennbar.

Aber vielleicht wandelt sich alles durch eine kleine Verschwörung der Anständigen zum Guten? Fragt sich nur, wer im deutschen Fußball die Rolle des Anständigen übernehmen soll. Die CL-Auslosung als weiteren Beweis dafür, dass Bayern mit dem Teufel im Bunde ist, behalte ich heute für mich. Kommt mir nun ein LKW auf falscher Spur entgegen? Gewinnen am Ende wieder die Bayern? Nö!

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