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WM 2014 - Algerien trifft auf Deutschland : Ramadan: Nahrungsaufnahme erlaubt oder Sünde?

Sollen sie fasten oder nicht? Der Ramadan während der WM 2014 wird hitzig diskutiert in Algerien. Während einige Rechtsgelehrte die Nahrungsaufnahme erlauben, sehen andere darin eine Sünde. Die Fifa antwortet mit einer Fehlermeldung.

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Hoher Druck auf den algerischen Spielern vor dem Achtelfinale gegen Deutschland. Millionen Muslime, Fußball-Fans, viele Imame und Journalisten diskutieren ob sie fasten sollen oder nicht.
Hoher Druck auf den algerischen Spielern vor dem Achtelfinale gegen Deutschland. Millionen Muslime, Fußball-Fans, viele Imame und...Foto: AFP

Es ist für die Spieler der algerischen Nationalmannschaft gewiss eine schwierige Entscheidung: fasten oder nicht fasten vor dem Spiel gegen die deutsche Mannschaft. Ob der Streit, der in der Heimat entbrannt ist, bei dieser schwierigen Frage unbedingt weiterhilft?

Scheikh Mohammed Sherif Qaher ist Vorsitzender des Hohen Islamrates Algeriens und damit eine religiöse Autorität in seinem Land. Er erließ in einer Fatwa, also in einem islamischen Rechtsgutachten, dass die Spieler während des Turniers nicht fasten müssen. In einem detaillierten, theologischen Gutachten berief sich der Scheikh auf die Regel, dass Reisende von der Pflicht des Fastens befreit sind und die Fastentage nachholen können. Außerdem sei den Spielern ihre Intention hoch angerechnet, fasten zu wollen. Da von höchster Stelle nun eine Essens- und Trinkerlaubnis käme, stehe einer Stärkung vor dem Achtelfinale gegen Deutschland nichts im Wege. Der Hohe Islamrat ist eine staatliche Institution. Auch für die Regierung in Algier ist das Achtelfinale ein wichtiges historisches Ereignis, so ließ der betagte Präsident Bouteflika nach der Qualifikation seinen Stolz und Freude an die Mannschaft übermitteln.

Andere Rechtgelehrte sehen nicht nur wegen dieser Staatsnähe die Befreiung von der Fastenpflicht kritisch. Die Diskussionen laufen heiß, nicht nur in den Sozialen Netzwerken, auch in vielen Moscheegemeinden ist die Fußball-WM nun endgültig Thema Nummer eins. So meldete sich Scheikh Mokarkab zu Wort, immerhin Mitglied im islamischen Rat der algerischen Rechtsgelehrten. "Essen und trinken ist auch für Fußballspieler haram", lautet der Titel seiner Schrift. Haram bedeutet verboten, eine klare Botschaft. Das sei allerdings nicht negativ für den Spielausgang zu werten, denn "Gott ist mit den Fastenden", schrieb Mokarkab weiter. Mehrere weitere Imame meldeten sich ebenfalls zu Wort, dass sie keinen Grund für eine Nichteinhaltung des Fastengebots sehen. Fasten könne zudem Superkräfte und eine ungeahnte Glaubenskraft freisetzen. Es scheint als gebe es ein Unentschieden unter den beiden Parteien.

Und was sagen Trainer, Fifa, Spieler und die Fans?

Deswegen sind andere Meinungen mindestens so gefragt wie die Gutachten der rivalisierenden Rechtsgelehrten. Algeriens Trainer Vahid Halilhodzic, selbst aus dem muslimischen Bosnien stammend, versuchte sich tagelang nicht zum Thema zu äußern. Nun überließe er seinen Spielern offiziell und "selbstverständlich" die Wahl. Allerdings sei seine Empfehlung klar: "Es wäre gut, wenn sie im Training fasten aber am Montag Nahrung zu sich nehmen würden", sagt Halilhodzic. Der algerische Fußballverband FAF hat diese Medienberichte allerdings zurückgewiesen, Halilhodzic habe lediglich gesagt er respektiere den Islam. Auch die Fifa meldete sich zu Wort. So berichten mehrere arabische Zeitungen, dass der Fußballverband ein Fasten weder als gesundheitsgefährdend noch als Einschränkung beim Spiel betrachte. Die oft verlinkte Seite der Fifa ergab allerdings nur eine Info: Error Page 404.

Und was ist mit den Spielern selbst? Mehrere von ihnen haben offiziell angekündigt, dass sie fasten wollen. Die Spieler Bouguerra, Soudani, Halisch und Ibrahimi haben angekündigt nicht zu essen oder zu trinken. In Porto Alegre könnten sie 19 Minuten nach Anpfiff allerdings schon Nahrung zu sich nehmen, dann ist dort Sonnenuntergang. Um 17.19 Uhr Ortszeit.

Auch für die algerischen Fans in Brasilien stellt der Ramadan eine große Herausforderungen da. Viele der 2000 Algerier hatten ihren Aufenthalt nur für die Vorrunde geplant und müssen sich nun um weitere Übernachtungsmöglichkeiten kümmern. Einige machten sich im Spielort Porto Alegre schlau, ob es Restaurants gibt, die ihnen islamisch konforme Speisen zum Fastenbrechen servieren könnten. Das einzige libanesische Restaurant habe allerdings nicht genügend Kapazitäten, um die vielen Fans zu bedienen. Viele algerische Fans ins Brasilien wollen dagegen die Fastenzeit in der Heimat verbringen. Rückflüge sind allerdings rar.

Während andere, die zuhause geblieben sind, das historische Spiel in Brasilien erleben wollen. Aber auch von Algier nach Porto Alegre gebe es keine Flüge mehr, selbst für diejenigen die sich das leisten können. Algerier brauchen für Brasilien sowieso ein Einreisevisum, dass sie nicht kurzfristig organisieren können.

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