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WM 2022 in Katar : Fifa-Boss Blatter sorgt für frostige Stimmung

17.05.2013 11:48 Uhrvon

Nun hält auch Fifa-Präsident Joseph Blatter eine Sommer-WM in Katar für „unzumutbar“. Im Emirat reagiert man verschnupft – und verweist auf eine ganz spezielle Kühlanlage.

Doha - Vor vier Wochen, Mitte April, hat es noch geklappt. Da stand die Mittagssonne auch schon fast senkrecht über Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar. Rund um das Stadion des Fußball-Rekordmeisters Al-Sadd am Stadtrand herrschten 32 Grad Celsius. Erlösung brachte der Gang durch die Glastür, die mittlerweile auch der einst königliche Madrilene und dann königsblaue Schalker Raúl zum Dienstantritt nimmt. Erfrischt ging es durch die mit sandfarbenem Marmor verkleideten Katakomben aufs Feld. Am Anstoßpunkt herrschten 26, am Spielfeldrand sogar noch drei Grad weniger, wie ein Thermometer bewies. Test bestanden: Der Weltfußballverband Fifa erlaubt 26 bis 29 Grad auf dem Feld.

Wirklich cool? Ein Ingenieur überprüft eine Düse der Pilot-Rasen-Klimaanlage im Stadion des katarischen Rekordmeisters Al-Sadd aus Doha.Bild vergrößern
Wirklich cool? Ein Ingenieur überprüft eine Düse der Pilot-Rasen-Klimaanlage im Stadion des katarischen Rekordmeisters Al-Sadd aus Doha. - Foto: www.marco-urban.de

Möglich macht das eine Klimaanlage, die in diesem zum Himmel offenen Stadion immer in den frühen Morgenstunden angeworfen wird. Etwa 50 große Düsen am Spielfeldrand blasen dann mit Wassertröpfchen angereicherte Kaltluft aufs Feld. Die Anlage erzeugt einen summend-murmelden Ton. Es klingt, als säßen einige Tausend Zuschauer in Erwartung eines Eckstoßes im Rund. Nicht unangenehm. Atmosphäre immerhin ist so sogar bei leeren Rängen garantiert.

Von dieser Pilot-Anlage ließen sich seinerzeit auch die Funktionäre beeindrucken, die vor drei Jahren alle Bewerberländer besuchten. Im Dezember 2010 erhielt Katar schließlich den Zuschlag für das Turnier im Jahr 2022. Das war für die Welt eine Sensation, aus Fifa-Sicht nur folgerichtig: Denn vom Ledersitz im klimatisierten Konferenzsaal aus spricht alles für Katar, das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Es ist sauber, sicher, nur halb so groß wie Hessen, was kurze Wege garantiert. Katar investiert rund 150 Milliarden Dollar in neue Stadtviertel, ein U- und Regionalbahn-Netz, das alle zwölf Stadien anbindet. Fifa-Offizielle erhalten sogar ihre eigene Spur auf den neu gebauten Autobahnen. Was will man mehr?

Natürlich verwiesen Kritiker schon 2010 auf Klimatabellen: In Katar werden im Juli locker 45 Grad im Schatten erreicht. Die Fifa blieb lange stumm. Nun aber wagen es mit jedem Monat neue Top-Funktionäre, den Beschluss ihrer eignenen Organisation in Frage zu stellen. Erst warnte Ex-Mitglied Franz Beckenbauer von einer Sommer-WM in Katar, dann Uefa-Chef Michel Platini, im März folgte Fifas Chefmediziner Michel D’Hooghe. Nun endlich hat sich auch Präsident Joseph Blatter festgelegt: „Es ist nicht vernünftig und zumutbar, im Juni und Juli dort zu spielen“, sagte er am Mittwoch der französischen „L’Equipe“.

Jetzt sind alle ratlos bis blamiert – und verstecken sich hinter der Bürokratie. „Was auch immer die richtige Entscheidung ist, ist Sache des Exekutivkomitees“, sagte Blatter, als gelte sein Wort nicht. Auf das Gremium verwies am Donnerstag auch das Organisationskomitee der Katarer. „Wir sind bereit, die WM im Sommer oder im Winter durchzuführen“, hieß es in einer Stellungnahme. Dass es ihnen nicht egal ist, wurde darin aber auch deutlich. Man habe sich mit seinem Konzept für den Sommer beworben, und die Fifa-Leute hätten besagte Anlage im Al-Sadd-Stadion ja begutachtet.

Hängt Katars WM an 50 Düsen? „Diese Pilotanlage ist effektiv, aber sicher nicht besonders nachhaltig“, hatte Dario Cadarid, technischer Projektmanager des WM-OK, beim Besuch des Tagesspiegels vor einem Monat auf dem Rasen stehend erklärt. Die benötigten 700 Kilowatt Strom (entspricht der Leistung von 700 Staubsaugern) würden durch klimaschädliches Verfeuern von Öl und Gas erzeugt. Ein weiteres Problem: „Wenn ein starker Windstoß über das Stadion geht, nimmt er die kalte Luft aus dem Kessel einfach mit“, sagte Cadarid. Allerdings sollen die meisten WM-Stadien ja überdacht sein. Er behauptete nicht, schon die ultimative Lösung zu haben, ließ aber keinen Zweifel daran, dass 2022 mit Ökostrom betriebene Anlagen zum Einsatz kommen. Auch an Kühlanlagen für Fan-Feste arbeite man. Erste Versuche gäbe es schon in Saudi-Arabien und Marokko.

Die Strategie ist klar: In Katar will man auf keinen Fall verantwortlich gemacht werden, sollten Ligen in aller Welt ihre Spielpläne umstellen müssen, nur um ein Winter-Wüsten-Turnier zu ermöglichen. Und in Doha man ist verschnupft, dass nun sogar die Fifa offenbar doch nicht auf die Finanzkraft vertraut – und die Experten, die Katar in der ganzen Welt angeheuert hat.Kevin P. Hoffmann

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