Wolfsburg - Braunschweig 0:2 : Der erste Sieg ist der schönste

Im Achten Anlauf hat es endlich geklappt: Eintracht Braunschweig holt im Niedersachsen-Duell beim VfL Wolfsburg den ersten Dreier in dieser Saison.

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Mal was Neues: Braunschweigs Trainer Lieberknecht und sein Team feiern den ersten Sieg.
Mal was Neues: Braunschweigs Trainer Lieberknecht und sein Team feiern den ersten Sieg.Foto: dpa

Wolfsburg - Der kleine Mirko Boland, tapferer Spielgestalter im Team von Eintracht Braunschweig, machte sich gut gelaunt auf den Weg unter die wärmende Dusche. „Die Musik ist laut, alle sind platt“, lautete sein Statusbericht aus einer Umkleidekabine, in der nach Herzenslust gefeiert wurde. Sieben Spieltage lang waren sie dem Glück vergeblich nachgerannt. Mit dem 2:0 (1:0)-Erfolg beim ungeliebten Nachbarn Wolfsburg und dem ersten Saisonsieg ist der Aufsteiger endgültig in der Fußball-Bundesliga angekommen. Mit den Toren von Karim Bellarabi, das Boland wunderbar vorbereitet hatte, und von Domi Kumbela belohnten sich die Braunschweiger für ihren couragierten Auftritt. Es war ein Sieg, der vor 30 000 Zuschauern einer Demütigung gleichkam – einer Demütigung für den VfL Wolfsburg.

Dessen Fans mag es zunächst Spaß gemacht haben, den Gegner mit Hohn und Spott zu begrüßen. Aber mit zunehmender Spieldauer wurde klar, dass sich die in dieser Saison meistens chancenlosen Braunschweiger eine Menge vorgenommen hatten. „Wir begrüßen die Fußballvorstadt der Region zum Schnupperkurs Bundesliga“ – wer mit einem solch hämischen Transparenten bedacht wird, dürfte zu hoher Laufbereitschaft und Einsatzfreude neigen. Die Braunschweiger verblüfften mit ihrer forschen Spielweise und offensiver Ausrichtung. Sie kamen zwar zu wenigen Torschüssen. Aber die schöne Ballstafette mit Beteiligung von Norman Theuerkauf, Orhan Ademi, Passgeber Boland und Bellarabi als Torschütze führte zum bestaunten 0:1 und war der Startschuss zu einer nicht für möglich gehaltenen Energieleistung.

Eine Sturmspitze namens Ivica Olic, ein Spielgestalter in Person von Diego – was in den ersten drei Heimspielen der Saison beim VfL den Weg zu drei Erfolgen geebnet hatte, fiel ausgerechnet im Duell mit den Braunschweiger harmlos bis lethargisch aus. „Meine Jungs wussten schon, was auf dem Spiel stand. Aber es gibt solche Tage und solche Spiele. Wir wollten mit dem Kopf durch die Wand“, monierte VfL-Trainer Dieter Hecking, für den die Lage ungemütlich wird. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten und ihrer Philosophien liegen zwischen dem VfL und der Eintracht Welten. In der Tabelle trennen die niedersächsischen Rivalen nur fünf Punkte.

Vielleicht war Torsten Lieberknecht zuletzt wirklich so ratlos und entnervt, wie er getan hat. Der Braunschweiger Chefcoach, unter dessen Regie es fünf Jahre lang Erfolge in Serie zu bejubeln gab, hatte nach dem 0:4 seines Teams gegen Stuttgart den Eindruck erweckt, als sei er mit seinem Fußball-Latein am Ende ist und gebe entnervt auf. Vielleicht wollte der 40-Jährige auch nur erreichen, dass sich sein Team herausgefordert fühlt im Kampf um den ersten Saisonsieg. Seine Spieler haben die Aufforderung in jedem Fall angenommen und hätten die Partie wegen ihrer vielen guten Chancen früher entscheiden können. Es blieb Kumbela überlassen, in der 86. Minute mit seinem 0:2 die Sensation perfekt zu machen. Der Sturm der Begeisterung, dem sich die Braunschweiger anschließend hingaben, gehörte zu den bisher schönsten Szenen der Saison.

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