Zanardi will nach Sotschi : Der Berg ruft

Alessandro Zanardi war einer der Stars bei den Sommer-Paralympics in London. Jetzt plant der frühere Formel-1-Pilot den nächsten Auftritt: auf Ski bei den Winterspielen 2014 in Sotschi.

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Auf Wiedersehen in Sotschi? Alessandro Zanardi ist ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen.
Auf Wiedersehen in Sotschi? Alessandro Zanardi ist ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen.Foto: dpa

Alessandro Zanardi kann es nicht lassen. Da hat der 45 Jahre alte Ausnahmesportler aus Italien, kaum war er bei den Paralympics im Spätsommer in London aufgetaucht, auch schon wieder seinen Abschied von der paralympischen Bühne erklärt. Einmal Paralympics, zwei Mal Gold, ein Mal Silber, das sollte reichen. Er wolle nun wieder hinters Steuer schneller Autos, sprach der derzeit schnellste beinamputierte Handbiker der Welt. Doch nun fährt der ehemalige Formel-1-Rennfahrer wieder einen neuen Kurs. Er liebe den Schnee, er könne doch bei den Winter-Paralympics 2014 in Sotschi in Russland antreten, teilte Zanardi jetzt seinen Fans über die italienische Tageszeitung "La Repubblica" mit.

"Alessandro sucht immer nach neuen Herausforderungen, und die Möglichkeit, als Wintersportler bei den Olympischen Spielen der Menschen mit Körperbehinderten anzutreten, reizt ihn", sagt Marina Morsellino, Sprecherin von Alessandro Zanardi beim "Barilla Blu Team". Ihr zufolge habe eine Trainingsgruppe mit paralympischen Wintersport-Nachwuchsathleten aus Italien den Paralympics-Star Zanardi zum Probetraining eingeladen. Also fährt er nun mit in die Berge.

Bei den Sommer-Paralympics hatte Zanardi beim Einzelstraßenrennen auf der Autorennstrecke von Brands Hatch in Kent Gold in 2:00,32 Minuten mit den Händen erradelt. Beim Einzel-Zeitfahren in seiner Startklasse H4 holte er in 24:50,22 Minuten und großem Abstand die zweite Goldmedaille. Mit seiner italienischen Mannschaft errang Zanardi bei der Staffel der Startklassen H 1-4 Silber.

In Brands Hatch hatte jedes Land eine der Startboxen für sich, und da hörte man hier und da Unmut bei der Konkurrenz: Zanardi nehme die Paralympics wohl nicht richtig ernst und nutzte sie nur als Plattform für PR in eigener Sache. Andere Athleten strampelten sich jahrelang für einen Medaillenrang ab. Und dann ziehe der Mann aus Italien wohl allein wegen seines Nimbus infolge des spektakulären Unfalls 2001 auf dem EuroSpeedway Lausitz die Objektive auf sich. Damals wurde sein Wagen bei einem Tempo von mehr als 200 Stundenkilometern in zwei Teile gerissen.

Dass es durchaus möglich ist, Sommerhandbiken und Winter-Paralympics zu verbinden, zeigt das Beispiel der deutschen Paralympionikin Andrea Eskau: Sie gewann bei den Sommerspielen in Peking 2008 einmal und in London 2012 zweimal Gold auf ihrem Handbike und schob sich bei den Winterspielen 2010 auf der Wettbewerbsstrecke in Whistler auf ihrem nordischen Skisitzschlitten mit beidseitigem Stockschub zu Silber im Langlauf und zu Bronze im Biathlon.

Dem Haudegen Alessandro Zanardi trauen Insider auch die Handhabung eines alpinen Monoski-Sitzschlitten zu, in dessen Konstruktion – interessante Parallele zu Zanardis früherer Karriere – auch in der Formel 1 erprobte Technik einfließt. Paralympioniken wie der jetzige Technikberater der deutschen Mannschaft, Martin Braxenthaler, erreichen auf einem Monoski-Sitzschlitten beim Abfahrtsrennen gut und gern Geschwindigkeiten von weit über 100 Kilometer in der Stunde. Gleichzeitig, so betont die Teamsprecherin Marina Morsellino, prüfe Zanardi weiter auch Optionen, wieder in einem Rennwagen zu starten. So besuchte er am Sonntag das DTM-Saisonfinale und drehte im Handbike eine Runde auf dem Hockenheimring. Das hat einen Hintergrund: Nach seinem schweren Unfall auf dem Lausitzring hatte Zanardi in einem speziell für ihn umgebauten BMW sein Comeback im Rennsport gefeiert und unter anderem vier Rennen in der Tourenwagen-WM gewonnen.

Zuletzt aber gab es einige Verwirrung um ein angebliches Angebot von BMW für Zanardi, in der DTM zu fahren. "Wir prüfen derzeit, ob es technisch überhaupt möglich ist, dass er bei uns eine Demofahrt oder eine Testfahrt absolvieren kann", sagte BMW-Sprecher Jörg Kottmeier "Spiegel Online". Möglicherweise begibt sich Alessandro Zanardi ja auch auf beides, auf Schnee- und Asphaltpiste. Und entspannt sich zwischen den Trainingseinheiten beim Heimwerken, beim Shoppen mit seiner Frau Daniela und seinem Sohn Niccolo und beim Angeln.

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