• Zu Besuch bei den Eisbären Berlin, Teil 2: Wie sehen eigentlich Reporter ein Spiel?

Zu Besuch bei den Eisbären Berlin, Teil 2 : Wie sehen eigentlich Reporter ein Spiel?

Beim Training der Eisbären hatten sie ja schon hinter die Kulissen schauen dürfen, nun waren unsere Schülerpraktikanten auch beim jüngsten Heimspiel der Berliner unterwegs

Bela Winde, David Dieckert
Guter Überblick. Aus dieser Perspektive sah unser Praktikant David das Spiel am Freitag.
Guter Überblick. Aus dieser Perspektive sah unser Praktikant David das Spiel am Freitag.Foto: David Dieckert

Am Freitag, den 22. Januar haben die Eisbären in Berlin gegen die Düsseldorfer EG gespielt - leider ging es für die Eisbären daneben (2:7), aber es war trotzdem interessant und dann gab es ja auch noch das Spiel am Sonntag...  

Eine Wahnsinnsatmosphäre

Es ist ungefähr 18 Uhr, als wir uns der Mercedes-Benz-Arena in Friedrichshain nähern. Nachdem uns unsere Karten und eine aktuelle Tabelle der Eishockeyliga ausgehändigt wurde, gingen wir in den Presseraum, in dem Journalisten von den jeweiligen Zeitungen sitzen. Ob die "Bild", die "BZ", oder die "Welt" - hier waren nahezu alle Zeitungen vertreten. Dort unterhielten wir uns mit ein paar Journalisten und verließen wenig später den Presseraum, um uns auf unsere Sitzplätze zu begeben. 
Als wir das Stadion betraten, kam uns laute Musik entgegen und eine Lichtershow tanzte auf dem Eis. Die Fans klatschten und stampften auf den Boden und es herrschte eine Wahnsinnsatmosphäre. Gebannt von dem Spektakel stand ich nur da und ließ meine Blicke über das Spielfeld und die voll besetzten Sitzblöcke streifen. Ich begab mich immer noch gefesselt von dem Ganzen auf meinen Platz. Als Praktikant beim Tagesspiegel hatte ich das Privileg ganz oben in der letzten und höchsten Reihe, direkt neben den Journalisten zu sitzen. Mit einem Schlag wurde es hell in der Arena. Die Menge verstummte kurz, doch das sollte nicht lange so bleiben, denn nun kamen die Spieler einzeln aufs Feld. Jedes mal jubelten die Fans wenn einer ihrer Helden elegant übers Eis auf das Spielfeld zog. Schließlich kündigte der Sprecher noch eine Ehrung an. Es handelte sich um die Meistermannschaft 1966 von Dynamo Berlin, die Vorgängermannschaft der Eisbären, die damals in der DDR spielten. 

Nun begaben sich die Kontrahenten der Eisbären, der Düsseldorfer EG aufs Spielfeld. Und schon hier machte sich der Heimvorteil bemerkbar. Während die Eisbären lauthals empfangen wurden, bekamen die Düsseldorfer nur Pfiffe zu hören. Nachdem sich die Gäste formiert hatten, begann der erste von den drei Sätzen. Der Puck wurde auf die Mitte des Feldes gelegt und die Spieler stürmten auf ihn los. Schnell und elegant glitten sie übers Feld um sich dem Tor zu nähern. Der erste Satz verlief anfangs ohne große Ereignisse, bis die Düsseldorfer den Puck in der 8. Minute in das Tor versenkten. Natürlich ist das für einen Eisbärenfan kein schönes Erlebnis und erste Zweifel kamen in mir hoch. Würden die Eisbären dieses Spiel gewinnen? 
Nach diesem Tor geschah nichts weiter und wenig später war das erste Drittel auch schon vorbei. Nach einer zwanzigminütigen Pause begann das zweite Drittel. Doch dann geschah es. Innerhalb der ersten Spielminute gelang dem Spieler Tallackson schon der Ausgleich. Ich konnte es kaum realisieren, dass in der allerersten Minute schon ein Tor für die Eisbären fiel. Die Halle brach in Jubeln aus. Die Fans standen auf und ließen zu der Can Can Melodie ihre Freude freien Lauf. Es herrschte eine unglaubliche Stimmung. Ich war noch euphorisiert von dem eben gefallenen Tor, als Tallackson vier Minuten später ein zweites Tor schoss und damit wieder die Menge zum jubeln brachte. Meine anfänglichen Zweifel über die Gewinnchancen der Eisbären verschwanden sofort.

Nach einem mehr oder weniger ereignislosen Ende des zweiten Drittels begann die Pause, die uns vom finalen und entscheidenden Drittel trennte. Nach diesen angespannten zwanzig Minuten begab ich mich in voller Erwartungen auf meinen Platz. Das Spiel war noch nicht sehr lang im Gange, als nach sechs Minuten die Eisbären dann auch schon ein Tor einstecken mussten. Ich ärgerte mich natürlich über den Gleichstand doch ich nahm an, dass die Eisbären nach wie vor gewinnen würden. Meine Hoffnungen wurden leider nicht bestätigt, da zwei Minuten danach wieder ein Tor von den Düsseldorfern geschossen wurde. Nun wurde es ernst.

Meine Zweifel kamen erneut bei diesem 2:4 doch ich dachte nach wie vor, dass die Eisbären diejenigen wären, die das Spielfeld siegreich verlassen würden. Das eine Minute später folgende Tor zerstörte meine Hoffnungen komplett. Ich wusste das die Eisbären in den letzten zwölf Minuten weder einen Gleichstand noch einen Sieg erzielen konnten. Und so kam es auch. Nach einem weiteren Tor, welches innerhalb der letzten fünf Minuten für die Düsseldorfer fiel war es vorbei. Die Fans waren enttäuscht, aber den Spielern ging es wahrscheinlich schlimmer. Das merkte ich in dem darauffolgendem Interview mit André Rankel der niedergeschlagen wirkte. Er sagte die Tore seien zu leicht an die Düsseldorfer abgegeben worden aber man solle diese Niederlage, die die Eisbären aus der Tabellenführung gebracht hat, nicht weiter analysieren und das Ganze abhaken.

Uwe Krupp konnte in der darauffolgenden Pressekonferenz eigentlich nur bestätigen, was André Rankel gesagt hat. Er sei ebenfalls der Meinung, dass es ein unschönes Ergebnis sei, mit dem man sich jedoch abfinden müsse. Ein weiterer Faktor sind für ihn die Ausfälle in der Verteidigung. Die Eisbären haben sich von dieser klaren Niederlage aber nicht unterkriegen lassen. Und sie hatten auch gesagt, sie seien optimistisch, am Sonntag ein besseres Ergebnis erzielen zu können. Und siehe da, es waren die Eisbären, die mit einem Ergebnis von 4:3 in Düsseldorf das Rückspiel gewannen. Man sieht, die Vorsätze nach dem Spiel am Freitag haben sich die Eisbären erfüllt und es kann nach diesem Ausrutscher hoffentlich besser weitergehen. (David Dieckert)


Eisbärenspiel gegen Düsseldorf

Das Spiel der Berliner Eishockeymannschaft war für einen Berliner wohl leicht bis mittelschwer deprimierend. Ich muss zugeben, dass dies das erste Eisbärenspiel war, bei dem ich live zuschauen konnte. Von der ersten Minute an genoss die Gastmannschaft ihre technische Überlegenheit in vollen Zügen. Nach siebeneinhalb Minuten zeigten sie dies auch mit ihrem ersten Treffer. Manuel Strodel fälschte einen Schuss seines Teamkollegen aufs Tor so gekonnt ab, dass dieser für den Torhüter unhaltbar war.

Nach diesem Tor hatte ich den Eindruck, dass das Spiel sehr hitzig und körperbetont wurde. Allein im ersten Drittel gab es einen zerbrochenen Schläger, einen Eisbären der sich den Mund hielt während er vom Platz torkelte – ob seine Teamkameraden ein paar seiner Zähne aufsammeln mussten sah man nicht – und einen Schiedsrichter, welcher am Boden lag und sich den Kopf hielt. Durch die Strafminuten – an denen nicht gespart wurde - die ein Spieler erhält wenn er jemanden behindert oder sonst irgendwie gegen die Regeln verstößt wurde das Spiel insgesamt um eine halbe Stunde verzögert.

In den ersten Sekunden des zweiten Drittels fielen relativ schnell hintereinander zwei Tore für die Heimspielenden, beide durch Barry Tallackson. Die Euphorie kam zurück um dann nach einigen Minuten des zweiten Abschnittes wieder zu verfliegen. Zweimal nutzen die Düsseldorfer ihre Torchancen (Ken Andre Olimb in der 31.Spielminute und Daniel Kreutzer in der 39. Minute), um somit führend in die zweite Pause zu gehen. Das letzte Drittel war für jeden Eisbärenfan deprimierend. Die Defensive der Berliner hatte keine Ruhe: relativ nah hintereinander trafen drei Schüsse der Düsseldorfer (Alexei Dmitriev in der 46. Minute, Drayson Bowman in der 47. und Christopher Minard in der 48.), dann wurde der Eisbärentorwart abgelöst.

Revanche geglückt. Die Eisbären freuen sich am Sonntag über das 4:3 in Düsseldorf.
Revanche geglückt. Die Eisbären freuen sich am Sonntag über das 4:3 in Düsseldorf.Foto: dpa/Thissen

Nun schützte Kevin Nastiuk das Tor der Heimmannschaft. Doch auch er musste seine Unterlegenheit eingestehen. Weniger als sechs Minuten vor dem Ende kam das 2:7, dank Strafminuten hatten die Eisbären zwei Mann weniger auf dem Feld, und Bowman nutzte das mit einem erneuten Treffer aus. Wenige Sekunden vor dem erlösenden Abpfiff schien es, als wäre ein Ehrentor gefallen. Die Schiedsrichter mussten zum zweiten Mal an diesem Tag zum Videobeweis greifen, und erklärten das vermeintliche Tor als ungültig, da der Puck die Linie nicht überschritten habe.

So ließen die Regelhüter die letzten 15 Sekunden laufen in denen nichts Großartiges mehr geschah. Beim direkten Rückspiel in Düsseldorf am Sonntag stellten die Eisbären ihre kurzzeitig verlorene Tabellenführung wieder her, mit einem 4:3 begeisterten sie ihre Berliner Fans endlich wieder. In den ersten beiden Dritteln sah es nicht gut aus, im letzten Abschnitt legten die Berliner richtig los,  und gingen mit einem 3:3 in die Verlängerung, in welcher in den ersten paar Sekunden das letzte und entscheidende Tor durch Barry Tallackson fiel. Somit bleibt die Berliner Eishockeymannschaft Tabellenführer. (Bela Winde)

- zuvor hatten unsere Schülerpraktikanten schon das Training besucht und darüber geschrieben, hier zum Nachlesen: "Wie trainieren eigentlich Eishockeyprofis".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben