• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Zu Besuch bei Ex-Fußballprofi Jürgen Pahl : Die wesentlichen Dinge im Leben

03.01.2013 16:50 UhrVon Gunnar Leue
Jürgen Pahl spielte von 1978 bis 87 für Eintracht Frankfurt und gewann mit den Hessen 1980 den Uefa-Cup.Bild vergrößern
Jürgen Pahl spielte von 1978 bis 87 für Eintracht Frankfurt und gewann mit den Hessen 1980 den Uefa-Cup. - Foto: dpa

Er flüchtet aus der DDR, kehrt nach der Wende in den Osten zurück und lebt jetzt in Paraguay: "Ich bin ein Pioniertyp, ein Conquistador", sagt Jürgen Pahl, der frühere Bundesliga-Torhüter.

Die Obstbäume, ach ja“, sagt Jürgen Pahl hinterm Lenkrad seines Bullis und schaut auf die mickrigen Bäume am Straßenrand. Kurz darauf biegt er in eine unbefestigte Einfahrt zu seinem Grundstück ab. Es liegt direkt an einer Überlandstraße im Departamento Guairá, einer Provinz im Landesinneren von Paraguay. Das Anwesen ist nicht sehr groß und fast naturbelassen. Immergrüne Sträucher, kniehohe Schraubenbäume und dürre Urwaldbäume stehen rings um ein kleines weißes Haus mit Strohdach. Von Obstbäumen ist nichts zu sehen.

Dabei heißt es in Deutschland, Jürgen Pahl, der frühere Fußballprofi von Eintracht Frankfurt, lebe als Obstbauer in Paraguay.

Vor einigen Jahren hätte ihn mal ein Journalist besucht. Damals führte Jürgen Pahl noch im einige Kilometer entfernten Ort Indepedencia eine Pension, zu der 5000 Quadratmeter Gartenfläche gehörten. „Da stand ich dann fürs Foto zwischen lauter Obstbäumen und zack, war ich der Obstbauer.“

Der Fußballtorwart Pahl spielte zwischen 1978 und 1987 für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga, 1980 gewann er den Uefa-Cup. Dann war er weg und tauchte erst 2006 wieder auf – mit einem Artikel in der „Taz“, in dem er seinen einstigen Berufsstand und die „miefige, verlogene“ kapitalistische Gesellschaft vehement kritisierte. Dazu stehe er immer noch, sagt Jürgen Pahl. „Wahrscheinlich gelte ich in Deutschland als Spinner, weil ich nicht im Mainstream mitschwimme.“

Aus seinem Häuschen holt er ein abgewetztes Fotoalbum. Die alten Bilder zeigen ihn als Jugendfußballer, als Bundesligaprofi beim Training, bei Spielen und Feiern. Als fröhliches Mitglied eben jener miefig verlogenen Fußballgesellschaft, zu der auch er früher gehörte. „Was soll’s, alles kommt wie es kommt“, sagt Pahl und erzählt von den vielen Richtungswechseln in seinem Leben. Beim ersten war er 20 Jahre alt und Torhüter der DDR-Nachwuchsauswahl, als er sich gemeinsam mit Norbert Nachtweih Richtung Westen absetzte.

Eigentlich sei er gar kein DDR-Gegner gewesen, erzählt der 56-Jährige, „in Staatsbürgerkunde hatte ich sogar eine Eins“. Doch da waren „diese kleinen Mittelchen“, die sie in der Kinder- und Jugendsportschule in Halle an der Saale nehmen sollten. Dazu das Kontrastprogramm bei den Reisen mit der Juniorenauswahl in den Westen. In Monte Carlo ging er mit seinen 20 D-Mark Taschengeld in ein Casino, das er mit zehnfachem Gewinn wieder verließ. „Irgendwann fragte ich mich, was mir wohl nach zehn Jahren Fußball in der DDR blüht? Ganz klar: richtig arbeiten müssen, nicht unabhängig sein und vielleicht sogar mit 27 noch zur Armee. Im Westen würde ich vielleicht gar nicht arbeiten müssen, wenn ich genug verdiene.“

Folgen Sie unserer Sportredaktion auf Twitter:

Die Tagesspiegel-Sportredaktion:
Sven Goldmann:
Kit Holden:
Jörg Leopold:


Claus Vetter:


Tagesspiegel twittert

Umfrage

Am Wochenende beginnt die neue Bundesliga-Saison. Wo wird Hertha BSC mitspielen?

Empfehlungen bei Facebook

Service

Weitere Themen

Tagesspiegel-Partner

    Wohnen in Berlin

    Gewerbe- oder Wohnimmobilien: Große Auswahl an Immobilien beim großen Immobilienportal.

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz