Sport : Zu Höherem berufen

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Unter all diesen verrückten Ehen auf Zeit, die im Rahmen der Fußball-Bundesliga geschlossen werden, bleibt jene von Hannover 96 und Mirko Slomka die mit Abstand kurioseste. Die kaugummiartige Klärung der Frage, ob und wie lange sich Verein und Trainer aneinander binden, kam selbst für den treuesten Fan als nervige Posse daher.

An diesem Sonntag darf seine Personalie nun endlich bejubelt werden. Es geht um ein Jawort, dessen zähe Anbahnung allen Beteiligten geschadet hat. Rund um das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen will der Verein verkünden, dass Slomka bis 2016 in Hannover bleibt. Die Nachricht wirkt nach dem wochenlangen Poker wie ein Gnadenakt, zu dem sich der Trainer gerade noch überreden ließ. Dass Slomka nach zwei erfolgreichen Jahren an der Leine auch für einen Job an der Isar und am Mittellandkanal im Gespräch war, wusste er zu genießen und zu nutzen. Die Spekulationen darüber, dass er womöglich beim vermögenden VfL Wolfsburg und sogar beim ruhmreichen FC Bayern München unterkommen könnte, erwiesen sich als wertvoll. Ein besseres Marketing mit Stärkung der eigenen Verhandlungsposition gibt es gar nicht. Deshalb hat Slomka den Gerüchten auch nie voller Vehemenz widersprochen.

Meine Stadt, mein Verein, meine Fans – dass Slomka eigentlich ein bekennender Hannoveraner ist, aber seine Unterschrift immer wieder verschoben wurde, sagt eine Menge über die Kräfteverhältnisse in dieser Partnerschaft. Präsident Martin Kind und Geschäftsführer Jörg Schmadtke sind ganz tief in die Knie gegangen. Wer als Trainer so unglaublich begehrt erscheint, obwohl er mit Hannover 96 noch gar keinen Titel gewonnen hat, darf von sich behaupten, dass er noch zu Höherem berufen ist.

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