Sport : Zum Versagen ist es nie zu spät

In der Bundesligageschichte wurde schon so mancher große Vorsprung verspielt

von und Ron Ulrich
Einen Schritt vorn. Jürgen Klopp und Dortmund liegen auf Titelkurs, doch ob der BVB am Ende jubeln kann, ist offen. Foto: dapd
Einen Schritt vorn. Jürgen Klopp und Dortmund liegen auf Titelkurs, doch ob der BVB am Ende jubeln kann, ist offen. Foto: dapdFoto: dapd

Das gab es noch nie. 13 Punkte, so groß ist der Vorsprung von Tabellenführer Borussia Dortmund auf den Zweiten FSV Mainz 05. Niemals zuvor in der Bundesligageschichte verspielte eine Mannschaft nach dem ersten Rückrundenspieltag ein derart dickes Polster. Es gibt also wenig Hoffnung für alle Fans, die nicht zur Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp halten und sich eine spannende Rückrunde wünschen. Deutscher Meister 2011 wird also Borussia Dortmund. Oder doch nicht? Es gibt durchaus Mannschaften, die einen großen Vorsprung wieder aus der Hand gaben.

Im Herbst 1993 spielt Eintracht Frankfurt Fußball wie von einem anderen Stern. Angetrieben von Uwe Bein, Maurizio Gaudino und dem Nachwuchstalent Jay Jay Okocha verzückt die Eintracht mit ihrem feinen Kombinationsspiel auch die Fans außerhalb Frankfurts. Nachdem die Eintracht den FC Bayern im eigenen Stadion mit 4:1 abgefertigt hat, tönt Trainer Klaus Toppmöller: „Bye-bye Bayern.“ Toppmöller wähnt sich bereits als kommender Meister, zu überlegen tritt sein Team auf.

Und Konkurrenz ist nicht in Sicht. Nach dem 15. Spieltag hat Frankfurt sich schon einen großen Abstand auf die Verfolger erspielt. Damals wurden noch zwei Zähler für einen Sieg vergeben, umgerechnet nach der heute gültigen Dreipunkteregel betrug der Frankfurter Vorsprung ganze neun Zähler.

Doch der 2:0-Sieg gegen Borussia Dortmund markiert einen Wendepunkt in der Saison. Ohne den verletzten Torjäger Anthony Yeboah verliert Frankfurt die folgenden vier Spiele, die ersten drei alle mit 0:3. Von dieser Krise erholt sich die Mannschaft nicht mehr und wird am Ende nur Fünfter. Trainer Toppmöller ist am Saisonende längst entlassen. Deutscher Meister wird der FC Bayern.

Acht Jahre später hat Toppmöller eine neue Anstellung gefunden, er trainiert nun Bayer Leverkusen. Wieder spielt seine Mannschaft den besten Fußball der Bundesliga. Begeisternd kombiniert sie sich von Sieg zu Sieg. Nachdem der größte Konkurrent Borussia Dortmund mit 4:0 im eigenen Stadion vorgeführt worden ist, zweifelt niemand mehr am ersten Titelgewinn der Leverkusener. Erst recht nicht, als Toppmöllers Team drei Spieltage vor Schluss fünf Punkte Vorsprung auf Dortmund hat. Doch dann verliert Bayer zweimal in Folge, am Ende wird die Borussia Meister. Damit nicht genug. Leverkusen verliert auch das DFB-Pokalfinale gegen Schalke und scheitert im Endspiel der Champions League an Real Madrid. Am Ende stehen nur drei zweite Plätze auf der Habenseite, „Vizekusen“ ist geboren, Klaus Toppmöller wird in der folgenden Saison entlassen.

In einer Aufzählung der Teams, die auf den Weg zum Titel einen großen Vorsprung eingebüßt haben, darf natürlich der FC Schalke nicht fehlen. In der Saison 2006/07 gastierte das Team von Mirko Slomka am 21. Spieltag beim VfL Wolfsburg. Bis zur letzten Minute führte Schalke 2:1 und hatte auf den VfB Stuttgart einen Vorsprung von acht Punkten. Dann vermasselte Marcelinho mit einem Freistoß den Schalkern den Sieg, die daraufhin zwei Heimspiele nacheinander verloren. Auch ein Polster von zwei Punkten am 32. Spieltag reichte nicht mehr, Meister wurde der VfB Stuttgart. Der damalige Schalker Fabian Ernst zog später ein prägnantes Resümee: „Wir haben auf ganzer Linie versagt.“

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