Sport : Zwei Debütanten und vier Tore

Herthas Verteidiger Arne Friedrich trifft in seinem ersten Länderspiel zum 2:2-Endstand gegen Bulgarien

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Sofia (Tsp). In Bulgarien begann gestern die Zukunft des deutschen Fußballs. Das Kapitel Weltmeisterschaft ist beendet. 52 Tage nach dem WM-Finale von Yokohama führte gestern Aushilfskapitän Jens Jeremies die wohl jüngste deutsche Nationalelf, die es je gab, ins halb leere Stadion Georgi Asparuhow zu Sofia. 90 Minuten später verließen die Deutschen, bei denen Arne Friedrich und Tim Borowski debütierten, den holprigen Rasen mit einem 2:2 (1:1)-Unentschieden.

Jens Jeremies trug die Kapitänsbinde, da er mit 40 Länderspieleinsätzen der erfahrenste Spieler im Team von Rudi Völler war. Der 28-Jährige vom FC Bayern vertrat den verletzten Oliver Kahn als Kapitän. Im Tor stand der Dortmunder Jens Lehmann. So ungern der Teamchef über den Umbruch in den Reihen des Vizeweltmeisters spricht, so konsequent treibt er die Verjüngung voran. 25 Jahre betrug das Durchschnittsalter des Kaders, den Völler mit nach Bulgarien genommen hatte – acht der 18 Spieler sind nicht älter als 23 Jahre. Das WM-Aufgebot war mit durchschnittlich 27,7 Jahren deutlich älter. Die Blitz-Karrieren der Dortmunder Christoph Metzelder (21) und Sebastian Kehl (22) haben ihre Altersgenossen und den Teamchef inspiriert. „Man kann sich ein Beispiel an ihnen nehmen“, sagte der Bochumer Mittelfeldspieler Paul Freier, „sie sind ins kalte Wasser geworfen worden und haben ihre Chance genutzt.“ Gestern durfte der 23-Jährige gleich von Beginn an ran, ebenso wie Daniel Bierofka (23, Leverkusen), der sein drittes Länderspiel bestritt.

Freier war die Nervosität deutlich anzumerken. In der 20. Minute kulminierte seine Unsicherheit in einem Fehlpass, den Bulgariens Kapitän Balakow aus Stuttgart auf Berbatow elegant weiterleitete. Der Leverkusener Stürmer ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen und erzielte das 1:0. Nur eine Minute später setzte sich Miroslav Klose in Szene. Im Strafraum kam der Lauterer zu Fall. Der Schiedsrichter pfiff Strafstoß – eine fragwürdige Entscheidung. Michael Ballack aber, Deutschlands Fußballer des Jahres traf zum Ausgleich. Ihm gleich tat es später Balakow. Leverkusens Carsten Ramelow hatte Berbatow festgehalten. Den Elfmeter verwandelte Balakow.

Rudi Völler hatte zu Beginn der zweiten Halbzeit vier neue Spieler gebracht. Gerald Asamoah (23), Alexander Zickler (28), Sebastian Kehl und Arne Friedrich (23). Der Berliner feierte nach nur zwei Bundesligaspielen für Hertha BSC sein Länderspieldebüt. Und was für eins. In der 57. Minute egalisierte er mit einem beherzten Schuss, den Carsten Jancker noch abfälschte, die Führung der Bulgaren. Schließlich kamen auch noch die beiden Bremer Tim Borowski (22) und Fabian Ernst (23) ins Spiel. Am Spielstand änderte sich nichts mehr.

Wer sich dauerhaft für die EM 2004 und WM 2006 empfiehlt, ist offen. Auf halber Strecke zur WM 2006 im eigenen Land liegt die EM in Portugal. Völlers Team muss sich für dieses Turnier qualifizieren. „Da müssen die besten Spieler dabei sein. Die Jüngeren müssen auch noch durch das eine oder andere Tief gehen“, sagte Völler. Und deshalb hat er auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass vielleicht schon bald zwei erfahrene Spieler ihre Rücktritte überdenken. Bei Gelegenheit wolle er mit Mehmet Scholl und Markus Babbel über eine Rückkehr reden: „Die Tür ist auf.“

In 17 Tagen wird es für die deutsche Elf ernst. Dann steigt das erste EM-Qualifikationsspiel. In Kaunas. Gegen Litauen.

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