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Zweite Liga : 2:6 - Union Berlin geht in Nürnberg unter

Der 1. FC Union Berlin führte beim 1. FC Nürnberg zur Halbzeit mit 2:0, musste dann aber noch sechs Gegentore hinnehmen.

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Zu Beginn der Partie hatte Adrian Nikci mit Union Berlin noch die Oberhand.
Zu Beginn der Partie hatte Adrian Nikci mit Union Berlin noch die Oberhand.Foto: dpa

Bobby Wood stürmte sauer in die Kabine. Kenny Prince Redondo musste sich erst mal auf die Bank setzen. Und die anderen Spieler des 1. FC Union Berlin liefen nach dem Abpfiff orientierungslos auf dem Platz umher. Die deutliche 2:6-Niederlage im Zweitliga-Duell beim 1. FC Nürnberg tat mächtig weh, zumal Union bis zur Pause verdient mit 2:0 in Führung gelegen hatte.

Nach zwei schnellen Kopfballtoren des ehemaligen Nürnbergers Adrian Nikci und Damir Kreilach sah es nicht nach dem Debakel aus, das sich in der zweiten Hälfte abspielte. „Das ist eine schöne Klatsche. Aber in der ersten Hälfte ging der Faden schon verloren. Wir haben einige brenzlige Situationen überstehen müssen“, sagte Union-Trainer André Hofschneider. „Wir wollten danach dagegen halten. Die Chance zum 3:1 haben wir leider liegen lassen. Dann kommt ein Elfmeterpfiff, der das Spiel mit entscheidet. Wenn man beide Halbzeiten sieht, war es aber ein verdienter Sieg der Nürnberger.“

Vor 30 384 Zuschauern war das Selbstvertrauen beim zuletzt zwei Mal in Folge unterlegenen Aufstiegskandidaten Nürnberg spätestens nach dem raschen Anschlusstreffer durch Tim Leibold zurück. Der Club hatte auch etwas Glück, dass Unions Torjäger Wood freistehend danebenschoss und Schiedsrichter Martin Thomsen den Gastgebern einen fragwürdigen Elfmeter zusprach. Denn Verteidiger Roberto Puncec hatte zwar Niclas Füllkrug leicht am Trikot gezogen, der Nürnberger kam aber eher durch das Schieben eines Mitspielers zu Fall. Alle Proteste der Köpenicker halfen nicht. Füllkrug glich zum 2:2 aus.

Hofschneider kritisiert das Team deutlich

Jetzt machten sich bei Union die zahlreichen Ausfälle bemerkbar. Stürmer Sören Brandy fehlte gelbgesperrt. Dennis Daube war wegen eines Hexenschusses im Abschlusstraining zu Hause geblieben. Abwehrchef Toni Leistner musste wie Reservespieler Leonard Koch am Spieltag wegen Magen-Darm-Problemen passen. Zudem kehrte Mittelfeldspieler Stephan Fürstner zur 46. Minute nicht mehr auf das Feld zurück, weil er sich nach einem Zusammenprall eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte und nicht mehr richtigen sehen konnte. Dass Eroll Zejnullahu nach einer knappen Stunde gelb-rot-gefährdet ausgetauscht werden musste, verkomplizierte die Lage der mit nur fünf Ersatzspielern angetretenen Berliner. „Wir sind dann untergegangen. Wir haben später alle sprachlos in der Kabine gesessen“, sagte Kapitän Benjamin Kessel.

Nürnberg steigerte sich in einen Rausch und kam in den letzten 23 Minuten durch den insgesamt dreifachen Torschützen Füllkrug, Guido Burgstaller und Even Hovland noch zu vier weiteren Treffern. „Sechs Tore in einer Halbzeit habe ich noch nicht erlebt“, sagte Nürnbergs Trainer René Weiler. Sein Gegenüber Hofschneider kritisierte, dass sich seine Mannschaft in der Schlussphase so abschlachten ließ. „Wir müssen dazulernen. Nach einem 2:4-Rückstand darf man nicht noch zwei Mal blindlings in Konter laufen“, sagte Hofschneider.

Er weiß aber im Gegensatz zu Weiler, wie sich so eine Torflut in einer Halbzeit anfühlt. Am 13. Juni 1992 stand er als Union-Spieler in der Relegation zur Zweiten Liga in der Partie beim FSV Zwickau (2:8) auf dem Rasen. Zur Halbzeit hatte es noch 1:1-Unentschieden gestanden. Dann gab es in einer anrüchig wirkenden Begegnung noch sieben Gegentreffer in 45 Minuten.

24 Jahre später feuerten die Union-Fans ihre Mannschaft in Nürnberg übrigens auch nach dem Abpfiff noch an. Der Trost konnte den Spielern aber nicht sofort helfen.

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