Familienfreundlichkeit : Mütter haben es im Bundestag sehr schwer

Nachtsitzungen, Anwesenheitspflicht – und kein Anspruch auf Elternzeit. Mütter haben es schwer im Deutschen Bundestag. Jetzt schließen sich die ersten zusammen.

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Susann Rüthrich wollte sich nicht zwischen Baby und Bundestag entscheiden. Als die SPD-Abgeordnete aus Sachsen vor gut einem Jahr zum zweiten Mal Mutter wurde, stand für sie fest: Auch in den Parlamentswochen wollte sie ihre kleine Tochter dabeihaben. Hinbekommen hat sie das mithilfe ihrer Mutter, die in den Sitzungswochen mit ihr und dem Baby nach Berlin reiste. „Es war jedes Mal eine richtige Karawane, die sich in Gang gesetzt hat“, erzählt Rüthrich. „Die Oma hat mir das Kind immer hinterhergetragen.“ Ihr Partner kümmerte sich in der Zeit im Wahlkreis um die größere Tochter, die schon in den Kindergarten ging. Seit Kurzem pendelt die 37-Jährige alleine zwischen Berlin und Dresden, auch ihre kleine Tochter geht nun in die Kita.

Während es früher die Ausnahme war, dass Frauen während ihrer Zeit als Abgeordnete Kinder bekamen, wird es jetzt Normalität. Der Grünen-Bundestagsfraktion steht sogar ein kleiner Babyboom bevor: Von 63 Abgeordneten haben elf seit der letzten Bundestagswahl Nachwuchs bekommen oder stehen in den nächsten Wochen und Monaten davor.

Wenn es um den Spagat zwischen Job und Familie geht, haben Abgeordnete zwar die gleichen Probleme wie andere Eltern auch. Doch anders als normale Arbeitnehmer dürfen sie als gewählte Volksvertreter keine Elternzeit nehmen. Hinzu kommt: Die Pendelei zwischen Berlin und Wahlkreis ist oft kräftezehrend, viele Parlamentswochen bestehen aus einem endlosen Sitzungsmarathon. Über Familienpolitik wird im Bundestag viel diskutiert, doch in Sachen Familienfreundlichkeit ist der Politikbetrieb nicht gerade vorbildlich...

Diesen vollständigen Text lesen Sie in der "Agenda" vom 30. Juni 2015 - eine Publikation des Tagesspiegels, die jeden Dienstag erscheint. Die aktuelle Ausgabe können Sie auch im E-Paper des Tagesspiegels lesen.

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