Vielfalt in Betrieben : Für die Entfaltung jedes Einzelnen

Nur ein Drittel der Unternehmen fördert aktiv Vorurteilsfreiheit im Arbeitsleben. Das zeigt die neue Studie "Diversity in Deutschland".

Eva Voß, Walter Reimund
Das Grundgesetz schreibt es vor, aber nur wenige Unternehmen bemühen sich aktiv darum, Vielfalt und Vorurteilsfreiheit in der Arbeitswelt zu fördern. Grafik: E&Y
Das Grundgesetz schreibt es vor, aber nur wenige Unternehmen bemühen sich aktiv darum, Vielfalt und Vorurteilsfreiheit in der...Grafik: E&Y

Die Arbeitswelt ist vielfältig, jedes Unternehmen ist vielfältig: Beschäftigte unterscheiden sich im Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, kultureller Herkunft und vielem mehr – und jede und jeder möchte in seiner Einzigartigkeit wahrgenommen und geschätzt werden, niemand möchte diskriminiert werden. Wie gehen Unternehmen mit dieser Vielfalt um? Sehen sie sie als Bereicherung und Chance – oder eher als lästige Abweichung vom Standard?

Seit nunmehr zehn Jahren gibt es die Charta der Vielfalt, eine Unternehmensinitiative, die sich für die Wertschätzung von Vielfalt im Arbeitsleben einsetzt. Rund 2400 Unternehmen und Institutionen haben sie seit 2006 unterzeichnet und sich verpflichtet, eine Organisationskultur zu pflegen, die von gegenseitigem Respekt jeder und jedes Einzelnen geprägt ist, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.

Die sechs Punkte der Charta der Vielfalt sind eine Selbstverpflichtung, sie enthalten keine Quoten oder konkrete Zielvorgaben. Das hat den Grund, dass so jede Organisation für sich entscheiden kann, wie sie ihr Diversity Management individuell gestaltet. Es wirft aber auch die Frage auf: Verändert sich überhaupt etwas in Unternehmen und Organisationen, wenn sie sich zur Diversity bekennen?

Die Unterzeichner der Charta der Vielfalt gelten als Schrittmacher

Unsere Studie „Diversity in Deutschland“, die Ernst & Young gemeinsam mit der Charta der Vielfalt durchgeführt hat und die auf der fünften Diversity-Konferenz im Tagesspiegel-Haus am 10. und 1.. November vorgestellt wird, gibt Aufschluss darüber, wie es um Diversity in Deutschland bestellt ist – und ob sich die Organisationen, die die Charta der Vielfalt unterzeichnet haben, vom Durchschnitt der deutschen Unternehmen abheben.

Im Zeitraum Juli bis September haben wir 349 Unterzeichnern der Charta der Vielfalt sowie 250 zufällig ausgewählten Unternehmen, die keine Unterzeichner sind und den nationalen Querschnitt abbilden, dieselben Fragen vorgelegt. Hier ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse.

Man könnte mit einer schlechten Nachricht beginnen. Zwei Drittel der Unternehmen und Institutionen in Deutschland haben bislang noch keine Maßnahmen im Diversity Management umgesetzt. Dies gilt aber nur für den nationalen Querschnitt. Bei den Unterzeichnern der Charta der Vielfalt haben bereits 81 Prozent Maßnahmen umgesetzt. Diese Gruppe lässt sich also zurecht als Schrittmacher bezeichnen.

Diversity-Maßnahmen können zum Beispiel sein: Arbeitszeiten und -orte flexibilisieren, um Familie und Beruf besser vereinbar zu machen; Diversity-Kriterien bei der Auswahl von Bewerbern oder Lieferanten anlegen, eine Diversity-Abteilung oder einen Verantwortlichen einsetzen, Mentoring-Programme auflegen oder Diversity-Workshops durchführen.

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