Abschied von Cornelia Yzer : Eine gute Zeit für die Berliner Wirtschaft

Seit vier Jahren ist Cornelia Yzer Wirtschaftssenatorin in Berlin. Doch ihre Tage sind gezählt: Nach der Wahl ist Schluss für sie, kündigte sie schon vor Monaten an. So manchen dürfte das freuen - nicht immer zurecht. Ein Kommentar

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Noch bis zur Wahl, aber dann nicht weiter: Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer
Noch bis zur Wahl, aber dann nicht weiter: Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia YzerFoto: dpa

Die vergangenen vier Jahre waren keine schlechte Zeit für Cornelia Yzer – und sogar eine sehr gute für die Berliner Wirtschaft. Und doch dürften nicht wenige Köpfe ebenjener Wirtschaft froh sein, dass es bald vorbei ist. Yzer wird dem neuen Senat nicht angehören, kündigte sie bereits vor Monaten an – und ersparte sich im Wahlkampf damit auch eine allzu harte Auseinandersetzung mit ihrer Politik. Es sei mit Berlins CDU-Parteichef Frank Henkel immer vereinbart gewesen, dass mit der Wahl Schluss ist, sagte sie. Sagte auch Henkel. Nicht gesagt wurde: Wären alle Seiten glücklich gewesen, und käme die CDU erneut in die Verlegenheit, auch nach dem 18. September eine Wirtschaftssenatorin zu stellen, hätte man diese Frage ja auch offen lassen können.

Henkel hatte die langjährige Pharma-Lobbyistin im September 2012 als Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung aus dem Hut gezaubert, nachdem die glücklose Sybille von Obernitz diesen Posten nach weniger als einem Jahr hatte aufgeben müssen. Sie hatte in ihrem Reformeifer ein bis zwei Protagonisten der lokalen Wirtschaft zu viel verprellt. Davon profitierte Yzer, da ein Teil der aus Sicht des Senats nötigen Drecksarbeit, Strukturen aufzubrechen, bereits erledigt war. Sie konnte dort weitermachen. Und sehr bald stellten die Spitzen der landeseigenen Unternehmen sowie die der Kammern fest, dass Yzer kaum geschmeidiger ist.

Immer wieder Eitelkeiten verletzt

Die Funktionäre lieben die etablierten Beratungszirkel wie den Steuerungskreis Industriepolitik und Cluster-Treffen. Yzer empfand diese Runden in der Regel als ineffektiv. Wohler fühlte sie sich in Gesellschaft derer, die unmittelbar am Wachstum der Stadt beteiligt sind: den Unternehmern. Yzer führte das Networking-Format "Dankeschön-Dinner" ein. Zweimal im Jahr lud sie zwei Dutzend Repräsentanten der Firmen, die neue Jobs geschaffen haben, zum Essen ein. Da war sie Gastgeberin – nicht Gast. Und ihre Gäste waren oft Vertreter von Unternehmen, die bisher in der Stadt nicht besonders stark präsent waren.

So und auch bei anderen Gelegenheiten verletzte sie Eitelkeiten der etablierten Player. Wer neu in der Stadt war, schätzte umso mehr ihre unbürokratische Art. Sie nahm weder Rücksicht auf ihre eigene Verwaltung noch auf die Befindlichkeiten in ihrer Partei. Offene Kritik an der zu ineffektiven Berliner Verwaltung war irgendwie auch Kritik an Innensenator Henkel. War das der Dank dafür, dass er sie geholt hatte?

Leidenschaftlich für Berlin gekämpft

Yzer zeigte ernsthaftes Interesse an den vielen Start-ups, die vermeintlich aus dem Nichts entstehen. Für ihre Belange hat sie sich stark gemacht, etwa für den schnellen Ausbau der digitalen Infrastruktur. Sogar Yzers schärfste Kritiker halten ihr zugute, dass sie als Berliner "Außenministerin" auch in der Ferne einen guten Job gemacht hat. Ihr Klinkenputzen für den Standort Berlin von New York bis Mailand dürfte öfter den letzten Ruck für eine Ansiedlung in der Stadt gebracht haben. Die etablierten Firmen, auch die ganz kleinen Handwerksbetriebe, Schrauber-Firmen, Bäcker, Einzelhändler hat Yzer dagegen weit weniger hofiert.

Berlin ist zu wünschen, dass der oder die nächste Senatorin genauso leidenschaftlich für Berlin kämpft, darüber aber nicht vergisst, dass es schon Berliner hier gibt, denen man auch mal das Händchen halten muss.

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