Gauland: "Es gibt einfach Bürger fremder Staaten, die nicht zu uns gehören."

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Mit Spitzenkandidat Alexander Gauland : Recht populär: Wie die AfD in Brandenburg um Wähler kämpft
Der Intellektuelle. Alexander Gauland führt die Brandenburger AfD in den Landtagswahlkampf.
Der Intellektuelle. Alexander Gauland führt die Brandenburger AfD in den Landtagswahlkampf.Foto: dpa

Alexander Gauland hat im Wahlkampf bisher alles sagen dürfen, was er sagen wollte. Dutzendfach, nur hat eben kaum jemand zugehört. Brandenburg ist groß, größer als Sachsen, größer als Thüringen – wo an diesem Sonntag ebenfalls gewählt wird –, und der Landesverband ist klein. 570 Mitglieder gibt es in Brandenburg. Längst nicht alle sind aktiv. Unmöglich, überall präsent zu sein. Besonders auf dem flachen Land sei die Ausgangslage schwierig. Gauland sagt: „prekär“. Etwa 150 000 Euro stehen dem Landesverband für Wahlkampf zur Verfügung. Sie stammen zum größten Teil noch aus dem zinslosen Darlehen über eine Million Euro, das AfD-Vize Hans-Olaf Henkel seiner Partei vor dem Europawahlkampf in diesem Frühjahr gewährt hatte.

Mit seinem Pressesprecher Detlev Frye ist Gauland von Ortschaft zu Ortschaft getingelt, hat hier einen Vortrag gehalten und dort. In Frankfurt, in Cottbus, in der Stadt Brandenburg. Fast überall werde er auf die gleichen Themen angesprochen: öffentliche Sicherheit, das marode Schulsystem und den Flughafen BER. „Bauruine“, sagt Gauland. „Den BER wird es nie geben“, hat er unlängst verlauten lassen. Allenfalls als Übergangsflughafen, während in Sperenberg oder Jüterbog mit privaten Investoren neu gebaut werden solle.

Mitte August sitzt Gauland im Bürgerhaus Glienicke, neben ihm AfD-Stellvertreter Hubertus Rybak, vor ihm eine Flasche Budweiser und ein gutes Dutzend Sympathisanten. Draußen vor der Tür bewacht ein Polizist die Versammlung.

„Wir sind lange als Ein-Themen-Partei gesehen worden“, sagt Gauland. Die Anti-Euro-Partei. „Aber wer in der deutschen Politik etwas bewirken will, muss auf allen Ebenen des Föderalstaates präsent sein.“ Nun also Glienicke, wo europäische Währungspolitik fern und Gaulands Steckenpferd, die deutsche Außenpolitik, unwichtig scheinen. Es ist die große Politik, in der er sich thematisch eher zu Hause fühlt. Der Krieg im Irak, der Krieg in der Ukraine. Gauland findet: Am besten aus beidem raushalten. Aber das hier ist ein Landtagswahlkampf, da interessieren andere Dinge. „Es gibt einfach Bürger fremder Staaten, die nicht zu uns gehören“, sagt er. Die Zuhörer – Alte, Junge, Studenten, Rentner – nicken stumm. „Wir nehmen immer noch die falschen Menschen auf und das führt zu Kriminalität“, sagt Gauland. Im Programm zur Landtagswahl hat sich diese Ansicht unter Punkt 3c, „Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen zur Bekämpfung der Ausländerkriminalität“, niedergeschlagen.

Darunter subsumieren sich die Forderungen nach mehr Zwangsausweisungen, präventiven Ausweisungen und der Einschränkung des Ausweisungsschutzes für Jugendliche. Der Direktkandidat der AfD für Frankfurt (Oder), Hartmut Händschke, hat es kürzlich etwas drastischer formuliert: „In die schlechte Sicherheitssituation in Brandenburg kommen jetzt auch noch die Flüchtlinge aus Afrika, und alle wundern sich, dass die Scheiße bauen. Aber die kennen es ja nicht anders, dort wo sie herkommen.“

Derlei Verallgemeinerungen sind von Gauland freilich nicht zu hören, gleichwohl lässt er seine Parteikollegen gewähren. Ohne Gauland ist die AfD in Brandenburg nicht zu denken, er gibt ihr ein Gesicht, dem man ja wohl noch vertrauen können darf.

Ab in den Landtag, am "Rockzipfel von Frauke Petry"

Frauke Petry hat in Sachsen den Einzug in den Landtag bereits geschafft. Ihre mediale Präsenz hilft auch der AfD in Brandenburg.
Frauke Petry hat in Sachsen den Einzug in den Landtag bereits geschafft. Ihre mediale Präsenz hilft auch der AfD in Brandenburg.Foto: dpa

Gauland galt lange als konservativer Intellektueller. Bis 2006 war er Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ und hatte auch auf der Meinungsseite des Tagesspiegels eine regelmäßige Kolumne. Er wählt seine Worte mit Bedacht. Mit populistischen Forderungen macht eher seine sächsische Kollegin Frauke Petry auf sich aufmerksam. Unvergessen ist ihr Appell für die Drei-Kind-Familie, um die Überfremdung in Deutschland zu stoppen. Oder ihre Einlassung in der „Bild“-Zeitung, es störe sie, wenn Kinder in deutschen Familien nur „Happy Birthday“ statt deutscher Lieder sängen.

Gauland lächelt diese bewussten Provokationen milde weg. „Das ist Sache der Sachsen, und wir sind in Brandenburg“, sagt er. Sein Landesverband war im Wahlkampf so unauffällig, dass in der AfD schon gescherzt wurde, Gauland wolle wohl am „Rockzipfel von Frauke Petry“ in den Landtag in Potsdam einziehen. Damit, so viel hat er klargestellt, könne er gut leben.

Die Brandenburger, jedenfalls jene, die sich vorstellen können die AfD zu wählen, schätzen ihn für seine ruhige Art. Bei seinen Reden hebt er fast nie die Stimme. Routiniert wirbt er für das dreigliedrige Schulsystem und wettert gegen die Inklusion geistig behinderter Schüler. Wenn er ernst wird, senkt er die Stimme und fordert mehr Polizei auf den Straßen. Notfalls müsse man eben die Grenzen dichtmachen, um die Kriminellen draußen zu halten. Wo immer er auftritt, saugen sie seine Worte auf.

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