Mode : Mit dem goldenen Anzug ins Paradies

Geschichten, in Mode gegossen: Die Kollektionen der UdK-Studierenden erzählen von Afrika, Alpträumen und dem Sündenfall.

Inspirationen werden zu Kleidern. Die Mode-Studenten der UdK Berlin bei der Vorbereitung ihrer Kollektionen für die Fashion Week. Foto: Johannes Bock
Inspirationen werden zu Kleidern. Die Mode-Studenten der UdK Berlin bei der Vorbereitung ihrer Kollektionen für die Fashion Week....

Das Model geht langsam zwischen den Studenten und Dozenten hindurch und zieht dabei den wie einen Angsttraum wallenden schwarzen Umhang hinter sich her. Ein anderes trägt zu enorm hohen Schuhen einen Fellmantel, der an ein behaartes Monstrum erinnert. Entsprechend einleuchtend ist die Erklärung der Modedesign-Studentin Tanja Ellensohn für ihre Kollektion: Es sei ihr darum gegangen, "an das Gefühl heranzukommen, das der Betrachter bei Francisco de Goyas Bildern hat." Der Spanier und seine alptraumhaften Werke aus der Reihe "Schwarze Bilder" sind die Inspiration zur Abschlussarbeit von Ellensohn.

Ob eine Afrikareise oder die Absicht, den Sündenfall des Menschen in einer Kollektion zu verewigen – die Arbeiten des Studiengangs Modedesign sind so unterschiedlich wie die Studierenden selbst. Bei einer Präsentation im Mai zeigten die Designer sie vor Dozenten und Kommilitonen und holten sich letzte Anregungen ab, bevor sie bei der Berlin Fashion Week 2014 Anfang Juli ihre Werke auf dem Laufsteg präsentierten. Valeska Schmidt-Thomsen, Studiengangsleiterin am Institut für experimentelles Bekleidungs- und Textildesign der UdK, ging mit ihnen alle wichtigen Fragen durch. Ist hier zu viel Brust zu sehen? Sind diese Schuhe überhaupt tragbar? Soll nicht lieber das andere Outfit die Show eröffnen?

Kurz vor der Präsentation hasten die Studenten durch die Räume der Fakultät Gestaltung in Charlottenburg. Jemand schiebt eine Puppe, mit schwarzen Stoffbahnen behangen, über den Flur, ein Männermodel steht im bunten Überwurf vor einer Tür. Die Designer stecken mitten im "Fitting" ihrer Models, sie heften hier noch ein Stück Stoff fest, tauschen dort noch eine Kopfbedeckung aus.

Von der Inspiration zum ersten Entwurf

Jeder Student sucht sich einen der Arbeitsplätze in den Gemeinschaftsräumen. Hier entstehen die Entwürfe – auf den Tischen liegen Skizzen, Lineale, Scheren. An die Wände sind farbige Stoffproben gepinnt, Zettel mit afrikanischen Mustern und asiatischen Zeichnungen liefern Inspiration. Davor stehen Kleiderständer mit Arbeiten.

Wenn die Entwürfe fertig sind, geht es in die Werkstätten. In der Schneiderei stehen den Studierenden riesige Nähtische zur Verfügung, der Boden ist mit Stoffresten und Schnittmustern übersät. In der Stickerei und Weberei finden sich Strickmaschinen, Webstühle und Schränke voll mit bunten Garnen. Es gibt zudem eine Siebdruckwerkstatt und eine Färberei.

Nachdem sie sich ausgiebig in all diesen Stationen ausprobiert haben, stehen die Studenten am Ende ihres Studiums mit ihren Kollektionen vor den Dozenten. Alle haben ein Nadelkissen am Handgelenk festgeklemmt, mit dessen Nadeln sie hier noch Stoff raffen, dort noch eine Naht fixieren. Zunächst erklärt jeder den Hintergrund der Kollektion. Karin Hoffmann etwa, die sich in ihrer Arbeit zum so genannten Porno Chic in schriller Weise mit femininen Klischees auseinandersetzt. Zu sehen sind BHs, Brüste, Blumen, viel Pink. "Ruf An!" steht quer über das Outfit eines ihrer Models gedruckt.

"Mit dem Sündenfall beginnt der Mensch, Scham zu empfinden"

Auch ihr Kommilitone Thies Meyer hat eine Geschichte zu erzählen: die vom Sündenfall. Den Dozenten erklärt der Designer, der mit "Frisur" bereits sein eigenes Berliner Label hat, die Stationen. Die ersten drei Outfits symbolisieren mit abstrakten schwarz-weißen Formen auf den Stoffen die Erschaffung der Welt vor der Geschichte der Menschheit. Die nächsten Outfits bringen Farbe ins Spiel und gipfeln im goldenen Herrenanzug als Sinnbild für den Eintritt ins Paradies. Das letzte Outfit schließt den Sündenfall ab, indem sich auf dem Anzug die Konturen eines nackten Männerkörpers abzeichnen. "Mit dem Sündenfall beginnt der Mensch, Scham zu empfinden", so Thies.

20 junge Designerinnen und Designer bringt die UdK Berlin aus dem vergangenen Winter- und dem laufenden Sommersemester hervor, die mit ihren Abschlusskollektionen diesen schamhaften Menschen kunstvoll verhüllen.

Zum Rundgang präsentiert der Studiengang die Kollektion im UdK-Gebäude in der Straße des 17. Juni 118.

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