Klappmöbel : Mach dich schmal

Micro-Living ist Trend. Da passen bunt bedruckte Klappmöbel ins Konzept, die sich ganz dünn machen.

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Hin und weg. Die Klappmöbel sind rasch aufgestellt – und wieder versteckt. Foto: promo
Hin und weg. Die Klappmöbel sind rasch aufgestellt – und wieder versteckt.Foto: promo

Zehn Freunde sind geladen, elf sind gekommen. Worauf soll der Überzählige nun sitzen? Natürlich auf einem Klappstuhl, der in jedem gut sortierten Haushalt vorhanden ist. Leider macht sich so ein Ding beim Verstauen erstaunlich breit, ist zu sperrig für schmale Nischen und lässt sich nur schwer unters Sofa schieben. Beim „Fläpps“ ist alles anders. Dieser Klappstuhl ist mit seinen 19 Millimetern aus Birkensperrholz flach wie ein Brett, das sich überall verstecken lässt. Doch weil sein Entwickler Malte Grieb ihn mit ganz unterschiedlichen Mustern versehen hat, darf dieses Ding gern als Blickfang an der Wand lehnen. Zum Gebrauch klappt man die Sitzfläche mit einem Handgriff herunter, und gleichzeitig wird das untere Brett zur Stütze am Boden.

Wie kommt man auf so etwas? Malte Grieb hat schließlich kein Design studiert, sondern Wirtschaftswissenschaften und war später im Marketing tätig. Sein Traum: „Ich wollte ein eigenes Unternehmen gründen.“ Im Kopf spukte die Idee, Möbel zu bedrucken. Eckig und flach sollten die sein. „Dann“, so sagt der 38-Jährige, „habe ich herumgebastelt.“ In dem Designer Sebastian Feucht fand er einen, der ihm bei der Umsetzung half. Auch an den besonderen Beschlägen für den Klappmechanismus tüftelten die beiden, „die gab’s ja nicht im Handel zu kaufen“. Ein gutes Jahr habe es gedauert, bis das Produkt 2011 serienfertig war. Gerade richtig für den Trend des Micro-Living, dem Wunsch nach flexiblem Wohnen.

14 verschieden gemusterte „Fläpps“ sind zu haben. Mit schwarz-weißen Spiralen etwa, mit bunten Balken oder pink-grauen asymmetrischen Mustern. Die meisten Kunden aber entscheiden sich für die schlichten Varianten in Weiß, Schwarz und Hellbraun. „Die Leute haben wohl Angst, dass sie die bunten Dessins bald satthaben“, glaubt Malte Grieb. Die unauffälligen Exemplare kosten 225 Euro, beidseitig bedruckte 275 Euro.

„Ich mache ein Möbellabel“

„Ambivalenz“ heißt Griebs Möbellabel. Inzwischen gibt es in seinem Showroom in Prenzlauer Berg ja nicht nur Fläpps-Klappstühle, sondern auch Fläpps-Wandregale. Je nach Bedarf klappt man ein oder mehrere Bretter herunter, die nicht benötigten machen sich dünn an der Wand und werden zum Kunstwerk. Perfekt für die Generation E-Book, die keinen Platz für Bücher mehr braucht. Seine Kunden sieht er in Großstädtern mit kleinen Wohnungen und Menschen, die viel unterwegs sind. Aber so leicht lassen sich die Interessenten nicht in ein Raster pressen. „Ein 19-jähriger Student hat schon einen ,Fläpps’ gekauft, aber auch eine 72-jährige Dame“, erzählt Grieb.

Malte Grieb entwirft für sein Label "Ambivalenz" zusammenklappbare Stühle und Tische. Foto: promo
Malte Grieb entwirft für sein Label "Ambivalenz" zusammenklappbare Stühle und Tische.Foto: promo

Die meisten Leute nehmen erstmal sehr vorsichtig Platz auf „Fläpps“, so, als könne das Ding zusammenbrechen. „Dann wundern sie sich, wie stabil es ist“, sagt der Möbelentwickler. Für 100 Kilo sei es ausgelegt. Sitzt man drauf, staunt man fast ein bisschen darüber, wie bequem dieser Klappstuhl ist.

Mit „Streips“ hat er nun auch zusammenklappbare Tische entworfen. Jeweils vier Holzstreben bilden eine Art Bock, auf dem eine Glasplatte ruht. Kunden zu finden, sei nicht schwer, sagt Malte Grieb, dessen Stühle auch schon in einigen Berliner Möbelgeschäften zu kaufen sind. Die Herstellung macht ihm eher Kopfzerbrechen. In Berlin hat er erfolglos Tischlereien gesucht und ist dann bei einem kleinen Betrieb im Erzgebirge fündig geworden. Doch der habe dann die Preise stark erhöht. Grieb suchte weiter – und landete in Polen. Aber auch da hakt es jetzt bei der Herstellung. Die Polen hätten genügend Aufträge, da müsse er sich hinten anstellen mit seinen Sonderwünschen. Jetzt sucht der Jungunternehmer Produzenten in Italien oder Spanien, wo die Auftragslage aufgrund der Krise schlecht sei.

Dass es mit den Möbeln weitergehen wird, daran zweifelt Grieb nicht. Schließlich hat er noch viele andere Ideen. Und vielleicht wird eines Tages sogar noch ein Designer aus ihm. Mit dieser Bezeichnung tut er sich nach wie vor schwer. „Ich bin kein Gestalter“, sagt er, „ich mache ein Möbellabel.“

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