Verbraucher : Fondsbranche droht strengere Regulierung Weiteres Institut schließt offenen Immobilienfonds

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Berlin - In der Bundesregierung werden schärfere Regeln für die deutsche Fonds-Branche diskutiert. Nachdem am Dienstag ein weiterer offener Immobilienfonds geschlossen werden musste – der „US-Grundinvest“-Fonds der Gesellschaft KanAm –, wird nun Kritik an der mangelhaften Selbstregulierung der Branche laut. Auslöser der Debatte war die Deutsche Bank, die am 13. Dezember 2005 ihren offenen Immobilienfonds „Grundbesitz-Invest“ geschlossen hatte.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte am Mittwoch, es bestünden noch keine Absichten für eine gesetzliche Regelung. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) kündigte für kommenden Dienstag die Vorlage eines Maßnahmenkataloges für die Reform offener Immobilienfonds an. „Wir sind weiter davon überzeugt, dass offene Immobilienfonds ein Produkt mit Zukunft sind“, sagte am Mittwoch ein BVI-Sprecher.

Anlass für die Schließung des 500 Millionen Dollar schweren KanAm-Fonds waren Gerüchte über Schwierigkeiten eines amerikanischen Eigentümers und Betreibers von Einkaufszentren, der einige Objekte des Fonds verwaltet. Der Fonds ist ausschließlich in amerikanische Gewerbeimmobilien investiert. Anleger hatten aufgrund der Gerüchte im großen Stil ihre Anteile verkauft, so dass die Liquidität des Fonds eine kritische Grenze erreichte. KanAm versuchte, seine Anleger mit der Mitteilung zu beruhigen, die Schließung sei auf drei Monate befristet und werde nach Immobilienverkäufen wieder aufgehoben. „Da die Preise für derartige Immobilien seit Auflage des KanAm US-Grundinvest-Fonds kontinuierlich gestiegen sind, wird das Management Immobilien zur Liquiditätsbeschaffung veräußern“, teilte die Gesellschaft mit.

Analysten warnten vor Panikmache: „Die Anleger sollten Ruhe bewahren. Es herrscht große Nervosität an den Märkten, aber wer hektisch verkauft, schadet sich eher selbst“, sagte der Geschäftsführer von Feri Rating & Research, Helmut Knepel. Einen substanziellen ökonomischen Grund für die Schließung des KanAm-Fonds gebe es nicht. Die Schließung des Deutsche-Bank-Fonds habe völlig andere Ursachen, habe die Investoren aber stark verunsichert.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte der Rating-Agentur Scope vorgeworfen, mit negativen Äußerungen und einer Verkaufsempfehlung für den KanAm-Fonds Panikmache betrieben zu haben. Ein Sprecher von Scope wies die Anschuldigungen am Mittwoch im Fernsehsender n-tv zurück und forderte die Finanzaufsicht zu Reformen bei der Kontrolle der offenen Immobilienfonds auf. Tsp

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