"Love4Japan" : Japanische Familien finden Bleibe in Deutschland

"Herzlich willkommen - yoku irasshaimashita!" – eine Gruppe aus Berlin vermittelt Familien aus Japan eine Bleibe in Deutschland. Bisher haben sich 500 Menschen in Deutschland zur Aufnahme von Gästen bereit erklärt.

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Bunte Schar. Die Berliner Initiatoren sind unter anderen der Künstler Fabricio aus Brasilien (links) und seine Frau, die Fotografin Krithika Do Canto aus Indien (Mitte) mit ihrer Tochter Raven (ganz rechts). Acci Baba und seine Frau Kaede stammen aus Japan.
Bunte Schar. Die Berliner Initiatoren sind unter anderen der Künstler Fabricio aus Brasilien (links) und seine Frau, die...Foto: Mike Wolff

Die Idee kam der Gruppe vor acht Tagen auf Facebook. „Sollten wir Japanern, die ihr Land verlassen wollen, nicht helfen, nach Deutschland zu kommen“, sinnierte Michael Saup in einer Statusmeldung. Seine Idee stieß auf Resonanz. Nach knapp 15 Kommentaren habe einer von ihnen es ausgesprochen: „Lass es uns machen.“ Es ist die Geburtsstunde des Projekts „Love4Japan“.

Sie sind zehn Künstler und Webdesigner, die in Berlin, Tokio und Kalifornien leben. Ihre schlichte, weiß-rote Webseite sei über Nacht entstanden, sagt Saup. Darauf zu sehen: Zwei Buttons zum Anklicken. „Ja, ich möchte Japan verlassen“ und: „Ja, ich habe einen Raum für einen Gast“. Darüber ein Einladungstext zum Anklicken auf Englisch und Japanisch, der die Anteilnahme der Macher ausdrückt: „Wir sind in Sorge über die ungewisse Situation, deshalb gibt es viele Freiwillige, die ihre Wohnungen teilen möchten“, heißt es dort.

Wie ein Lauffeuer habe sich das Vorhaben der Gruppe über Facebook und Twitter verbreitet. Innerhalb von fünf Tagen hätten sich etwa 500 Menschen aus ganz Deutschland für die Aufnahme japanischer Gäste registriert, sagte Saup. „Wir leben in einem Haus mit 260 Quadratmetern Wohnfläche und könnten einen eigenen Bereich mit Bad zur Verfügung stellen. Wir haben zwei kleine Kinder, einen großen Garten und Erfahrung im Austausch mit Personen aus anderen Kulturen“, heißt es in einer Mail aus Frankweiler. In einer anderen Nachricht aus Berlin steht: „Wir wollen gerne helfen! Eine nette Altbauwohnung, drei Zimmer, 120 Quadratmeter. Ich bin Arzt für Anästhesie und Schmerztherapie und lebe mit meiner Freundin zusammen. Die Unterkunft ist frei. Es wäre gut, wenn unsere Gäste Geld fürs Leben hätten. Wir werden in allen Belangen so gut helfen, wie wir können.“

Bisher hätten sich aus Japan zehn Interessierte gemeldet, sagt Acci Baba. Der japanische Künstler ist vor dreieinhalb Jahren nach Berlin gezogen. In der Gruppe fungiert er als Ansprechpartner für die japanischen Interessenten, wählt mit Saup die passenden Familien für sie aus und organisiert den Ablauf ihrer Reise. Zudem hat er den Onlinetext verfasst, der ein bestimmtes Feingefühl gebraucht habe, sagte Saup. „Es gibt einen japanischen Ehrenkodex, den wir unbedingt respektieren wollten. So sehen wir sie beispielsweise als Gäste und nicht als Flüchtlinge“, ergänzte Baba.

Eine vierköpfige Familie sei bereits in Deutschland angekommen und gerade an eine Familie in Potsdam vermittelt worden. Am Dienstag seien eine Mutter und ihr Kind gelandet, die in eine leer stehende Wohnung in Mitte gezogen seien, die einer Familie aus Weimar gehöre. Am Mittwochabend sei eine junge Frau angereist, die zu einer Familie nach Friedrichshain gezogen sei. „Außerdem haben wir vier weitere Anfragen, die wir gerade vermitteln und für die wir günstige Flüge suchen“, sagte Baba. Die Interessierten stammten aus dem Raum Tokio. Ein Teil von ihnen sei bereits vorher nach Kyoto geflüchtet und dann von Osaka aus nach Deutschland geflogen.

Warum haben sich aus Japan bisher nur zehn Interessierte gemeldet? „Wir glauben, dass sich die Information bisher mehr in Deutschland als in Japan verbreitet hat“, sagt Baba. Für Japaner sei zudem der Gedanke ungewöhnlich, spontan nach Deutschland zu kommen. Die meisten Japaner hätten eine Wir-Mentalität, die es vielen nicht erlaubt, etwas anders als die anderen zu machen – und beispielsweise einfach das Land zu verlassen. Andererseits gebe es eben doch japanische Familien, die aus Angst vor den Folgen einer radioaktiven Kontaminierung einen Ausweg suchten.

Tickets aus Japan kosteten derzeit zwischen 900 und 2000 Euro. Auf der Homepage der Gruppe heißt es, die Hilfesuchenden müssten den Flug selbst bezahlen. In zwei Fällen hätten sie aber die Flugkosten übernommen, weil die Frauen kein Geld gehabt hätten, sagt Saup. „Leider können wir so in Zukunft nicht weiter verfahren.“ Die Mittel der Gruppe sind ausgeschöpft.

Kontakt im Internet: love4japan.com

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