Sarah Wiener : Kein Nachschlag für die Starköchin

Der Vertrag mit Gewinngarantie für die Präsidialamtskantine von Sarah Wiener läuft auf Drängen des Haushaltsausschuss des Bundestages aus. Ihm schmeckte das Spezialabkommen nicht.

Antje Sirleschtov und Stephan Haselberger
Mit 84000 Euro pro Jahr bezuschusst der Bund die Präsidialamtskantine von Sarah Wiener.
Mit 84000 Euro pro Jahr bezuschusst der Bund die Präsidialamtskantine von Sarah Wiener.Foto: dpa

Wer schwingt in Zukunft den Kochlöffel in der Kantine des Bundespräsidialamts? Diese Frage ist nicht nur für die 180 Beamten von Bundespräsident Joachim Gauck von besonderem Belang, sie geht auch den deutschen Steuerzahler etwas an. Denn der hat seit 2012 zur Verpflegung von Gaucks Bediensteten beigetragen: Mit 84000 Euro pro Jahr bezuschusst der Bund die Präsidialamtskantine neben dem Schloss Bellevue.

Betrieben wird sie von keiner Geringeren als Starköchin Sarah Wiener. Ihre gleichnamige GmbH bewarb sich 2011 als einzige Firma auf die Ausschreibung des Präsidialamts, nachdem zuvor vier Kantinenpächter wegen mangelnder Rentabilität aufgegeben hatten. Doch auch Wieners Profi-Truppe schaffte es bei Essenspreisen zwischen 2,90 Euro und 6,30 Euro zunächst nicht, gewinnbringend für nur 180 Kunden zu kochen. Das Präsidialamt ging deshalb eine ganz besondere vertragliche Vereinbarung mit der Ausnahmeköchin ein.

Für Sarah Wiener kein großes Geschäft

Um die Versorgung seiner Mitarbeiter vor Ort sicherzustellen, glich das Gauck-Amt nicht nur Wieners monatliche Verluste in Höhe von 5500 Euro aus, sondern zahlte auch noch einen Gewinnzuschlag von 1500 Euro pro Monat. Für Wieners GmbH kein großes, aber doch ein prestigeträchtiges Geschäft.

Dem Haushaltsausschuss des Bundestages und seinen für den Etat des Bundespräsidenten („Einzelplan 1“) zuständigen Berichterstattern schmeckte der Spezialvertrag zwischen dem Präsidialamt und der Sarah Wiener GmbH indes überhaupt nicht. Garantierte Gewinne seien gegenüber dem Steuerzahler nicht zu verantworten, auch wenn sie nur gering ausfielen – diese Argumentation der Grünen-Abgeordneten Ekin Deligöz und des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch setzte sich bei den Beratungen über den Etat des Bundespräsidenten für 2015 bald durch.

Garantierte Gewinne seien gegenüber dem Steuerzahler nicht zu verantworten, so der Tenor

Und diese Linie vertraten die vier Berichterstatter von Union, SPD, Grünen und Linkspartei auch im Gespräch mit dem Chef des Bundespräsidialamtes, David Gill, bei einem Treffen Mitte September. Dabei wurde vereinbart, den Vertrag mit der Sarah Wiener GmbH zu diesen Bedingungen nicht zu verlängern, sondern regulär Ende November 2015 auslaufen zu lassen. Die Übereinkunft wurde dann bei der Sitzung des Haushaltsauschusses am Mittwoch vergangener Woche verkündet. Für die Zeit danach wird der Kantinenbetrieb von der Vergabestelle des Bundesamtes für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn neu ausgeschrieben. Die Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes müssen nun damit rechnen, dass ihnen 2016 eine weniger feine Kantinenküche serviert wird. Manche halten es sogar für möglich, dass es künftig nur noch eine Cafeteria geben wird, weil sich kein Kantinenpächter findet.

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