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65. Geburtstag in Entenhausen : Dagobert Duck - der verkannte Spekulant

22.11.2012 09:26 Uhrvon
Geliebter Geizhals. Im Grunde macht er es richtig. Das Geld zusammenhalten und ein bisschen in solide Fabriken stecken.Bild vergrößern
Geliebter Geizhals. Im Grunde macht er es richtig. Das Geld zusammenhalten und ein bisschen in solide Fabriken stecken. - Foto: Egmont Ehapa Verlag © Disney

Dagobert Duck gilt als Sinnbild für Gier. Das stimmt nicht ganz. Jetzt wird sein 65. Geburtstag gefeiert. Auch das ist falsch. Der Kapitalist aus Entenhausen hält sein Geld zusammen, statt damit abenteuerliche Risiken einzugehen. Er würde nie in eine Immobilienblase investieren, wie das die Deutschen derzeit tun.

Hätte sich die internationale Finanzpolitik ein Beispiel an der Comicfigur Dagobert Duck genommen, wären uns einige Krisen der vergangenen Jahre erspart geblieben. Das sieht zumindest Peer Steinbrück so, Ex-Finanzminister, SPD-Kanzlerkandidat – und Comicfan seit Kindertagen. „Es hätte mehr große Panzerschränke wie bei Onkel Dagobert geben sollen, in denen das Geld hätte gebunkert werden müssen, statt die Märkte zu überschwemmen und Blasen zu treiben“, sagte der Politiker vergangenes Jahr im Tagesspiegel-Interview.

Damit stellt sich Steinbrück gegen eine weit verbreitete Lesart der Disney-Figur, die allgemein als Sinnbild für Gier und Geiz gilt und in Zeiten der Finanzkrise auch von der Occupy-Bewegung als Symbol für verantwortungslosen Reichtum benutzt wird.

In Kürze steht offiziell der 65. Geburtstag des Enterichs an. Im Dezember 1947 hatte Dagobert Duck seinen ersten Auftritt in der Comicreihe „Walt Disney’s Donald Duck“, geschaffen von Carl Barks, jenem amerikanischen Comicautor und Zeichner, der das Entenhausen-Universum vor allem in den 1940er bis 1960er Jahren wie kein Zweiter prägte. „Christmas on Bear Mountain“ hieß die Episode damals, auf Deutsch wurde sie später als „Die Mutprobe“ veröffentlicht. Sie erzählt, wie ein reicher, übellauniger Griesgram erstmals seinen Neffen Donald und dessen Neffen Tick, Trick und Track trifft. Bis heute ist der Fantastilliardär vor allem in Europa eine der populärsten Figuren der Comicwelt. Und besser als sein Ruf, wie Peer Steinbrück findet, der im gleichen Jahr wie Dagobert das Licht der Welt erblickte. „So schlimm ist er gar nicht: Onkel Dagobert war definitiv kein Spekulant”, findet der Ex-Minister. Denn auch wenn der geizige Onkel vor allem seinem Neffen seit 65 Jahren das Leben schwer macht – angesichts der Krisen, die die entfesselten Akteure der Finanzmärkte in letzter Zeit provoziert haben, kann man den alten Knauser heute als Antithese zum Investmentbanker rühmen, der nur das investiert, was er selbst verdient hat, und seine wie Fetische verehrten Taler mit ganzem Herzen schützt. In eine Immobilienblase zu investieren, dürfte ihm kaum in den Sinn kommen. Allerdings ist sein Hang zum Horten auch nicht gerade wirtschaftsfördernd. „Leute, die Geld ausgeben, verstehen nichts von den wahren Freuden eines Kapitalisten“, ist einer seiner Leitsprüche.

Seine Taler hat Dagobert – auch dies ein Unterschied zu manchem Milliardär der Realwelt – mit seiner eigenen Hände Arbeit verdient. Der Aufstieg vom Schuhputzer zum Multimilliardär begann Ende des 19. Jahrhunderts in Schottland, wo er einschlägigen Überlieferungen zufolge als Scrooge McDuck in eine arme, aber geschäftstüchtige Familien hineingeboren wurde. So lässt es sich in einem der wichtigsten Werke über sein Leben nachlesen, der vom US-Autor und Zeichner Don Rosa geschaffenen Comicbiografie „Onkel Dagobert – sein Leben, seine Milliarden“. Damit ist Dagobert in Wirklichkeit also nicht 65 Jahre, sondern rund doppelt so alt. Seinen ersten Taler – den er bis heute als „Glückszehner“ aufbewahrt – verdiente er demnach als Schuhputzer.

Und fasste den Entschluss, nach Amerika auszuwandern: „Ich werde härter sein als die Härtesten und schlauer als die Schlauesten, und ich werde es auf ehrliche Weise bis ganz nach oben schaffen.“ Der Archetyp des Selfmade-Millionärs US-amerikanischer Prägung: Sein Vermögen erarbeitete er sich auf den Goldfeldern Alaskas (ein Nugget von der Größe eines Straußeneis spielt dabei eine zentrale Rolle), als Viehtreiber und Mississippi-Dampferkapitän. Und ließ sich dabei von einigen eisernen Maximen wie „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“ leiten. Inzwischen gehören ein Bankhaus, Maklerbüros, Eisenbahnen, Fluglinien, Spielzeugfabriken und Bergwerke zu seinem Imperium. Und was die erwirtschaften, landet im Geldspeicher. Es auszugeben? Für Onkel Dagobert Undenkbar. „Dann habe ich es ja nicht mehr.“

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