• Abgewiesenes Vergewaltigungsopfer: Kritik an Katholischen Kliniken und der Kirche von allen Seiten

Abgewiesenes Vergewaltigungsopfer : Kritik an Katholischen Kliniken und der Kirche von allen Seiten

In Köln haben zwei katholische Krankenhäuser eine Frau, die möglicherweise vergewaltigt wurde, abgewiesen. Der Vorfall schlägt hohe Wellen. Eine CDU-Bundestagsabgeordnete spricht von einem Skandal. Welche Verantwortung die Katholische Kirche trägt, ist noch unklar.

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Unangenehme Fragen. Die Chefärztin für Gynäkologie am St.-Vinzenz-Krankenhaus, Wencke Ruhwald, und der Chefarzt für Gynäkologie am Heilig-Geist-Krankenhaus, Hendryk Pilch, am Donnerstag.
Unangenehme Fragen. Die Chefärztin für Gynäkologie am St.-Vinzenz-Krankenhaus, Wencke Ruhwald, und der Chefarzt für Gynäkologie am...Foto: dpa

Frauen wird in katholischen Krankenhäusern keine „Pille danach“ verabreicht. Auch dann nicht, wenn eine Frau vergewaltigt wurde und fürchtet, durch die Vergewaltigung schwanger geworden zu sein. „Die ,Pille danach’ wird in katholischen Kliniken nicht gegeben oder verschrieben“, bestätigte Stefan Förner, der Sprecher des Berliner Erzbistums dem Tagesspiegel. Die Einnahme von Verhütungsmitteln zur Verhinderung einer Schwangerschaft widerspricht den moraltheologischen Grundsätzen der katholischen Kirche. Das gilt auch für die „Pille danach“ und auch bei Vergewaltigungen. Die „Pille danach“ gelte in weiterem Sinne als ein Fall von Abtreibung, sagt Bistumssprecher Förner.

Einer Frau in Köln ist dieser Grundsatz jetzt offenbar zum Verhängnis geworden. Zwei Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft in Köln lehnten sogar ab, sie überhaupt zu untersuchen.

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete, war die 25-jährige Frau bei einer Party mit K.-o.-Tropfen betäubt worden und erst einen Tag später auf einer Parkbank wieder zu sich gekommen. Sie wandte sich an eine Notärztin, die nicht ausschließen konnte, dass die Frau vergewaltigt worden ist. Um dies untersuchen zu lassen und mögliche Tatspuren gerichtsverwertbar zu sichern und, wenn nötig, eine „Pille danach“ zu verabreichen, wollte die Notärztin die Patientin an ein benachbartes Krankenhaus überweisen, es war zufällig ein katholisches Krankenhaus. Es lehnte die Untersuchung ab. Auch ein zweites katholisches Krankenhaus verweigerte die Untersuchung. Beide Kliniken gehören zur Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria. Als Begründung hieß es laut Zeitungsbericht, „gynäkologische Untersuchungen zur Beweissicherung seien seit zwei Monaten untersagt, weil damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der Pille danach verbunden seien“ .Wie jetzt öffentlich wurde, hatte eine Ethikkommission der Cellitinnen-Stiftung im November eine entsprechende Verordnung für die Krankenhäuser in ihrer Trägerschaft erlassen. Eine solche Richtlinie gebe es für das Berliner Erzbistum nicht, sagte der Berliner Bistumssprecher Förner. Es handle sich nur um eine Stellungnahme und nicht um eine Dienstanweisung, ruderte jetzt die Ethikbeauftragte der Hospitalvereinigung der Cellitinnen zurück. Ein Arzt sei immer seinem Gewissen verpflichtet.

„Grundsätzlich gilt, dass ein katholisches Krankenhaus keine Pille danach verabreichen oder verschreiben darf, auch nicht im Notfall“, sagte der Kölner Erzbistumssprecher Christoph Heckeley dem Tagesspiegel. Gegen die Spurensicherung zur Beweissicherung sei dagegen nichts einzuwenden. Wenn eine Frau aber gleich sagt, sie wolle untersucht werden und gegebenenfalls die Pille danach verabreicht bekommen, dann verweise man sie gleich an ein anderes Krankenhaus.

Heckeley betonte, dass es keine entsprechende Richtlinie für das gesamte Kölner Erzbistum gebe. Dies sei allein ein Beschluss der Hospitalvereinigung der Cellitinnen und betreffe lediglich deren Krankenhäuser. Das Erzbistum sei auch gar nicht in der Lage, eine solche Richtlinie zu erlassen, da die Krankenhausträger selbstständig agierten. Ob der Kölner Kardinal Joachim Meisner die Richtlinie der Cellitinnen gutheiße, wisse er nicht. Sein Sprecher hofft, dass die Cellitinnen den Vorfall aufklären werden, „um eine Wiederholung eines solchen sehr bedauerlichen Einzelfalls auszuschließen“.

„Bis vor zwei Monaten wurde das alles in katholischen Krankenhäusern in Köln pragmatisch gehandhabt“, sagte Ursula Heinen-Esser, NRW-Landesvorsitzende der von katholischen Laien gegründeten Schwangerenberatung Donum Vitae und CDU-Bundestagsabgeordnete. Die neue Verordnung der Cellitinnen setze die Ärzte unter Druck. „Ich finde es skandalös, dass der Frau die Untersuchung verweigert wurde. Das ist eine weitere Demütigung für sie und schützt die Täter, wenn die Spuren nicht gesichert werden“, sagt Ursula Heinen. Auch die rigide Haltung der katholischen Kirche zur „Pille danach“ kann sie nicht nachvollziehen. „Ist es besser zu warten, bis sich die Eizelle eingenistet hat, und die vergewaltigte Frau erst recht in eine Konfliktsituation zu bringen?“, fragt sie. Die Notfallkontrazeption gehöre zur umfassenden Hilfe für ein Vergewaltigungsopfer.

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