Update

Abschied von Tugce : Hunderte nehmen an Trauerfeier vor Moschee teil

Mehrere hundert Menschen haben sich in Hessen zu einer Trauerfeier für die getötete Studentin Tugce versammelt. Die Stimme des Imams wurde mit Lautsprechern auf den Platz vor der Moschee in Wächtersbach übertragen.

von
Mehr als 1000 Menschen nahmen Abschied von der getöteten Tugce.
Mehr als 1000 Menschen nahmen Abschied von der getöteten Tugce.Foto: dpa

Hunderte sind gekommen, um von der Studentin Tugce Albayrak Abschied zu nehmen. Die Trauerfeier für die junge Studentin findet in einer kleinen Moschee in dem hessischen Ort Wächtersbach statt. Zwischen einem Matratzengeschäft und einem Bahngleis. In Tugces Heimatstadt Bad Soden-Salmünster hatte es keinen Ort gegeben, an dem man die Zeremonie hätte durchführen können. Vor der Moschee wurden Kränze niedergelegt. „Tugce lebt jetzt als Engel weiter“, steht darauf, und „unser Engel, du wirst immer in unserem herzen sein“.

Aus dem Lautsprecher dringen die Worte des Imams: „Unser Prophet Mohammed sagt, begeht Taten, die wertvoll sind. Ich kann euch vor Gottes Verhör nicht bewahren. Und die Taten sind nützliche Handlungen, wie Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit“.

Tugces Tat hat Leute im ganzen Land berührt. „Heute ist es die eine Familie, morgen eine andere“, sagt eine Frau, die gekommen ist, obwohl sie Tugce nie kannte. Aus dem 13 Kilometer entfernten Gelnhausen ist  sie hergefahren, einfach nur, um Anteil zu nehmen, wie sie sagt. „Ich habe auch ein Tochter“, fügt sie hinzu. „Die hätte es auch sein können.“

Die Stimme des Imams wird über extra aufgebaute Lautsprecher auf den Platz vor der Moschee getragen. Während er Suren aus dem Koran zitiert, sammeln sich immer mehr Menschen vor der Moschee. Unter den Augen von Besuchern, Schaulustigen und Presse, nicht nur aus Deutschland, auch aus der Türkei und anderen Ländern. Das Interesse ist groß, der Fall der Tugce A. hatte weltweit für Aufsehen gesorgt.

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ist gekommen

Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier ist gekommen, um der Familie sein Beileid auszusprechen. Um 13 Uhr wird Tugces Sarg vor der Moschee aufgebart: zwischen einer türkischen und einer deutschen Fahne. Der Sarg ist mit eine grünen Leichentuch belegt; und einem Schleier. Tugce hatte geplant, ihren Freund zu heiraten. Am vergangenen Sonntag, ihrem 23. Geburtstag, wollte sie ihre Verlobung bekannt geben.

Vor zwei Wochen, in der Nacht des 15. Novembers, war Tugce auf dem Parkplatz eines McDonalds Restaurants in Offenbach niedergeschlagen worden. Die Studentin hatte die Nacht mit Freundinnen in einer Frankfurter Diskothek verbracht und befand sich auf dem Weg nach Hause, als sie bei dem Schnellrestaurant Halt machte.

Dort soll Tugce zwei Mädchen zur Hilfe gekommen sein, die auf der Toilette von dem Polizeibekannten 18-Jährigen Sanel M. und seinen Freunden belästigt wurden. Mit Hilfe weiterer Restaurantgäste wurden Sanel M. und seine Freunde aus dem McDonalds geworfen. Eine Demütigung, die Sanel M. offenbar nicht hinnehmen wollte. Er wartete auf dem Parkplatz des McDonalds. Als Tugce und ihre Freundinnen das Restaurant verließen, kam es zur Auseinandersetzung und zu dem tödlichen Schlag. Die Tat wurde von einer Sicherheitskamera vor dem Restaurant gefilmt.

Tugce wurde in kürzester Zeit zu einem Symbol für Zivilcourage. Ihrem mutigen Einschreiten wurde auch auf der Totenfeier gedacht. Ein junger Mann übersetzte die Worte des Imams. „Wir zeigen ihrer Zivilcourage Anerkennung und Dankbarkeit. Für die Hinterbliebenen soll ihr heroischer Tod eine Lektion werden.“

Die Online-Petition wurde von 160.000 Leuten unterschrieben

Die Anteilnahme in der ganzen Republik war groß, in mehreren Städten wurden Mahnwachen veranstaltet, auch auf dem Berliner Oranienplatz, wo sich am Sonntag etwa 150 Menschen versammelt hatten, um Blumen niederzulegen und der Toten zu gedenken. Eine Onlinepetition auf Change.org, die verlangt, dass Tugce posthum das Bundesverdienstkreuz verliehen werden soll, wurde bereits von über 160.000 Leuten unterschrieben. Bundespräsident Joachim Gauck verkündete, er wolle den Fall prüfen.

Das Totengebet ist beendet und Tugces beginnt ihre letzte Reise. Der Sarg wird in ihre Heimatstadt überführt. Mit mehreren, von der Stadt zur Verfügung gestellten Bussen fährt die Trauergemeinde gemeinsam in das nur wenige Kilometer entfernte Bad Soden-Salmünster. Während die Busse durch die Ortschaften fahren, sieht man Leute aus den Fenstern gucken und in ihren Haustüren stehen. Manche winken. Nach nur wenigen Minuten ist das Ziel erreicht und Tugce wird auf dem kleinen Friedhof ihrer Heimatstadt zu Grabe getragen.

Autor

6 Kommentare

Neuester Kommentar