Ägyptisches Fernsehen : Kopftuchstreit vor laufender Kamera

Eine ägyptische Moderatorin liefert sich im Fernsehen einen Kopftuchstreit mit ihrem Studiogast, dem Kleriker Yussuf Badri. Zuerst versucht dieser noch, über die Moderatorin zu bestimmen - doch dann zieht sie vor laufender Kamera ihr Tuch ab.

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TV-Journalistin Riham Said: "Müssen wir diese Charade tatsächlich für das Interview durchziehen?"
TV-Journalistin Riham Said: "Müssen wir diese Charade tatsächlich für das Interview durchziehen?"Screenshot: Tsp

Ägypten steckt seit über zwei Jahren in den Nachwehen der Revolution. Das wirkt sich nicht nur auf die Politik des Landes aus - das Tauziehen zwischen alten Moralvorstellungen und frischen Ideen, zwischen gesellschaftlicher Pluralität oder religiösem Konformismus findet auch in den Medien statt. Und bricht sich manchmal auf drastische Weise Bahn.

Die Moderatorin Riham Said lud den Kleriker Scheich Yussuf Badri zu einem Fernsehinterview. Es sollte eigentlich um die Frage gehen, ob Kleriker Exorzismen an jungen Frauen ausüben dürfen - oder ob das in den Bereich der sexuellen Nötigung falle. Als Badri der Moderatorin jedoch Vorschriften machen wollte, eskalierte das Gespräch. Sie warf ihm vor, nach einer Doppelmoral zu leben: Islamische Sitten zu predigen, aber vom Sender Geld für seinen Auftritt zu nehmen. Und sie in der Sendung anzuschreien und Bedeckung einzufordern, während er sonst kein Problem mit dem Anblick ihrer Haare habe. Sie zog daraufhin ihr Kopftuch vor laufender Kamera ab und sagte: "Für Gott trage ich es, nicht für dich". Badri reagierte nur noch mit Beschimpfungen und schaute demonstrativ an Said vorbei.

Spannend wurde der Vorfall, als Redakteure die Szene mit einem Vorabgespräch zusammen schnitten, das so nicht im Fernsehen zu sehen war. Es bekräftigte die Vorwürfe von Riham Said. So zeigte sich Badri von anderer Seite: ruhig und wohlwollend, und keineswegs bekümmert, dass die junge Moderatorin kein Kopftuch trägt. Er bat sie nur, es doch für die Sendungsaufzeichnung aufzuziehen. Und wer wisse, vielleicht gefalle es ihr ja.

Das Gespräch fand ursprünglich im April statt, das Forschungszentrum MEMRI stellte später eine Übersetzung ins Internet. Riham Said ist eine sehr populäre Journalistin des ägyptischen Senders Al-Nahar-TV. Yussuf Badri ist im Land für seine sehr fundamentalistischen Ansichten bekannt.

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