• Alter Ärzte-Song als Reaktion auf Hass gegen Flüchtlinge: "Aktion Arschloch" will "Schrei nach Liebe" zurück in die Charts bringen

Alter Ärzte-Song als Reaktion auf Hass gegen Flüchtlinge : "Aktion Arschloch" will "Schrei nach Liebe" zurück in die Charts bringen

Was tun gegen den Hass und die Gewalt von rechts? Die "Aktion Arschloch" meint, ein Lied der Band Die Ärzte von 1993 könnte helfen.

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Ein Ausschnitt aus dem Video zu dem Lied "Schrei nach Liebe" von der Band "Die Ärzte". Der Song von 1993 richtet sich gegen Fremdenfeindlichkeit. Eine Aktion will ihn nun zurück in die Charts bringen. Screenshot Youtube
Ein Ausschnitt aus dem Video zu dem Lied "Schrei nach Liebe" von der Band "Die Ärzte". Der Song von 1993 richtet sich gegen...Screenshot Youtube

Mit Musik gegen Hass. Ein Musiklehrer aus Niedersachsen will ein altes Lied der Band Die Ärzte zurück in die Charts bringen - als Reaktion auf den zunehmenden Hass gegen Flüchtlinge und die Anschläge auf Heime, wie zuletzt beispielsweise in Heidenau, Meißen oder Freital. Seit Sonntag existiert die Initiative "Aktion Arschloch" mit eigener Webpage und Facebook- sowie Twitter-Präsenz. "Ich möchte einfach ein Zeichen gegen die in Deutschland grassierende Fremdenfeindlichkeit setzen", sagte der Initiator Gerhard Torges aus Georgsmarienhütte dem Tagesspiegel. "Ich möchte das Thema stärker in die Medien bringen. Das Lied der Ärzte hat es schon einmal geschafft, ein Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen - vielleicht kann es erneut das Denken und das Verständnis der Menschen ändern und etwas bewegen."

Das Lied gilt als Hymne gegen Rechtsradikalismus und wurde als Reaktion auf die Übergriffe und Anschläge 1993 in Hoyerswerda, Rostock, Solingen und Mölln geschrieben. Die Internetseite der "Aktion Arschloch" zeigt das ausgebrannte Asylantenheim in Mölln als Hintergrundbild. "Nach Hoyerswerda konnten wir halt nicht mehr schweigen!", hatte Bela B. einmal in einem Interview zur Entstehung des Songs gesagt. 

Torges betont, dass es sich um kein kommerzielles Projekt handele. Seine Seite auf Facebook hat innerhalb von vier Tagen mehr als 3000 Likes erhalten, die Kommentare auf aktion-arschloch.de häufen sich. Der 46-Jährige hat bereits Freunde um Hilfe bei der Organisation und beim Beantworten von Kommentaren gebeten - bisher macht er das alles allein.

Damit das Lied von 1993 zurück in die Charts und ins Radio gelangen kann, ruft die Aktion dazu auf, den Song zu kaufen, egal, ob bei iTunes und Co. oder direkt bei der Band. Der Kauf soll danach mit Bestnote bewertet werden. Zweitens sollen sich möglichst viele Leute den Song im Radio wünschen. Wie die Kommentare verraten, haben dies auch schon einige gemacht, die Radiosender nehmen die Aktion dankbar an und machen mit. Auch Torges selbst wird im Laufe der nächsten Tage öfter im Radio zu hören sein. Als weitere Maßnahmen schlägt er vor, das Video zu dem Lied bei Youtube in Endlosschleife zu spielen und es auf Facebook, Twitter etc. zu teilen.

Zunächst war auch vorgeschlagen, das Lied auf Spotify oder anderen Streaming-Diensten abzuspielen. Dieser Punkt fällt jedoch weg, da die Band ihre Lieder nicht auf den entsprechenden Diensten anbietet. Der wichtigste Punkt ist jedoch: "Helft Flüchtlingen". Dazu ist auf der Webseite eine Übersicht über seriöse Hilfsorganisationen gelistet. Auf eine Reaktion der Ärzte wartet Torges bisher vergeblich. Am Mittwoch verkündete er, das Lied habe zweimal Platz eins bei Google Play erreicht. Am Dienstag erreichte es Platz 12 der Amazon-Charts und war "Aufsteiger des Tages". Dass derartige Aktionen erfolgreich seien können, zeigen die Charts in Österreich. Dort hat es der Musiker Raoul Haspel mit seiner "Schweigeminute" für Flüchtlinge auf Platz eins der iTunes Charts geschafft.

In den Kommentaren kommt es auch zu Kritik: "Spendet den blöden Euro lieber direkt als eine reiche Band noch reicher zu machen! Da die Aktion nicht öffentlich von der Band gestartet wurde, ist ja kaum anzunehmen, dass sie die entstehenden GEMA-Einnahmen spenden werden...", schreibt jemand. Torges sagt dazu, er erwarte von der Band natürlich gar nichts, die Aktion sei ja nicht abgesprochen gewesen. Aber er würde sich freuen, wenn diese die Mehreinnahmen für die Flüchtlingshilfe spenden würde. Noch haben sich Farin, Bela und Rod nicht gemeldet.

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