Welt : Angela Merkel: Cabrio-Fahrt als Entschädigung

Angela Merkel will für ihren unfreiwilligen Einsatz in einer frechen Werbung des Autovermieters Sixt doch eine Entschädigung: "Ich finde, Frau Sixt könnte mich als Wiedergutmachung einmal zu einer Cabriofahrt einladen", sagte die CDU-Chefin dem Magazin "Stern". In einem Brief an die Verleih-Firma schlug sie außerdem vor, mögliche Fotohonorare gemeinnützigen Zwecken zukommen zu lassen. Sie sei noch nie im Cabrio gefahren, gestand Merkel. Der Autovermieter hatte der Politikerin, wie berichtet, für eine Cabrio-Anzeige eine Sturmfrisur verpasst. Die Politikerin kommentierte das Werbemotiv mit den Worten: "Ich sehe das gelassen." Merkel erklärte, sie habe sich daran gewöhnt, dass man sich über ihren Haarschnitt lustig mache. Die Anzeige von Sixt sei dabei "sicherlich ein Gag der intelligenteren Sorte". In einem Brief an den Vorstandsvorsitzenden Erich Sixt schreibt Merkel: "Bislang ist mir Ihre Firma vor allem wegen Ihrer Autos aufgefallen. Aber dass es auch ganz schön haarig sein kann, Ihr Kunde zu werden, konnte ich erst jetzt Ihrer Werbung entnehmen." Allerdings sei Sixt "leider eine Verwechslung unterlaufen". Das Bild, bei dem ihr die Haare zu Berge stehen, zeige die CDU-Chefin nicht bei einer Cabrio-Fahrt, sondern bei der Lektüre der Steuergesetze der Bundesregierung.

Zwar hat die CDU-Vorsitzende das Mitleid und die Empörung der Boulevardpresse auf ihrer Seite, doch der Münchner Autovermieter kann sich heimlich ins Fäustchen lachen. Nach dem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr und einer äußerst schlechten Prognose für dieses hat er die Nase bei der Bekanntheit - zumindest kurzfristig - vorn. "Aufmerksamkeit ist nicht alles", warnt allerdings der Sprecher des Deutschen Werberats, Volker Nickel. Galt früher oft das Motto: Hauptsache drin, wollten Unternehmen heute eher positiv in den Massenmedien erscheinen. Ob es Sixt wirklich nütze, wenn der "Kölner Express" titelt: "Gemein! Sixt verhöhnt Frau Merkel" oder die "B.Z." fragt: "Frau Merkel, wie sehen Sie denn aus?", sei fraglich.

Im Fall von Benetton etwa, die mit Kriegsgräbern, HIV-Infizierten und am Ende sogar mit Todeskandidaten sehr umstritten warben, startete eine regelrechte Gegen-Kampagne. Nach Nickels Angaben gingen damals 230 Geschäfte des Bekleidungskonzerns in Deutschland kaputt. Verprellte CDU-Anhänger, immerhin fast die Hälfte der Wähler, könnten nun Sixt boykottieren.

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