Anwälte des Massenmörders Breivik : Die große Selbstdarstellung

Am heutigen Montag beginnt der Prozess gegen den norwegischen Massenmörder. Geir Lippestad ist Breiviks Verteidiger. Er inszeniert sich und sein Team wie eine US-Fernsehserie. Was treibt ihn, ist es nur Eitelkeit?

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Breiviks Verteidigerteam. Geir Lippestad (links), Vibeke Hein Baera, Odd Ivar Groen und Tord Jordet, in Szene gesetzt von dem Fotografen Heiko Junge. Ihre Selbstdarstellung stößt auf Kritik.
Breiviks Verteidigerteam. Geir Lippestad (links), Vibeke Hein Baera, Odd Ivar Groen und Tord Jordet, in Szene gesetzt von dem...Foto: REUTERS

Sie sehen aus wie die Akteure einer amerikanischen Fernsehserie. Und so lassen sie sich auch ablichten. Es wirkt wie eine zynische Selbstinszenierung, was die Anwälte des norwegischen Massenmörders Anders Breivik vor dem Prozess treiben. Warum setzen sie sich so in Szene? Haben sie ihre eigene Agenda? Wollen sie den Prozess um den Tod von 77 Menschen schamlos benutzen, um berühmt zu werden?

Oder ist es einfach nur Eitelkeit? Der norwegische Anwalt Geir Lippestad – auf dem Foto ganz links auf der Couch – und sein Team mit Vibeke Hein Bæra, Odd Ivar Grøn und Tord Eskild Jordet haben wegen ihres Auftretens viel Kritik auf sich gezogen.

Vor allem aber Unverständnis. Geir Lippestad ist Sozialdemokrat, Mitglied jener Partei, deren Kinder und Jugendliche Opfer des Massenmörders wurden. Er ist außerdem bekannt dafür, dass er sich für die Rechte von Behinderten einsetzt. Er vertritt Hörgeschädigte und setzt sich dafür ein, dass in Norwegen behindertengerecht Wohnungen gebaut werden. Der achtfache Familienvater mit dem glattrasierten Kopf wurde aber auch bekannt, als er einen rechtsradikalen Mörder vertrat, der einen 15-jährigen Jungen mit schwarzer Hautfarbe getötet hatte.

Aber Lippestad war dann doch schockiert, als er wenige Stunden nach Breiviks Massaker einen Anruf von der Polizei bekam. Breivik hatte erklärt, er wolle nur von Lippestad verteidigt werden, von niemandem sonst.

Niemand weiß, welches Kalkül Breivik mit diesem Schachzug verfolgte.

Lippestad nahm sich Bedenkzeit, beriet sich mit seiner Frau, einer Krankenschwester. Die sagte ihm, dass sie und die Ärzte um Breiviks Leben gekämpft hätten, wenn er verletzt ins Krankenhaus gekommen wäre. Lippestad traf eine Entscheidung. „Der Rechtsstaat muss an seinen Prinzipien festhalten.“

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