Welt : Arm, aber fidel

„Forbes“ hat geschrieben, Castro habe ein Vermögen von 900 Millionen Dollar. Ohne die Behauptung belegen zu können

Michael Schmidt

Fidel Castro ist empört. Der sozialistische Präsident des kubanischen Inselstaates sei ein Multimillionär und zähle zu den reichsten Staatsoberhäuptern der Welt, hatte das US-Magazin „Forbes“ behauptet. Das bringt den 79-Jährigen in Rage. Der Maximo Lider ein Revolutionär mit ausgeprägtem Riecher für Rendite? Da hört für den bärtigen Inselpatriarchen der Spaß auf. Darum trat er jüngst im Staatsfernsehen auf, schwenkte ein Exemplar des US-Magazins und schimpfte. Viereinhalb Stunden lang. Mit Beistand des kubanischen Zentralbankchefs Francisco Soberon versuchte er das Magazin zu widerlegen, das in seinem jährlichen Bericht über die „Vermögen von Königen, Königinnen und Diktatoren“ das Vermögen Castros auf 900 Millionen Dollar schätzte, etwa 700 Millionen Euro.

Ein ganz übler Vorwurf, befand der kubanische Diktator. Und nannte den Bericht „ekelhaft“ und eine „abscheuliche Verleumdung“. Er verwahre sich gegen Vergleiche mit „Dieben“ und „Plünderern“ wie dem ehemaligen Präsidenten von Zaire, Mobutu Sese Seko, sagte Castro. Sollte man ihm auch nur einen Dollar auf einem Auslandskonto nachweisen, werde er sofort zurücktreten.

Nun – bisher ist man jeglichen Nachweis schuldig geblieben. Einst engste Begleiter, die sich in den vergangenen Jahren von ihm losgesagt haben und es wissen müssten, haben keine Beweise beigebracht. Stimmten die Vorwürfe, sagt auch Castro-Biograf Volker Skierka, „hätten die Amerikaner im Übrigen längst genüsslich Kontoauszüge präsentiert – und spätestens nach dem 11. September 2001 hätte Castro sein Geld verschwinden lassen“. Ein Schweizer Banker habe ihm versichert: Hätte Castro Konten dort oder anderswo, „dann wüsste man das“. Solange „Forbes“ keine Kontoauszüge präsentiere, halte er die Geschichte „nicht für glaubwürdig“. Tatsächlich hat das Magazin bisher nur nachträglich etwas kleinlaut eingeräumt, dass man bei der Schätzung von Castros Privatvermögen den Wert kubanischer Staatsunternehmen mitgezählt habe. Nach dem Motto: Viele Firmen gehören dem Staat, der Staat wird von Fidel Castro regiert, also gehören die Firmen und ihre Einnahmen Fidel Castro. Und so steht er da in einer Reihe mit König Abdullah (Saudi-Arabien), Sultan Hassanal (Brunei), Scheich Khalifa (Vereinigte Arabische Emirate), Hans Adamm II. von Liechtenstein, Fürst Albert II. von Monaco, Nguema (Äquatorial Guinea) , Königin Elizabeth (UK) und Königin Beatrix (Niederlande). Dagegen behauptet der aufgebrachte Präsident, er verfüge über ein Vermögen von ungefähr null – und ein umgerechnetes Monatseinkommen von 40 Dollar.

Tatsächlich gilt Castro vielen als sozialistischer Überzeugungstäter und sein Lebensstil als äußerst sparsam. Keine teuren Frauen. Kein abgehobenes Wohnambiente. Selbst seine geliebten Cohiba-Zigarren hat er im Zuge einer Anti-Raucher-Kampagne aufgegeben. Biograf Skierka berichtet von einem verfeindeten ehemaligen Freund des Diktatoren, der ihm sagte: „Wenn einer dem Luxus abhold ist, dann Castro“. Ein Blick in sein Wohnhaus bei Dreharbeiten für die ARD habe letzte Zweifel beseitigt, sagt Skierka: „Sparta ist nichts dagegen.“ Was damit zu tun habe, wie Castro aufgewachsen sei: „Mit Kleinvieh im Schlafzimmer.“

Castro verdächtigte die US-Regierung unter Präsident George W. Bush, hinter dem Bericht zu stehen. „Das können sie niemals beweisen, weder dieser Gauner Bush, noch die CIA und die 33 Geheimdienste der USA“, sagte Castro. „Sie sollten besser endlich schweigen.“ Die USA hätten versucht, ihn „zu eliminieren“, was ihnen aber ebenso wenig gelungen sei wie der Versuch, ihn zum „Verrat der Revolution“ zu bewegen, sagte Castro, der bereits neun US-Präsidenten und über 600 Mordkomplotte überlebt hat. Er erinnerte daran, dass er von seinem Vater mehrere tausend Hektar Land geerbt und diese beim „Sieg der Revolution“ den Landwirten überlassen habe. „Mein ganzer Besitz passt in Bushs Westentasche“, sagte der seit 1959 regierende Staatschef.

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