Aschermittwoch : Fasten statt Futtern

Nach Aschermittwoch versuchen viele, beim Essen kürzer zu treten. Aber die meisten haben schnell wieder ihr altes Gewicht erreicht. Immerhin wird das Bewusstsein für gesunden Lebensstil geschärft.

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Mageres Mahl. Der menschliche Organismus kann mit vorübergehenden Hungerperioden gut umgehen. Foto: olly - Fotolia
Mageres Mahl. Der menschliche Organismus kann mit vorübergehenden Hungerperioden gut umgehen. Dann verbrennt er statt...Foto: olly Fotolia

Es klingt überraschend modern, was der griechische Arzt Hippokrates seinen Zeitgenossen vor rund 2400 Jahren riet: „Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.“ In der traditionellen Fastenzeit nach Aschermittwoch beherzigen viele die Empfehlung des Urvaters der Ärzteschaft und versuchen, beim Essen kürzerzutreten. Das freiwillige Hungern und sich Kasteien soll den Körper stärken und der Seele Flügel verleihen.

„Strenges Fasten bedeutet den Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel“, sagt Andrea Chiappa, Vorsitzender der Deutschen Fastenakademie. „Man muss dann mit höchstens 500 Kilokalorien auskommen, das ist eine Herausforderung für den Körper.“ Andererseits werde der Organismus damit trainiert und schalte leichter auf die Fettverbrennung um.

Fastenkuren werden häufig durch andere Naturheilverfahren wie Bewegungs- und Atemtherapie ergänzt. Zu den etablierten Methoden gehört das Heilfasten nach Buchinger, bei dem Säfte, Honig und Gemüsebrühe die spärlichen Kalorienspender sind, hinzu kommen Darmreinigung, Bewegung und Programme zur Stressbewältigung. Bei der nach dem Arzt F. X. Mayr benannten Kur steht dagegen die Darmreinigung im Vordergrund, bei der Schroth-Kur wechseln sich „Trockentage“ mit trockenen Brötchen, Haferflockenbrei und ähnlichen Nahrungsmitteln mit flüssigkeitsreichen „Trinktagen“ ab.

Nach dem Fasten wird der Mensch wieder so dick wie vorher

Der schlesische Bauer Johann Schroth, Erfinder der nach ihm benannten Kur, hoffte, mit seiner Methode den Körper zu entschlacken. Unter „Entschlackung“ versteht man die körperliche Reinigung von schädlichen Stoffwechselprodukten, so wie der Geist sich in der Fastenzeit durch Askese und Buße erneuern soll. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält jedoch den Begriff „Entschlacken“ für wissenschaftlich nicht begründet. „In einem gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlungen von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten“, heißt es in einer Information der DGE. „Nicht verwertbare Stoffe werden bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über den Darm und die Nieren ausgeschieden.“ Heilfastenkuren sollten nur nach vorheriger Untersuchung oder unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

In früheren Zeiten war es normal, dass Menschen über längere Zeit ohne Nahrung auskommen mussten. Der menschliche Organismus kann im Prinzip gut damit umgehen und stellt von Kohlenhydraten als Energielieferanten auf Fettdepots um. Der Körper bildet in dieser Situation mehr Stresshormone, was auch psychologische Folgen hat. In den ersten Tagen des Fastens kann es zu einem Hochgefühl kommen und auch die Aufmerksamkeit ist hellwach – die Stressreaktion schärft die Sinne, Ausdruck gesteigerter Überlebensimpulse. Zugleich werden negative Gedanken, Angst und Depression zurückgedrängt.

Fasten ist nicht geeignet, um chronischen Krankheiten vorzubeugen

Wer fastet, kann rasch mehrere Kilogramm abnehmen. Auch erhöhte Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte gehen zurück, hat Andreas Pfeiffer beobachtet, Stoffwechselexperte an der Berliner Uniklinik Charité. „Das Problem ist, dass diese Effekte nicht von Dauer sind“, sagt Pfeiffer. Nach dem Fasten haben die meisten Menschen rasch wieder ihr altes (Über-)Gewicht erreicht. Der günstige Effekt auf chronische Krankheiten hält sich daher in Grenzen. Zwar ist Heilfasten nach Ansicht der DGE nicht geeignet, um dauerhaft Gewicht abzubauen, könne aber helfen, das Leben gesundheitsbewusster zu gestalten und das Ernährungsverhalten zu verändern.

Ein Modetrend ist das intermittierende Fasten, bei dem zum Beispiel auf fünf Tage normaler Ernährung zwei 600-Kalorien-Tage folgen. Es soll gesundheitsfördernde und lebensverlängernde Effekte kalorienarmer Ernährung auf den Stoffwechsel nachahmen, die in Tierversuchen belegt sind. Ob das in der Praxis so gut klappt, ist eine andere Frage. Das kurzzeitige Fasten kann starke Hungergefühle erzeugen – sie legen sich beim längeren Fasten dagegen nach zwei, drei Tagen – und beeinträchtigt Schlaf, geistiges und körperliches Leistungsvermögen und die Stimmung, wie Teilnehmer berichten.

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