Astronomischer Kalender : Frühlingsanfang – eine komplizierte Sache

In diesem Jahr ist der astronomische Frühling etwas früher dran als normalerweise. Warum ist das so?

Fabian Morsch
Auch am Sonntag lagen die Temperaturen bei knapp 30 Grad - erfrischen kann man sich im Wasser, wie dieses Kind, das im Märchenbrunnen im Friedrichshain badet.Weitere Bilder anzeigen
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29.04.2012 20:39Auch am Sonntag lagen die Temperaturen bei knapp 30 Grad - erfrischen kann man sich im Wasser, wie dieses Kind, das im...

Astronomisch beginnt der Frühling, wenn die Sonne den Erdäquator von Süden nach Norden überquert. In dem Moment in dem sie dabei genau senkrecht über dem Äquator steht, spricht man von der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche (Primaräquinoktium). Tag- und Nachtphasen sind an diesem Tag genau gleich lang. Zwischen zwei Frühlingsanfängen liegt ein Zeitraum von exakt 365 Tagen 5 Stunden und 49 Minuten. Dadurch verschiebt sich der astronomische Frühlingsanfang also jedes Jahr um fast sechs Stunden nach hinten. Dieser Logik folgend begänne der Frühling im Laufe der Zeit zu einem immer späteren Zeitpunkt, irgendwann etwa mitten im Juli. Um unter anderem das zu verhindern, sieht unser gregorianischer Kalender alle vier Jahre ein Schaltjahr mit einem zusätzlichen Tag, dem 29. Februar, vor. Der Schalttag soll die zeitliche Unregelmäßigkeit korrigieren. Ein zusätzlicher Tag bringt jedoch eine Korrektur von vollen 24 Stunden mit sich, während pro Jahr nur etwas weniger als sechs Stunden kompensiert werden. Dies führt dazu, dass der Frühlingsanfang innerhalb eines Schaltjahr-Intervalls um etwa 44 Minuten nach vorne rückt. Auch dagegen ist unser Kalender jedoch gewappnet, indem in drei von vier Fällen zum Jahrhundertwechsel das Schaltjahr ausgelassen wird, um die Unregelmäßigkeiten langfristig auszugleichen. Im Jahr 2000 passierte das nicht, weshalb der Frühling nun etwas früher dran ist als normalerweise. Folglich wird der Frühling in diesem Jahrhundert nie mehr nach dem 20. März, im Jahr 2048 das erste Mal seit 1796 gar an einem 19. März beginnen.

Eine astronomische Formel also, von der unser Frühlingsanfang abhängt. Für Meteorologen dagegen beginnt der Frühling ganz einfach am 1. März. Das sei „nun mal viel praktischer, um Monatsmittelwerte zu berechnen“, sagt Diplom-Meteorologe Thomas Dümmel von der Freien Universität Berlin.

Die Kirche kümmern die mathematischen Berechnungen ebenfalls nicht. Für sie beginnt der Frühling am 21. Dementsprechend wird das Osterfest bestimmt, der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem 21. März.

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