Autozug nach Sylt : Streit auf dem Hindenburgdamm

Ein US-Eisenbahnunternehmen konkurriert mit der Deutschen Bahn um die Autozüge nach Sylt. Die Einwohner der Ferieninsel befürchten Beeinträchtigungen für den Tourismus – und wehren sich

Paul Middelhoff
Der Autozug über den Hindenburgdamm ist den Syltern heilig.
Der Autozug über den Hindenburgdamm ist den Syltern heilig.Foto: dpa

Wenn alles glatt läuft, dauert die Fahrt mit dem Autozug nach Sylt nur eine gute halbe Stunde. In Niebüll auf dem Festland kurz vor der Grenze zu Dänemark werden die Wagen aufgeladen, dann geht es über den Hindenburgdamm auf die Insel. Der Syltshuttle fährt durch die Ortschaften Kleinmorsum, Grossmorsum, Archsum und Tinnum bis nach Westerland. Dort werden die Waggons wieder entladen. Hin- und Rückfahrt kosten momentan 90 Euro. Wer in Sylt wohnt, bekommt das Ticket sogar ein bisschen billiger. Fahrer und Mitfahrer dürfen während der Zugfahrt über den Hindenburgdamm im Auto sitzen bleiben. Seit den fünfziger Jahren geht das schon so, jeden Tag.

Doch das Bahn-Idyll auf Deutschlands beliebtester Ferieninsel ist bedroht. Denn durch die Privatisierung der Deutschen Bahn werden alle Strecken im Abstand von fünf Jahren von der Bundesnetzagentur neu ausgeschrieben. So auch die Strecke für den Autozug zwischen Niebüll und Westerland, die wegen Sylts Beliebtheit bei Touristen seit jeher als besonders profitable Strecke gilt. Nun macht die „Railroad Development Cooperation“ (RDC), ein amerikanisches Eisenbahn- Unternehmen, der Deutschen Bahn den Autotransport über die Bilderbuchstrecke streitig. Bei der letzten Ausschreibung legte sie das beste Angebot vor und bekam 22 Überfahrten pro Tag zugesprochen. Wer die restlichen Fahrten übernimmt, entscheidet sich im Laufe des Jahres. Ab Dezember will die RDC die Strecke mit eigenen Autozügen befahren.

Was sich nach einer logischen Konsequenz der Bahn Privatisierung anhört, versetzt jedoch die Bevölkerung der Nordseeinsel Sylt in Aufruhr. Seit Wochen laufen Lokalzeitungen und Bürgergruppen der 15000-Einwohner-Insel Sturm gegen das Vorhaben der RDC. „Die Strecke ist eine Lebensader für unsere Insel, wir sind von einer funktionierenden Verbindung zum Festland abhängig“, sagt Peter Schnittgard, Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt. Doch die Bahnstrecke von und nach Westerland über den Hindenburgdamm ist bereits voll ausgelastet. Täglich fahren Intercity-Züge von Frankfurt am Main und Köln aus auf die Insel, Nahverkehrszüge der Nord-Ostsee-Bahn bringen Arbeitspendler und Touristen vom Festland nach Sylt und zurück. An manchen Stellen verläuft die Strecke nur eingleisig. „Wenn nun zwei unterschiedliche Betreiber den Verkehr der Autozüge organisieren, dann überlasten wir die Strecke vollends“, befürchtet Günter Schroeder, Geschäftsführer der Sylt-Tourismusgesellschaft.

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