Bearded Villains Germany : Brüder im Barte

In Schweden hielt man sie für IS-Sympathisanten, in Deutschland für Hipster. Dabei wollen die Mitglieder des Männerklubs „Bärtige Schurken“ alles andere als Bösewichter sein.

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Keine Hipster: Der Bartclub "Bearded Villainst Germany" bei einem Treffen in Coburg.
Keine Hipster: Der Bartclub "Bearded Villainst Germany" bei einem Treffen in Coburg.Foto: Bearded Villains Germany

Als sie sich in Schweden versammelten, alarmierte ein vorbeifahrender Autofahrer die Polizei. Er hatte Männer mit Vollbärten gesehen und vermutete Sympathisanten der Terrororganisation Islamischer Staat. Als die Polizei dann anrückte, konnten die Beamten sich das Lachen nicht verkneifen: Getroffen hatten sich die „Bearded Villains“, die „Bärtigen Schurken“. Diese sind jedoch alles andere als Bösewichte: Es handelt sich um eine „Bartbruderschaft“, die sich für wohltätige Zwecke einsetzt. Da die Organisation noch sehr unbekannt ist, mussten auch die Beamten in Schweden zunächst aufgeklärt werden.

Frederick von Knox heißt der Mann, der die Bearded Villains 2014 in Los Angeles gegründet hat, „um die bärtigen Männer dieser Welt zu vereinen und mit dieser Gemeinschaft die Welt ein Stück besser zu machen.“ Nach dem Vorfall in Schweden twitterte die Organisation: „Einen Bart zu tragen, ist kein Verbrechen!“

26 Mitglieder zählt der Ableger der Organisation derzeit in Deutschland – Tendenz steigend. Hierzulande werden sie zwar nicht mit dem IS verwechselt, aber für „Hipster“gehalten. Der Begriff werde von den Medien sehr schnell benutzt, sagt der „Kapitän“ der „Bearded Villains Germany“, Tobias von Pokrzywnitzki. „Hipster“ würden bestimmte Kleidung anziehen und einen Bart tragen, weil es gerade modern und angesagt sei und sie damit ausdrücken wollten, dass sie gegen den Mainstream seien. „Das wird immer schnell auf den Bart reduziert. Wir sind Bartträger aus Leidenschaft, nicht weil es gerade modern ist.“

Ohne Bart keine Bartbruderschaft

Die Grundsätze der Bruderschaft sind „Respekt allen Menschen gegenüber und Loyalität gegenüber unserer Gemeinschaft“. Sie wollen sich für eine Welt ohne Rassismus, Vorurteile, Homophobie und Armut einsetzen.

Ihre gemeinnützigen Tätigkeiten sind vielzählig: In den USA bauen die „Bearded Villains“ Häuser für Obdachlose oder gehen durch die Straßen und verteilen Essen. „Für uns als deutsches Chapter ist es ein wenig schwierig, da wir quer übers Land verteilt sind.“ Sie haben eine Kooperation mit „Save The Children“ und sammeln Geld für Flüchtlingskinder. Bei einem Treffen in Berlin Anfang Dezember wollen sie ein Flüchtlingsheim besuchen, Sachen spenden und Zeit mit den Menschen verbringen.

Die Mitglieder der deutschen Abteilung der Bartbruderschaft "Bearded Villains" mit der Fahne der Organisation.
Die Mitglieder der deutschen Abteilung der Bartbruderschaft "Bearded Villains" mit der Fahne der Organisation.Foto: Bearded Villains Germany

Die Verwechslung mit einer Terrororganisation in Schweden stimmt die Männer traurig. „Die Leute sehen nur den Bart und denken: Terroristen. Dabei sind wir bärtig, aber freundlich, hilfsbereit und engagiert“, sagt Tobias von Pokrzywnitzki.

Die Teilnahmebedingungen für den Bartklub sind einfach: Man benötigt einen Bart und die Flagge der Organisation, macht ein Bild davon und postet es auf das Instagram-Profil des Klubs. Dann teilt man mit, die Prinzipien der Bruderschaft zu akzeptieren. Gebühren oder so etwas fallen nicht an. „Eine Sekte sind wir ja auch nicht.“ Auch Sponsoren oder Geldgeber sind nicht beteiligt.

„Jeder Bart ist ein guter Bart."

Ohne Wuchs im Gesicht ist es allerdings schlecht: „Der Bart ist bei uns Grundvoraussetzung zur Mitgliedschaft, da wir nun mal ein Bartklub sind. Wir werden aber niemanden abweisen, der gerade erst begonnen hat, seinen Bart wachsen zu lassen, sondern werden ihn auf seinem Weg unterstützen.“

Auch eine bestimmte Länge oder Fülle des Bartes ist nicht vorgegeben: „Jeder Bart ist ein guter Bart. Da man seinen Bartwuchs nicht beeinflussen kann, macht man das Beste aus dem, was man hat.“ Keiner der Mitglieder müsse etwas beweisen – auch von Rockergruppen distanzieren sich die Bartträger. Es handelt sich um einen reinen Männerklub, bei dem es aber „Family first“ heißt. Die Familien der Mitglieder sind bei den Treffen herzlich willkommen – die Frauen nennen sich „Bearded Villains Queens“.

Wenn sich die Bartträger treffen, sitzen sie zusammen, essen, trinken, machen Fotos und engagieren sich für Projekte. Überall auf der Welt gibt es Ableger. Eine Fahne des Klubs wandert von Land zu Land, die Mitglieder treffen sich und machen Fotos mit ihr – was dann auf Instagram von Mitgliedern aus aller Welt gefeiert wird.

Als die Fahne nach Deutschland kam, war es gleichzeitig das erste Treffen der hiesigen Mitglieder. Der „Kapitän“ des niederländischen Ablegers überbrachte die Fahne, welche wenn möglich immer per Hand übergeben wird. Ansonsten reist sie per Post von Captain zu Captain.

So hat jedes Chapter in jedem Land eine Möglichkeit auf ein Fotoshooting mit der Flagge. Von Deutschland aus ging die Fahne weiter nach Schweden – wo es bei dem dortigen Treffen dann zu der Verwechslung mit dem IS kam.

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