Berlinale : "Snowpiercer": US-Kinopublikum zu dumm für den Film?

In dem US-Film "Snowpiercer" rast ein Zug mit Überlebenden durch eine menschenleere Welt. Hollywood-Tycoon Harvey Weinstein legt nun eine Vollbremsung ein und stoppt den Start in den USA. Der Film sei zu kompliziert. Dafür läuft er auf der Berlinale.

Michel Penke
Rechteinhaber Harvey Weinstein verhindert den Kinostart in den USA.
Rechteinhaber Harvey Weinstein verhindert den Kinostart in den USA.Foto: dpa

Es wird gekämpft, gestorben und die menschliche Seele ein wenig gequält. Die Dystopie "Snowpiercer" hat ihre Premiere in Deutschland am 7. Februar während der Berlinale. Der Hollywoodfilm des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-Hos spielt in einer Eiswüste, durch die ein Zug mit den letzten Überlebenden der Menschheit rast. Besser gesagt, mit zwei Arten von Menschen: denen, die vorne am Steuer sitzen, und jenen Geknechteten, die am Ende des Zuges kauern. Die starre Klassengesellschaft kommt ins Wanken, eine Revolution fordert ihre ersten Opfer und die Protagonisten zeigen menschliche Regungen. Das jedoch ist dem US-amerikanischen Publikum nach Meinung von Rechteinhaber Harvey Weinstein, dem großen Hollywood-Tycoon, nicht zuzumuten, wie zahlreiche Branchenportale berichten.

Für das US-Publikum zu intelligent?

Die Charaktere seien zu ausführlich beschrieben und bremsen die "Action", meint Weinstein. Für das Publikum sei der Film "zu intelligent". Er forderte im November von Regisseur Bong Joon-Ho Dialoge und Charakterszenen zu kürzen, um mehr Tempo in den Film zu bringen. Insgesamt 20 von gerade mal 126 Minuten sollten nach Angaben von Bong Joon-Ho wegfallen. Sonst würde der Film in den USA nicht gezeigt werden.

Noch im November äußerte sich Bong Joon-Ho in einem Interview mit dem Filmportal twitchfilm.com versöhnlich: "Wir haben bereits eine fertige amerikanische Version, die um 20 Minuten gekürzt ist. Ich bin kein junger, unschuldiger Filmstudent, der sagt: 'Niemand fasst meinen Film an!' Aber ich hoffe, dass wir die lange Version zeigen können." Bis jetzt hat sich jedoch keine Einigung zwischen den Parteien ergeben. Zumal die ungekürzte Version nach Angaben von Bong Joon-Ho beim Testpublikum besser abgeschnitten hat als die um Charakterszenen bereinigte Version. Und so kommt der Film vorerst nicht in die US-amerikanischen Kinos. In den Ländern, in denen Weinstein die Filmrechte nicht aufgekauft hat, läuft die Dystopie hingegen nach und nach an. Nach Südkorea, Frankreich, Japan, Schweden und Griechenland ist der Film ab 3. April auch in Deutschlands Kinos ungekürzt zu sehen.

Die Gefahr von Raubkopien wächst

Der unkoordinierte Filmstart macht es den Produzenten jedoch schwer, den Film in die Öffentlichkeit zu tragen und steigert die Gefahr von Kinomitschnitten, die über Streamingportale illegal im Netz verbreitet werden könnten. Seine Produktionskosten von 40 Millionen hat der Film jedoch bereits eingespielt. Mittlerweile nähern sich die Einnahmen bereits der Marke von 150 Millionen.

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