Bernhard Hoëcker : Die "Milchmädchenrechnung" mit den Flüchtlingen

Eine Rechnung von Bernhard Hoëcker geht durchs Internet. Auf seiner Facebook-Seite bekommt der Komiker viel Gegenwind.

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Komiker Bernhard Hoëcker in der "NDR Talk Show". Screenshot
Komiker Bernhard Hoëcker in der "NDR Talk Show".Screenshot

Warum die Anzahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, kein Problem sei, das hat Bernhard Hoëcker in der "NDR Talk Show" kurz und anschaulich erläutert. Der Komiker kann die Meinung nicht teilen, Deutschland werde "von Flüchtlingen überschwemmt". Warum er diese Sorge nicht nachvollziehen kann, erklärt er in einem einfachen Vergleich: "Wenn im letzten Jahr ungefähr eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und wir 80 Millionen Menschen sind, dann ist das ungefähr ein Achtzigstel."

Dann bittet er zwei Zuschauer, aufzustehen. "Diese beiden Menschen sind die Anzahl der Flüchtlinge, wenn wir ganz Deutschland wären. Und wenn man jetzt noch aufsteht und bereit ist, zu sagen, diese wenigen Menschen überfluten die Kultur dieses Studios, dann muss man ein Problem haben." Der NDR zeigte den knapp anderthalb Minuten langen Ausschnitt auf seiner Facebook-Seite. Ausgestrahlt wurde die Sendung am letzten Freitag.

Mit seiner Angabe liegt Hoëcker nicht falsch. Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kam 2015 eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. Für das Jahr 2016 möchte sich die Bundesregierung nicht auf eine Vorhersage festlegen.

Der Komiker selbst teilte den NDR-Beitrag auf seinem Facebook-Profil. Auch hier bekommt er viel Zuspruch, allerdings auch einiges an Kritik. "Absolut richtige Darstellung. Solange die beiden 'Flüchtlinge' einen eigenen Platz im Studio haben. Haben Sie den nicht, muss jemand anders aufstehen", schreibt etwa jemand. Viele sprechen von einer "Milchmädchenrechnung".

"Super Herr Hoecker. Aber wenn nur einer dieser beiden Personen eine Waffe hat und im Studio um sich ballert, dann haben alle ein riesiges Problem!", so ein weiterer Kommentar. Ein anderer Nutzer schreibt, die Rechnung von Hoëcker vergesse die Flüchtlinge, die zuvor nach Deutschland gekommen seien. "Rechnen wir die dazu, die noch kommen, plus Zuzug Angehöriger usw. Da kommt man schon auf ganz andere Zahlen."

Ein anderer Nutzer rechnet seine Meinung vor: So bräuchten die Flüchtlinge eine Wohnung, Arbeit und Einkommen. "Also bauen wir mal in kürzester Zeit eine Stadt auf, die mehr als doppelt so groß ist wie Köln." Dann macht sich der Mann Sorgen um seine Rente.

"Terrorismus ist überschätzt"

Letztendlich möchte Hoëcker im Grunde nur mitteilen, dass die Deutschen die Anzahl der Flüchtlinge in Deutschland falsch einschätzen würden. Dazu passt ein Kommentar des Schweizer Journalisten Constantin Seibt, bei dem es um die Wahrnehmung der Präsenz des Islam geht. Dieser sei in den Medien überpräsent, in der Statistik jedoch unscheinbar. "Der islamistische Attentäter funktioniert wie der Hai oder der Wolf: ein Monster für die Phantasie, eine Mikrobe für die Statistik. Ebenso wie der Islam selbst", schreibt er in seinem Artikel mit dem Titel "Fürchte dich nicht" auf tagesanzeiger.ch. Auch dieser Artikel erfährt in den sozialen Medien viel Zuspruch sowie Kritik: "Sensationell, wie viel Dummheit Constantin Seibt in einem Kommentar unterbringt", schreibt jemand auf Twitter. "Das Gescheiteste und Unaufgeregteste seit langem! Die richtige Haltung zum Terror", ein anderer.

Seibt zitiert aus einer Umfrage, demnach Befragte in Deutschland den Anteil von Muslimen auf 19 Prozent schätzten. Es seien jedoch sechs Prozent. Weiter belegt werden diese Zahlen nicht. Eine exakte Angabe über die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime ist nicht möglich. Die islamische Religionszugehörigkeit wird im Gegensatz zur christlichen nicht zentral erfasst. Ein Tagesspiegel-Artikel aus dem Jahre 2014 beschreibt, dass schon vor zwei Jahren die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime erheblich überschätzt wurde.

Laut einer Studie des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) gingen bei einer Befragung von 5659 Menschen mit und ohne Migrationshintergrund 70 Prozent von einer deutlich höheren Zahl aus. Nur etwa zehn Prozent hätten die Zahl der Muslime in Deutschland mit dem richtigen Wert zwischen 3,8 und 4,3 Millionen angegeben. Diese Zahl (etwa fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland) entspricht der weithin anerkannten Hochrechnung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) von vor drei Jahren. Derzeit leben in Deutschland schätzungsweise fünf Millionen Muslime.

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